Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 11-12 (15.3.1865)
- Date
- 1865-03-15
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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165 heiligsten Ernst hier aussprechen, daß unser jüdisches Echriftthum für alle Beziehungen des Lebens nach innen und außen hinreichend Belehrung, Veredlung und selbst äußere Bildung in Fülle bietet, so wollen wir doch nicht verkennen, daß wenn wir uns einmal auf das Gebiet des rein wissenschaftlichen Studiums hinausbegeben, das elastische Studium neben dem der Nalurlehre sehr gut angewandt werden kann, um der subjektiven Ueberhebung gegenüber, die aus der einfestigen Behandlung der Naturwissenschaften leicht entsteht, jenen bescheidenen, objektiven, ein göttliches Walten anerkennenden Geist reden zu lasten, der aus den unübertroffenen Kunstschätzen des Alterthums spricht. *)So ist auch ein charakteristischer Unterschied zwischen der Reichen Schule, die ganz confessionslos (sie zählt auch 50 christliche Schüler) ganz nach Vorschrift der Sophisten den Menschen und ferne sudfictive dem Wechsel unterworfene Meinung als den Maßstab aller Dinge hinstellt, die den Kindern ausdrücklich befiehlt: „Wenn die Eltern Euch strafen wollen, so nehmet die Strafe nicht an, wenn Euch nicht einleuch- Let, warum sie berichtigt sind, Euch zu strafen einerseits, und der Talmud Thora andererseits, tue ihren Kindern bei allem Wissen ein bescheidenes Wesen mit anerzieht n will, und nicht mit Unrecht hört man hier die Aeußerung: Alan kann auf der Straße schon an der ungebundenen Haltung die Schüler der Reestchen Schule unter Allen, herauserkennen. Freilich wüsten wir bekennen, daß namentlich, was die Disciplin außerhalb der Elaste in den Zwischenstunden und vor und nach der Schule betrifft, noch viel auch bei unseren Schülern fehlt, um das Wort unseres wackeren Seniors des Schulvorstandes, des Herrn Salomon Wolf, zur vollen Ausführung zu bringen: Das Kind soll schon, wenn es in das Schulhaus tritt, von Respect vor diesen Räumen erfüllt werden, was hier um so mehr erwartet we den kann, da die Munificenz Hamburgs uns einen Prachtbau zur Schule auigefuhrt, der eine Zierde der Stadt bildet. Möge Herr F. Matthias, der seine Kräfte mit wahrer Selbstverleugnung dieser herrlichen Anstalt widmet, und namentlich, was wir hier mit besonderem Nachdruck erwähnen wüsten, sich um das *) Freilich wollen wir den Charakter dieser Volksschule und die nothwendige Beschränkung ihrer Leistungen nicht verkennen. Es kann nur in einzelnen Fällen, (so weit wenigstens das Gebiet dieser Schule bis jetzt reicht), und zwar bei besonderer Befähigung, etwa in Extrastundcn ein Unterricht im Lateinischen und Griechischen ermöglicht werden Aber wir legen z. B. ganz besonders Werth auf den Geschichtsunterricht, der von einem gründlichen Kenner der alten Klassiker ertheilt wer dm soll. Wir möchten an dieser Stelle unserem jungen Freunde, der auch das Geschichtsstudium stetmit besonderer Vorliebe getrieben, in feinem und der Schule Interesse dm Rath geben, « aß er, so weit chm dies eingeräumt würde, dm Geschichtsunterricht von untm bis obm in seine Hand nehmen und sich an die Lösung der schwierigen Aufgabe wagen möge, einen Leitfadm für dm Geschichtsunterricht in jüdischen Schulen zu edirm. fernere religiöse Gedeihen der Schüler dadurch verdient macht, daß er den abgehenden Schülern Stellen in hiesigen respectablen Häusern nachweist, die am Sabbat streng geschlossen sind, auch nach dieser Richtung hm segensreich wirksam sein, daß die äußere Disciplin nlit der Ordnung während des Unterrichtes, die hier musterhaft gehandhabt wird, Hand in Hand gehen. Ferner wünschen wir noch dringend in einer anderen Beziehung eine Verbesserung Wenn nämlich auch im Ganzen und Großen unsere herrliche Anstalt eine organische Entwickelung, ein Wachsthum von unten nach obm dar stellt, so ist doch wieder an .vielen Stellen der Fortschritt nur ein summarischer zu nennen und während naturgemäß die eine Claffe von dem Punkte anfüngt. bis zu welchem die niedere vorgcdrungen, so könnte man vielleicht unschwer Nachweisen, wie an anderen St üen auf derselben Stufe nur ein anderes Pensum absolvirt ist. In der Methode ferner könnte hie und da mehr Einheitlichkeit von Seiten der Lehrkräfte erzielt werden, und die monatlich stattfindenden Lehrer- Eonferenzen könnten auch diese den Organismus der Schule so wesentlich berührenden Fragen mehr ihrer Betrachtung unterwerfen. So haben wir denn allen Grund, zu hoffen, daß unsere Talmud-Thora, die jetzt fünfzig Jahre zu Hamburgs Segen gewirkt hat, (früher existirte sie allerdings auch schon, aber nicht in einheitlicher Form, sondern verschiedene Lehrer ertheiltm getrennt den Unterricht, und es existlrten drei Talmud - Thoraschulen für die drei vereinigten Kehilloth in Hamburg), m. G. H. bald die Stufe erreicht, daß sie von aller Welt als Ideal der Volksschule angesehen werden kann. Und daß sie eine echt jüdische bleibt dafür mühet sich unser verehrter Herr Obercabbiner mit dem Aufgebot aller seiner Kräfte. Es ist ein wahrer Llv.-i wn'p, wenn wir bedenken, daß die Schule bei dm vorzüglichen Leistungen in dm Realien und dem gesammlm deutschen Unterricht in keiner der 9 Klassen unter 16 jüdischen.Lehrstunden von 36 Stunden wöchentlich bietet, wozu außerdem in dm Klassen, wo Talmud unterrichtet wird, noch 8 —10 Gemarastunden extra hinzukommen, und mit derselben Energie, mit der unser Rabbiner dm anderen jüdischen Institutionen seine Kräfte widmet, setzt er auch für die Wahrung dieses jüdischen Theiles der Talmud-Thora sein ganzes Leben und Streben ein. Dem Wirken seines Oberrabbiners ist Hamburg ferner dadurch zu großem Dank verpflichtet, daß er die fähigsten Köpfe unter den Abiturienten der Talmud Thora dazu aukmählt, daß sie sich das Thora- Studium, da- Feld der Geistes! hätigkeit zum Beruf und Ziel ihres Lebens erwählen. Zu dem Ende erhalten sie im OberrabbinatSgebäude neben einem mehrstündigen Schiur bei dem Rabbiner täglich gediegenen Unterricht in dm Classikern der alten und