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Der Israelit · 1865-03-29 · Heft 14 (29.3.1865) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 14 (29.3.1865)
Date
1865-03-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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184 religiösen Freiheit gestalten wird. Ueberall, wo der Jude sich auszeichnet, räumt man ihm seinen Platz ein, in einer Zeit, in welcher Inte lkiHMss und Talent die Hebel der Welt sind. Ueberall bricht sich das Bewußtsein der Freiheit Bahn. Europa macht uns keine Sorge; es wird sein Werk allein oder doch fast allein vollbringen. Richten wir jedoch unfern Blick in jene fernen Länder, in welchen sich die Lage unserer Brüder seit den entferntesten Zeiten nicht verändert hat! In Marocko wohnen im Innern und an den Küsten mindesten 300,000 Israeliten. In Tunis und Tripolis wohnen deren 80,000. Man wird die Zahlen nicht zu groß annehmen, wenn man 300,000 auf die europäische und 400,000 auf die asiatische Türkei rechnet. Ungefähr 60,000 Israeliten vegetiren an den Ufern des Euphrat und der Tigris in dem alten Mesopotamien, im Vaterlande Abrahams. Wenn wir noch weiter in Asien Vordringen, so werden wir dort ebenso, wie in den wenig bekannten Gegenden Afrika's sehr zahlreiche jüdische Bevölkerung finden, die unfern Ideen so fremd sind, wie wenn Jahrhunderte und nicht räumliche Entfernungen uns trennten! Nichts läßt sich der Trägheit vergleichen, in welcher diese intelligenten Bevölkerungen schmachten, welche nicht durch politischen Druck, sondern von jmer sittlichen Sclaverei geknechtet werden, die da aus der Unwissenheit entspringt. Die Civilisation hat noch nicht Besitz ergriffen von dem größten Theil jener Gegenden, in welchen so viele unserer Brüder wohnen! Alles, was uns, den Söhnen des Occidents, Kraft und Größe verleiht, ist ihnen unbekannt. Selbst dann, wann der Fortschritt sich ihrer Umgebung bemächtigt, find ihnen mit Recht die neuen Ideen, da diese in Verbindung mit Lehren gegeben werden, die ihrem Glauben entgegengesetzt sind, verdächtig, und so scheinen sie selbst dann zur Unbeweglichkeit verurtheilt zu sein, wann Alles sich bewegt. Aber, wie^kann man in so weiter Ferne für sie wirksam thätig sein? Wie kann man m so weite Fernen die Aufklärung denjenigen bringen, welche unser Verein vor allen Andern lieben und unterstützen muß, da sie die Schwächsten sind und bisher am Meisten vergessen waren? Die Erfahrung lehrt, daß man auf die kommenden Geschlechter zu wirken suchen muß. Schulen! von einem Ende der Welt bis zum andern — das ist die Forderung unserer Zeit. Der erwachsene Mann leiht sein Ohr nicht mehr neuen Lehren, der Greis zieht sie in Zweifel, der Fanatiker stößt sie zurück. Das Kind ist ein gesegneter Boden, welcher immer bereit ist, den guten Samen aufzunebmen: das Kind wird das Heil dieser vernachlässigten Völker sein. Israeliten! Man muß in Afrika und im Orient jüdische Schulen. errichten! Wie viele Kenntnisse gibt es da mitzutheilen, wie viele Ideen auszubreiten, wie viele Gefühle zu erwecken! Die Unwissenheit verändert die göttlichen Elemente unserer Religion; der Aberglaube entstellt sie; die Sitten und Gebräuche, welche sich in jenen Gegenden verewigen, sind ebenso mit unserm wahrhaften Glauben wie mit dem Geiste des Fortschritts unvereinbar. Die Weltgeschichte beschränkt sich bei einem großen Theil von ihnen auf die Erzählungen der heiligen Bücher. Trotz ihrer Intelligenz und ihrer Einbildungskraft haben sie kein Geschick zur Industrie und zu den Künsten; selbst der Handel ist nicht in ihren Händen und gehört fremden Brüdern, die ein Stück Civilisation mit sich gebracht haben, das sie begreifen und das sie lieben. Ohne Zweifel bilden die Juden keine Ausnahme inmitten der Bevölkerungen, welche sie umgeben; aber wir können, wir müssen für sie dasjenige thun, was wir für die Millionen der Bekenner der andern Kulte nicht zu thun vermögen. Wir muffen aus unfern Brüdern eine productive Kraft machen, damit sie den Anstoß bilden für jene Nationen, unter welchen sie schlummern; vielleicht gelingt eS ihnen mit unserer Hilfe, eines Tages das intelligenteste und thätigste Element innerhalb jener Völker zu werden, von welchen sie verachtet werden. Man muß Schulen für die Knaben, man muß Schulen für die Mädchen errichten. Die elfteren werden eine Generation von Männern heranbilden, die thätige Mitglieder der menschlichen Gesellschaft, die nützliche Staatsbürger sein werden, die ihrer Religion Ehre machen werden. Die letzteren werden solche Mütter heranbilden, wie sie diese Generation braucht. Es ist die Obliegenheit der Frauen, auf die Sitten zu wirken, die erste Erziehung zu leiten, dauernde sittliche Grundsätze einzuflößen, dem Kinde den göttlichen Sinn der Religion zu deuten, in die Seelen jene kindlichen Belehrungen zu säen, deren Andenken niemals erlischt — gibt es wohl solche Frauen unter den armen, entarteten Völkerschaften, von denen wir reden? Das jüdische Weib, welches für dis Civilisation bester vorbereitet ist, als das muselmännische, weil es frei und nicht so eng begrenzt ist, wie dieses, — wie nimmt es doch so wenig seinen Rang als Gattin und Mutter ein! Israeliten des Orient's und Afrika's, was habt ihr aus der Gefährtin eurer Tage, die vor Gott euch gleich steht, gemacht? In welcher Erniedrigung lastet ihr sie leb m! Welche Unterstützung findet ihr bei diesem untergeordneten Geschöpfe in den Stür-

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