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Der Israelit · 1865-03-22 · Heft 13 (22.3.1865) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 13 (22.3.1865)
Date
1865-03-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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172 „das Lesebuch auch nicht Lehrbuch sein soll, ider Lehrstoff sei darin geboten, und erleichtere das Lesen dem Lehrer den Unterricht in den verschiedenen andern Gegenständen." Wenn wir den Sinn dieses an sich unklaren Satzes richtig aufgefaßt haben, und versteht Herrvr. Adler unter „Lesen" den gegebenen Lesestoff, welcher nach seiner Ansicht den Unterricht in den übrigen Disciplinen „erleichtern" soll, so collidirt diese Ansicht einerseits gegen allgemein anerkannte Gesetze der Didactik, und involvirt andererseits einen inneren Widerspruch. Denn ein Lesebuch soll wohl ein Lehrbuch sein und hat, wie schon Herr Or. Schwab in dem Vorworte zu seinem Lesebuche darlegt, die Bestimmung, eine für die Volksschule notwendige, vollständige Encyclopädie des Wissens zu geben, freilich nur in allgemeinen Umrissen, aber in systematischer Gruppirung, deren Ausführung und Vervollständigung, je nach den Fähigkeiten der einzelnen Schüler und dem jeweiligen Vildungsstand der ganzen Schule, dem Ermessen des verständigen Lehrers überlassen bleiben muß. Die erwähnte verkehrte Ansicht des Herrn Or. A. hat ihn denn auch bestimmt, bei einer ebenso verkehrten Eintheilung, den verschiedenartigsten Stoff planlos zu zerstreuen, „um dem Lehrer keine Gewalt (soll wohl heißen: Zwang) anzuthun". Aber gerade hierdurch wird dem Lehrer der ohnedieß so schrvierge Leseunterricht geradezu erschwert, statt erleichtert, Ziel und Gang des Unterrichts werden gehemmt, und statt eines geschlossenen, in sich vollendeten Ganzen wird dem Kinde ein lückenhaftes Stückwerk geboten, welches nur geeignetist, Flüchtigkeit und Oberflächlichkeit zu erzeugen. Wäre Herr Or. Adler ein praktischer Lehrer oder auch nur ein Schulmann von Fach, so hätte er wissen müssen, daß eine systematische Reihenfolge und Anordnung die Auswahl des Lehrers in keiner Weise beschränken könne, da diese Auswahl durch den, von einer richtigen Methodik gebotenen, stufengemäßen Fortschritt vom Leichten zum Schwereren schon bestimmt wird, und daß kein denkender Lehrer je bei Gebrauch des Buches die von Hrn. Vr. A. für gut befundene Aufeinanderfolge der Lesestücke einhalten kann; dann hätte er wissen müssen, daß eine von ihm vermiedene systematische Eintheilung dem Lehrer gerade die Beherrschung des Stoffes erleichtert, indem derselbe, jenach deren Nützlichkeit oder individuellem und lokalem Werth, einzelne Lehrstoffe aus den Rubriken herausgreifen kann, um sie vollständiger zu behandeln und die mangelhafte Ausführung zu ergänzen. Wo diese Vollständigkeit in der Anordnung herrscht, da läuft der Lehrer nicht Gefahr, irgend eine, für das Wissen des Kindes nothwendige, Lehre zu vergessen oder ihren Vor-! trag dem Zufall zu überlassen; und auch dem Schü- § ler wird dadurch der Uebe^blick über das Gesammt-! gebiet seines Wissens verstattet. — Durch die, noch! von keinem Pädagogen gewählte, Eintheilung ist Herr vr. A. verleitet worden, Unerhebliches und Ueberstüfsiges in sein Buch aufzunehmen, dagegen Wichtiges und Unentbehrliches auszulassen. Wir wollen für das Gesagte einige Belege geben, und führt uns dieser Versuch zu einer Betrachtung des Inhaltes. Die mathematische Ge.ographie wird in den Nummern 91,92,93 und 94 behandelt; die Nr. 185 und 186, welche eigentlich hierher gehören, hat der Herr Verf. in die dritte Abtheilung verwiesen. Es ist ein Mißgriff, daß die erstgenannten 4 Stücke einem andern Verfasser (Daniel) als die beiden letzteren (v. Tudschek) entlehnt sind; denn die scheinbaren oder wirklichen Widersprüche zwischen Beiden verwirren das Kind. In Nr. 93 heißt es z. B.: die Mondumdrehung dauere 28, in Nr. 186 hingegen 29^ Tage. In Nr. 93 wird die Erdscheibe 12—14mal, in Nr. 186 16mal größer als die des Mondes angegeben. Die Auswahl ist unvollständig und lückenhaft, und darum nicht faßlich. Es werden Planeten und Kometen erwähnt; aber nirgends das Wesen derselben, noch ihr Verhältniß zur Sonne klar dargestellt. Aequator, Zonen, Wendekreise werden genannt; aber von den Meridianen nicht gesprochen. Die Beschreibung des Mondes und der Mondfinsternisse werden (93 und 186) wiederholt und mit unverhältnißmäßiger Ausführlichkeit gegeben, — ohne daß jedoch der jüdische Schüler etwas von der Beden-' tung des Mondes im jüdischen Leben fände —; ja sogar von der Weltsonne, um welche sich die Fixsterne, also auch unsere Sonne, bewegen, wird der arme Landjunge gewahr, und von den 18,000,000 Jahren, welche letztere gebraucht, um ihren Lauf um die Centralsonne zu vollenden; (S. 316.) dagegen erfährt er nichts von Dingen, die auf Erden Vorgehen, die ihm doch unstreitig näher liegen. Denn gleichen Mängeln begegnen wir bei der physischen Erdbeschreibung. Sie ist quantitativ am dürftigsten ausgefallen. Nur 4Lefestücke belehrenden Schüler über diesen wichtigen Theil der Geographie: Nr. 167. Von Europa's Hauptgebirgen, 110. Bonden Seen, 124. Von den fünf Oceanen, 126. Von dem Meer. Elementarische Vorbegriffe und Definitionen sind nirgends gegeben. An zwei oben angeführten Stellen lieft das Kind, wie hoch die Gebirge im Monde sind; von der physikalischen Beschaffenheit der Erdoberfläche und den damit in Verbindung stehenden Erscheinungen vermissen wir u. A. die Besprechung der Wüsten, Steppen, Wasserfälle, Wasserscheiden, Orkane, giftigen Winde, Wasserhosen, klimatischen Verhältnisse, Gesundbrunnen, Mineralquellen u. dergl. Am reichlichsten ist die politische Geographie bedacht. Hier bietet uns in Nr. 134 der Herr Verf. eine übersichtliche Zusammenstellung der deutschen Bundesstaaten (von Daniel), die jedoch einige Ungenauigkeiten enthält. In

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