Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 13 (22.3.1865)
- Date
- 1865-03-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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176 doxe Juden klagen, daß die Oberkirchenbehörde zu tief in das Gebiet eingreife, welches dem persönlichen Ermessen überlassen bleiben sollte. Der Kultusminister gab, wie in der Audienz, die höchst erfreuliche Antwort, daß die Frage von der Reform der kirchlichen Verhältnisse der Israeliten im Sinne einer größeren Selbstständigkeit der isr. Kirche dermalen bei der Regierung in Angriff genommen sei. Sodann wird der Kommissionsantrag, die Exigenz zu verwilligen, zum Beschluß erhoben. Preußen. Königsberg, 1. März. Wir haben noch immer nicht unseren bestimmten Prediger. Zwar ist von den 22-Candidaten, welche sich zu der vakanten Stelle gemeldet haben, Herr vr. Bamberger aus Breslau, ein geborner Darmstädter, definitiv gewählt, derselbe aber von der Königl. Regierung noch nicht bestätigt worden. Sollte diese Verzögerung vielleicht durch die öffentliche Denunciation gegen den Erwählten verschuldet sein, der in harmloser Weise eines Abends den hiesigen Handwerkerverein besucht haben soll? Das Wunderbarste ist jedenfalls dabei, daß jene Denunciation, wio-man sagt, von dem wüthendsten Königsberger Reformer ausgegangen ist, der in seinen Reden und Vorträgen den Rabbinismus aufis Heftigste angreift und das Wort „religiöser Fortschritt" stets im Munde führt. Dieser soll freilich ein Mitbewerber um jenen einträglichen Posten gewesen sein; also kive illae laor^wae! Doch ich glaube, Ihnen von diesem modernen Rabbi in oxs schon genug gesagt zu haben und wähle nunmehr andere Stoffe. — Soeben passirt unfern Ort der berühmte Reisende Joseph Tsch arni, der so lange in Dagestan im asiatischen Rußland segensreich gewirkt hat und nun den armen Falascha's in Abefsynien zu Hilfe eilt. Er wird die beschwerliche Reise E noch zwei anderen Gehilfen aus Jerusalem und Adrianopel gemeinsam antreten.*) Wir lernten ihn als einen würdigen, achtungsvollen Mann kennen. — Auch bei uns hat sich ein Comite zur Entgegennahme von milden Beiträgen für die Errichtung von Zufluchtshäusern V2) in der Hauptstadt Palästinas gebildet, an dessen Spitze unser verehrter Oberrabbiner I. Mecklenburg und die gottesfürchtige Frau Dorothea Pollack prHdnD 71^2-1) stehen. Es wurde deßhalb im Namen desselben eingedrucktes Circular an Stadt und Provinz erlassen, das der zu jedem guten Werk gern die Hand bietende Literat M. Freystadt angefertigt hat, und dessen Anfang und Schluß wir zur Empfehlung der guten Sache 4 den Lesern mittheilen wollen. Das Circular ist betitelt: „Aufruf an Israels edle Frauen zur Unterz stützung des Fortbaues jüdischer Armen- und Pilgeri Wohnungen in Jerusalem." Die betreffenden Stellen sH lauten also: „Unsere armen Glaubensgenoffen im hei- Z ligen Lande unserer Väter auf alle Weise und mit allen M möglichen Mitteln zu unterstützen, galt von jeher als eine Pietäts- und Gewissenspflicht des gesammten Israels, z Man begnügte sich nicht bloß mit baaren Geldsendungen, die fromme Mildthätigkeit reicher Brüder und Schwestern baute ihnen auch Hospitäler, Synagogen, Lehrgebäude j uud Armenhäuser. Für diese letzteren besonders, für x? die überall jetzt so fleißig gesammelt wird, auch bei - i uns die erforderliche Theilnahme zu erwecken, sind wir Unterzeichnete zusammengetreten und nehmen dafür,! z edle Frauen Königsbergs und der Provinz Preußen, r Ihre erprobte und stets bewährte Herzensgute ergeß benst bittend hiermit in Anspruch." — (Schluß.) „Noch 4 ist Israel nicht verwaist, noch gibt es gottlob viele ' s wackere Frauen in seiner Mitte, deren Herz warm iß schlägt für die Sache ihres Volkes. Wohlan denn, Z eilet mit Euren milden Gaben herbei und fördert den? s immer von neuem nothwendigen Aufbau von Frei- Wohnungen in der heiligen Stadt Jerusalem. Möchte j i jk de Unterstützung an dem Geber, möchte sie an denen, welchen sie zufließt, gesegnet sein!" Die angeftellte?! Sammlung hat bisher schon einen reichen Ertrag eingebracht. — Schließlich muß ich einen und den andern! s Jrrthum, der sich in Ihr geschätztes Journal einge-?! schlichen hat, nothwendig berichtigen. Ein Hambur-! ger Korrespondent schrieb Ihnen einmal unterm 9. Dec.! 1 1864: „In Königsberg ist Herrn Oppenheim, der zum Z Stadtrath gewählt wurde, die Bestätigung seitens der Regierung versagt worden." Das Factum ist richtig ) bis auf zwei Jrrthümer Dem längst getauften E Consul und Banquier R. Oppenheim ist der Titel s eines Commerzienrathes verweigert worden, weil er — j zur Fortschrittspartei gehört. Das ist die wahre That- . fache. — Die einzige Jüdin des hier bestehenden Bank- Hauses „Oppenheim und Warschauer", die ehrwürdige Matrone und Millionärin, verwittwete Frau War-?s schauer, ist vor einigen Wochen gestorben und nach orthodoxem Ritus auf dem hiesigen Friedhofe begraben worden. Gelegentlich theile ich zur Berichtigung ' noch mit, daß sowohl Prof. Hirsch in Berlin (aus s Danzig) als der Finanzmimster David in Kopenhagen 1 ebenfalls getaufte Juden sind. Der Baum der jüj dischen Religion wird indeß doch ewig in Blüthe stehen, z wenn auch hin und wieder einzelne Zweiglein von ihm z abfallen. — M. Almoni. - *) Davon Müßten dcch auch wir Etwas wissen! Herr Tsch. ist von der Red. des Ham. allerdings in Vorschlag gebracht — allein so weit, wie unser Herr Corresp. meint, halten wir ja lei- >er noch nicht. — Red. Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.