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Der Israelit · 1865-03-22 · Heft 13 (22.3.1865) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 13 (22.3.1865)
Date
1865-03-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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171 W 712'L7O TIO'VTI ^71 7,-NN D '71S 7>O'2NV .2^vx^ 7112p M 2^> 'NVN» V'2V' '21PS W v'^p 712'XQ 7122 ^71 7I1LV E Und wie durch das allmächtige „Werde!" den 1 wildtobenden Kräften des Chaos der Wirkungskreis angewiesen ward, wo einer jeden durch die ihr gegen-; überstehenden Gegenkraft das richtige Maß der Be- - schränkung zugetheilt ward; so trat auch jetzt durch 1 den Gottesgeist der Tora das vermittelnde Gleichgewicht in die wild tobenden Leidenschaften des Herzens; und unmittelbar trat die Geistesharmonie ein, die dem > einzelnen Menschen, wie ganzen Völkern, Leben und Dauer gewährt. Unter solchen Verhältnissen konnten 1 die Juden die Plastik der Griechen entbehren; sie hat-! ten ja unmittelbar erreicht, was durch dieselbe nur j mittelbar und unvollkommen erreicht werden konnte. H Und wenn das innere Leben sich in der ganzen äußern i Physiognomie abspiegelt, so mußten auch die alten Juden äußerlich einen imponirenden Charakter an sich Z tragen, der vor dem anderer Völker gewiß nicht zu- 1 rücktrat; aber die Kraft des Selbstvertrauens hatte E ihren Grund in dem festen Glauben an die göttliche E Hilfe. Dieses unmittelbare Eingreifen des Gottes- - geistes in den Entwickelungsgang der Juden, es zeigt j sich auch noch in anderen Erscheinungen. E Zunächst in ihrer Literatur. Die literarischen Z Produkte anderer Völker zeigen einen allmählichen z Fortschritt; erst später zeigt sich eine höhere Vollen- 8 düng. Bei den Juden zeigt sich im Pentateuch die Z Sprache und Diction in eben so hoher Vollendung wie in den späteren prophetischen Büchern; denn l O'7! 7>2'L7, das Loblied am Schilsmeere, zeigt keine ge- § ringere Vollkommenheit als die Prophetien Jesajas, j Das wäre allerdings nach dem allgemeinen Gange der x Dinge, ohne die unmittelbare göttliche Inspiration, Nicht zu begreifen. Ein Gleiches läßt sich von den Kunstprodukten der Juden bei der Erbauung des ersten Tempels behaupten. Wir haben kein Mittel, um jene ersten Schöpfungen der Wüste mit denen einer späteren Zeit zu vergleichen, um hieraus ein Urtherl über die mehr oder minder größere künstlerische Vollendung abzugeben; aber das läßt sich sicher behaupten: Wenn irgend Etwas einem allmählichen Fortschritte unterworfen ist, so sind es die Produkte der Kunst. Noch unzureichende Kenntnisse in der Mechanik, Unvollkommenheit der Werkzeuge wirken notwendiger Weise auf die künstlerische Unvollkommenheit des Produkts. Nun denn: Die Juden verfertigten in der Wüste einen Tempel. Die verschiedenen Webereien, die goldenen, silbernen und kupfernen Gerätschaften, deren Form und Art der Verfertigung genau angegeben ist, sind zum Theil, wie das Treiben eines Leuchters aus einem Stücke, Gegenstände, die auch jetzt noch die höchste künstlerische Begabung erfordern. Wer lehrte die Juden die seinen Webereien und Goldstickereien? Wer lehrte sie oie Metalle schmelzen und bearbeiten? Standen die Künstler bei ägyptischen Meistern in der Lehre? Die heilige Schrift antwortet: bxbL2 OL>2 '.2 X2p O'pbtt 702 17I1X XbO'l : 7121.2' TillOb 217! p'21X p „Gott hat den Bezalel mit Namen berufen und ihn mit göttlichem Geiste erfüllt." Also wieder eine unmittelbare Mittheilung des Kunstsinnes und der Kunßgeschicklichkeit. Wir haben daher vollen Grund, zu behaupten : Wie die literarischen Produkte der ersten Periode auf derselben Höhe der Vollendung stehen, wie die späteren, so hatten auch die künstlerischen Schöpfungen gleich im Anfänge, insofern es sich um den Tempel handelt, die höchste künstlerische Höhe erreicht. Es geht daraus hervor, daß auch der Mosaismus die bildende Kunst innerhalb gewisser Grenzen gestattet, daß die Symbolik im Tempel in den einzelnen Theilen, wie im Ganzen, aus das Sinnreichste zur Geltung kömmt. Der Vorhang hatte nach Josephus die Farben des Himmels, der Erde und des Meeres, der Leuchter die der Planeten :c.; das Ganze stellte die Allgegenwart Gottes auf Erden dar, von Ihm kömmt das reine Licht, der Neichthum, der sein Symbol im goldenen Tisch, oie Nahrung, die ihr Symbol im Schaubrode hatte. Deßhalb waren auch den Juden die Mittel geboten, den Kunst- und Schönheitssinn durch Darstellung und Plastik zu wecken und zu pflegen; aber die Geistesharmonie zieht er nicht aus Gegenständen, die ihn herabziehen in die sinnliche Welt, sondern aus dem Gotteswort, das ihn auffordert, den Blick zu erheben in die höhere Welt: v2^-'p 12122 ixV ^121 7!bx X22 '2 1X21. Und so spricht der Dichter wahr, wenn er sagt: Der Mosaismus hat eine Nation herangebildet, die alle Zeiten überdauert. „Das Gras verdorret, die Blume verblüht, aber das Wort unseres Gottes, das uns ewige Dauer verheißt, besteht ewiglich." Ein Lesebuch für jüdische Schulen. (Fortsetzung. *) Anders hat Herr Di-. Adler diese Aufgabe begriffen. In der zum Theil seltsam stilisirten, zum Theil mit unverständlichen Doctrinen ungefüllten Vorrede spricht er ausdrücklich die Ansicht aus, „ein Lesebuch soll nicht ein Lehrbuch sein", sondern „unterhaltend, anziehend und anregend". „Aber wenn *) In voriger Nummer bittet man am Schlüsse dieses Aussatzes statt „Formeln" zu lesen „formale".

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