Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 13 (22.3.1865)
- Date
- 1865-03-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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17Ä Talmudstudium G. s. D. immer noch cm der Tagesordnung. Zumal in jüngster Zeit erblühte dieses Gefilde üppig und stark. Der väterliche Gnadenakt unseres erhabenen Monarchen, -wodurch die Jeschibah zu Preßburg zu einer vom Staate anerkannten Hochschule erhoben wurde, hat wie ein mächtiger Zauber die religiösen Gefühle entflammt, und den Drang zum Talmudstudium in den Herzen der Jugend wach gerufen; nicht nur die Jeschibah zu Preßburg steht nach wie vor riesig da, wo die gediegenen, inhaltsreichen, scharfsinnigen Vorträge des hochgelehrten , ehrwürdigen Sohnes und Nachfolgers jenes gefeierten Oberrabbiners iLiO immer noch einen großen Kreis von talmudbeflissenen Schülern erbauen. Auch der altehrwürdige Oberrabbiner zu Szerdahely erinnert mit seiner Jeschibah an seinen großen Lehrer, den berühmten Oberlandesrabbrner von Mahren Und richten wir unsern Blick nach Oberungarn, so gewahren wir zuvörderst die in zwei Abteilungen sich schön entfaltende Jeschibah zu S. a. Ujhely, unter Leitung des m Gelehrsamkeit ausgezeichneten Herrn Oberrabbiners daselbst und seines würdigen Sohnes, als Erinnerung an die dereinst blühende Jeschibah ihres Ahnes, des durch so viele talmudische Werke hochberühmten fvV pxni b"i np->, des Vaters des unsterblich großen vpO n-nn 'ipv. Ferner sehen wir in Groß-Karoly, unter dem in meditationeller Vortragsweise seinem berühmten großen Bakrr üb^pL O^.iO nachftrebenden Oberrabbiner daselbst eine hoffnungsvolle Jeschibah erstehen. Auch in der Nähe der Residenz, unter der bildenden Hand des vielbegabten, verdienstvollen und rüstigen Herrn vr. Hildesheimer, Oberrabbiners zu Eisenstadt, gedeihet eine tüchtige leistungsfähige Jeschibah. Die Jeschibah zu BaLassa - Gyarmat erfreut sich eines guten Rufes. Und wer kann sie herrechnen all dis Jeschiboth, grüß und klein, welche die ehrwürdigen orthodoxen Rabbinen Ungarns, im Bewußtsein religionsgesetzlicher Pflichtübung, zur Verbreitung des Talmudstudiums aufrecht erhalten! Unter solchen Umständen sollte nun irgend ein fühlbarer Mangel an gewiegten echttalmudistischen Rabbinats-Candidaten eine neue Schöpfung oder Organisirung erwünscht machen? Durchaus nicht. Bloß zu Gunsten prophaner Wissenschaften, znr homiletischen und sonstigen Amts-Qualiftcation mochte eine Bildungsanstalt erforderlich sein. Handelt nun das Elaborat auch von einem „Bedürfnisse nach einer Anstalt zur Heranbildung von tüchtigen, durch gründlich jüdisch-theologisches Wissen dem Berufe entsprechenden Rabbinern," so ist dies keineswegs im Interesse der Orthodoxie. Kann denn beim Jeschibah-System neben einer von ihren Fachlehrern geleiteten Bildungsschule auch noch von einem „die Erkenntniß ebenso «ne das Gewissen beirrenden Dualismus zwischen Glauben und Wissen" die Rede sein? Wohl mag es auch zur Vermeidung der Einseitigkeit zweckmäßig sein, „daß die Schüler zeitig und fortwährend gewöhnt werden, die religiösen und allgemein wissenschaftlichen Disciplinen nach ihrer inner« Einheit und Zusammengehörigkeit aufzufassen." Es ist wahr, in einer isr. Lehranstalt von der untern Volksschule aussteigend bis zum Rabbiner-Seminar, soll jeglicher Unterrichtszweig auf das religiöse Moment resultiren. Jede scientifische Beziehung findet auf religiösem Gebiete Verwerthung und Anwendung. So kann der Zögling zur Gottesfurcht gehoben und zur tugendhaften Selbstanschauung geleitet den Gedanken und das Gefühl verschwistern und Bildung und Glauben einigen, wenn die Wissenschaft im Dienste der heiligen Religion steht. Dieses System müßte aber als Leitfaden in der Bestimmung und Behandlung der Lehrgegenstände durchgehends sich bewähren. Und dann wären bei Ausdehnung des Präparandenkurses, vermöge des in der Pädagogik vorherrschenden Assimilirungiystemes — viele der Oberabtheilung zugevachte Disciplinen noch in den Bereich der Unterabtheilung zu ziehen. So z. B. sollte der Gesammtumsang der hebräischen Sprache, so wie die Aramäische zum Verständnisse des Talmuds schon den: stufenmäßigen Unterrichtsgange in den sogenannten klassischen Sprachen sich anschließen. Jesaias und andere Propheten wären der Rhetorik, so wie Psalmen, hohes Lied, Elegien, metrische Accentenlehre, sephardische und deutsche Piutim der Poesie zuzutheilen. In der Mathematik sollten Kiddnsch hachodesch, die Traktate Krlaim und Erubin, so wie bezügliche Stellen aus B- Bathra zur Behandlung kommen.*) Auch zu Seraim wären Vorträge aus der Botanik und zu Kadaschim und Taharot aus der Anatomie und Zoologie erwünscht. Bei der Geographie sollte man auf Bibel, Mischnah und Talmud Bezug nehmen. Die Geschichte der Juden dürfte hier kein separates Studium bilden, vielmehr die Idee weltgeschichtlicher Entwicklung zur Veredelung der Menschheit den reinen Principien des Judenthums entlehnt, in den verschiedenen Zeiträumen mit der jedesmaligen Lage des Stammes Israels zur Veranschaulichung kommen. Daß aber bei diesem Vorgänge das jüdisch-theologische Wissen keinem Mitgliede des Lehrkörpers entbehrlich, ist wohl selbstverständlich. — Endlich fragt es sich, wozu denn mit dem Vorschläge einer Oberabtheilung als diametraler Gegensatz zur Prämission „der bei Verwaltung der öffentlichen *) Die Arbeiten des Maimonides, B. Haitur und Taschbatz dürsten benützt und die Werke des R. L. Heller gewürdigt werden.