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Der Israelit · 1865-03-15 · Heft 11-12 (15.3.1865) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 11-12 (15.3.1865)
Date
1865-03-15
Page
– (sequence 22)
Language
German
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deren Blüte sich immer mehr entwickelt, so daß sie mit G. H den Rang einer Musterschule für alle jüdischen Schulen und vielleicht den T tel einer Schule ersten Ranges unter den Schulen Deutschlands sich zu vindiciren, berechtigt sein wird, wie sich Herr Simon Mai, ein früheres Mitglied des Schulvorstandes auszudrücken pflegte. Die Schule wird gegenwärtig von 300 Kindern besucht, die von 17 Lehrern mit Einschluß der Fach- und Hilfslehrer unterrichtet werden. Es ist nicht genug anzuerkennen, wie die Schule die gewichtige Pflicht, eine Talmud-Thora im strengsten Sinne des Wortes zu sein, mit voller Kraft und Freudigkeit zur Ausführung bringt und daneben in den Realien in den verschiedensten Disciplimn so Vorzügliches leistet, daß wir über diese vereinigten Leistungen erstaunen müssen. Die vorjährigen öffentlichen Prüfungen haben auch in allen Kreisen Hamburgs, denen ein Urtheil im Schulfache zugesprochcn werden kann, einen wohlverdienten Beifall gefunden und die ehrendste Anerkennung davon getragen. Allerdings müssen wir, wenn wir auch dem Herrn Oderrabbiner sein volles Verdienst ungeschmälert lassen wollen, der ausgezeichneten Lehrkräfte erwähnen, die ihm bei seinem Streben zur Seite stehen. Herr vr. S. PH. Nathan, bekannt als Hamburgs tüchtigster Rechner (was in diese Metropole der merkantüischen Bestrebungen viel sagen will) widmet seine vielseitigen Fähigkeiten der Schule, der auch er seine Jugendbildung verdankt, und gibt durch seine gediegenen Kenntnisse im Talmud, auf dem Gebiete des Midrasch und der jüdisch-philosophischen Schriften seinen Schülern die belehrendste Anregung, die sie auch nach dem Verlaßen der Schule stets freudig zu diesem heiligen Studium zurückführt Wie schon früher in diesem gesch. Blatte erwähnt wurde, entfaltet Herr Or. Nathan außer seinen gediegenen Vorträgen in der Michael'schen Synagoge noch durch die Leitung des Lernvereins der erwachsenen jungen Leute eine segensreiche Wirksamkeit und ist so nach vielen Richtungen hin ein würdiger Epigone seines großen Meisters, des Chacham der gerade durch den Einfluß aus die reifere Jugend zu dem Gedeihen der gegenwärtigen Generation Hamburgs den Grundstein legte, die jetzt im Berhältmß zum übrigen Deutschland durch innige, durchdachte und bewußte Frömmigkeit imponirt Den gediegenen Gem araunterricht in der ersten Elaste leitet Herr I. L. Adler, ein vorzüglicher Forscher in der Mafforah, der durch eisernen Fleiß und ausgezeichnete Methode es z. B. in diesem Schuljahre dahin gebracht, daß er mit seinen Schülern ganz P2O2 mit nLvn'. '"wi gründlich dnrchgearbeitet. In der Parallelklasse I. sowie in der zweiten und dritten (wöchentlich 4 Mischnajothstunden) unterrichtet mit vorzüglichem Erfolge Herr E. Munk. ein würdiger Schüler des rivnrn -aus der von seinem verewigten Lehrer neben einem gediegenen WistenSschatze auch die große Eigenschaft sich zu eigen gemacht, sich beim Unterricht zu der Stufe des Schülers herablasten zu können und mit Klarheit von Grund aus jede Sache zu zerlegen und zu erklären. Da ihm neben diesen Vorzügen auch theoretische und pädagogische Kenntniste und ein Schatz modernen Wissens, den er sich vorzüglich durch fleißiges Studium auf der Berliner Universität erworben, zur Seite sichen, so würden wir eS im Interesse Hamburgs sehr beklagen, in seinem eigenen jedoch sehnlichst herbeiwünschen, wenn sich ihm als Volks- oder Jugendlehrer ein reicher Wirkungskreis in Gegenden, die solcher Kräfte sich nicht erfreuen, eröffnen würde. Von jiingeren Kräften nennen wir hier noch die Herren Strauß. Wormser, Jsaac. Wie wir hören, hat der löbl. Schulvorstand gleichzeitig mit der Neubildung einer Klaffe lll. den Herrn vr. Sam. Speier engagirt. und wir hegen die berechtigtsten Hoffnungen, daß sich Hamburg bei dieser Requisition eine fähige Lehrkraft erworben. Hr. Vr. Speier, geb. in Burghauen in Kurhesien, absolvirte das Gymnasium in Fulda, wo er schon durch seine Leistungen in der griechischen Literatur excellirte. In Würzburg, das er zum Behufs seiner talmudischen ^Studien bei dem dortigen Rabbiner aufsuchte, hörte er philosophische und geschichtliche Collegien und setzte seine Studien deS elastischen Al'erthums in dem dortigen philologischen Seminar, sowie unter der Leitung des berühmten l)r. Urlichs fort. Von Würzburg aus bezog er die Berliner Universität, wo er dieselben Studien fortsetzte und dann eine recht gründliche Schrift „über das Verdienst Carl's des Großen um Kunst und Wissenschaft" verfaßte, die er als Promotionsschrift einsandte. Eine öffentliche Wirksamkeit entfaltet er erst seit anderthalb Jahren an der Gemeindeschule zu Eisenstadt. Wir sehen der Ankunft dieses jungen Mannes um so freudiger entgegen, weil wir den Zuwachs von Elementen, die durch altclasiische Bildung gereift sind, im Interesse des Hamburger Schullebens und besonders ür unsere Talmud Thora sehnlichst herbeiwünschen. So sehr wir Freund der Naturgeschichte und ihrer bildenden Kraft sind, so sehr wir dem Unterricht in den Realien seine wohlverdiente Stelle im Schulplan gönnen, so wünschen wir doch gerade in unser etwas zu sehr materielles Hamburg immer mehr von dem Geiste eindringcn zu sehen, der die Geistesheroen des Kindesalters der Menschheit erfüllte. Und wenn die heilige Literatur unfern Kindern gleichsam als die Muttermilch in Fleisch und Blut übergehen soll, so sollen sie aus der Harmonie des altclassischen Schriftenthums sich in Geist und Form veredeln und verschönern. Die und der vo/roc der Alten soll ihren Sinn und ihre Haltung in ein maßvolles Benehmen führen, wie wir es bei den Schülern der Talmud- Thora längst anstreben, und wenn wir es mit dem

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