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Der Israelit · 1865-03-15 · Heft 11-12 (15.3.1865) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 11-12 (15.3.1865)
Date
1865-03-15
Page
– (sequence 21)
Language
German
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IßS ona staatlich getrennt, auch im jüdischer» Gemeindeverband nicht mehr vereinigt bleiben konnte, in der Zeit, wo der Jude anßng als Mensch im Staate angesehen und emanechirt zu werden, als die Jupenhejt aus dem Ghetto hinaustrat in die freie Welt, und man sich gewöhnen mußte, aus dem Zelt des Bethamidrasch auf das freie Feld der unbeschränkten Geistesfyrschung versetzt, mit Waffen und gegen Gegner zu kämpfen, deren Gewalt man früher nicht zu fürchten hatte, als in Hamburg gerade die gefährliche Elasse der Halbgebildeten, die da glaubten, sie könnten wie Riesen auf den beschränkten Standpunkt ihrer Vorfahren herabsehen, die ewige geoffenbarte Religion in ein modernes, von Menschen verfertigtes Gewand bineinzwängen wollten, als sie allein die Koryphäen der Ksnzelrednerkunst in ihrem Lager hatten, dadurch Viele anzogen und gewannen, da erweckte die Vorsehung für Hamburg einen Mann, der Unsterbliches geleistet, der eine geschichtliche Nothwendigkeit war, der eine wirksame Begeisterung aus die Gemüther der Hamburger Juden ausübte, die ihren segensreichen Einfluß auf alle Zeiten vererben wird. Dieser Mann war der Chacham Jsaac Bernays er war mit all den Mitteln ausgerüstet, die ihn fähig machten, mit den vornehmsten Denkern seiner Zeit den Kampf aufzunehmen, und wenn er in seinen'Reden durch den tief philosophischen Inhalt nicht einem Jeden im Einzelnen verständlich war, so übte die geniale Erscheinung seines Wesens, in dem echte Gottesfurcht mit tiefer Denkergabe gepaart waren, einen überwältigenden Eindruck auf . seinen Zuhörer, der zu fühlen, nicht zu beschreiben war, der einen Jeden durch das bloße Gefühl schon zu der Ueberzeugung brachte, die uralte, ewige Gotteslehre kann durch das tiefste Denken und Forschen über alle Verhältnisse pes Geistes und der Sinnenwelt nur gestützt, nicht erschüttert werden, wenn diese beiden Lehrer, die Offenbarung und der Gedanke, einen reinen, gottesfürchtigen Schüler vorfinden, der sich mit dem lautersten Ernste ihnen hingibt. Nachdem wir unter der Leitung dieses großen Mannes die Zeit des ersten Anstoßes durchgemacht, den die Glaubensfestigkett erlitten, nachdem wir von ihm in der Ueberzeugung bestärkt, die Zeitlage möge uns durch ihre stets wechselnde Gestalt noch so sehr überraschen und ihre Glaubenssätze und Pflichten aus die verschiedenartigsten Proben stellen, die göttliche Lehre bleibt vermöge ihrer Ursprünglichkeit unverändert und wird .zu allen Zeiten Pie höchste Anregung zum wahren Geistesleben göben, da kamen wir um die Zeit ungefähr, wo dieser geliebte GemeiiHesührer uns entrissen wurde in das Stadium der Neuzeit, die sich durch eine große Kälte und durch Indifferent,ismus kennzeichnet. Die ResorMwnth hat zwar ansgetobt, aber es find auch die Männer zu spärlich, die Mt feuriger Begeisterung ans dem Posten wachen, um die Institutionen in aller Größe und allem Glanz aufrecht zu erhalten; denn wenn seihst der Standpunkt besiegt Hl, daß man Glauben und Wissenschaft für unvereinbar hält—schwer bleibt es immerhin, in einer Zeit, pje mit allen Fäden an die moderne Wissenschaft geknüpft ist, mit aufopfernder Hingebung für unser GottM/esetz sich zu erfüllen und Andere zu gewissenhafter Beobachtung zu bringen. Doch der Allgütige hat auch für diese Epoche Hh. die geeignete Kraft zur Verfügung gestellt, und ein Mann, dessen Gewissenhaftigkeit in Wahrnehmung feiner Pflichten für Ausrechterbaltryig der rituellen Einrichtungen der Gemeinde, dessen Unbestechlichkeit und Unbescholtenheit über allem Neid erhaben ist, furz ein Mann, der ohne irgend einen Nebengedanken nur fstr Thyra und Mitzwoth lebt, und der wie ein Held auf feinem Posten hartnäckig keinen Schritt weicht und bei dem Mißverhältnis das bis jetzt zwischen der Größe der Verantwortlichjett einer solchen Stellung und der geringen Machtbefugniß herrscht, Außerordentliches leistet, hat Hamburgs RabbinatsfiH inne. Eine prachtvolle Mikwah ist unter seinem Rabbiyat ganz nach seiner Anordnung wunderbar praktisch gebgut, bei dem Bau der neuen Synogoge wurde auf seiye Verordnung trotz des Widerstrebens des Vorstandes eine sehr mühsame Aenderung vorgenommen, die er nach dem Gesetz für nöthig erachtete. Die Mazothbäckereien und Peßachwaarenhandlungen controllirte er mit energischer Strenge, und die Schechitah drückte sich wahrlich nicht schämen, wenn ein Mann wie sie inspicirte. Unangenehmer Weise kam «it der neuen Gemeinderegulirung durch die gleichzeitig eingetretene Gewerbefreiheit ein schon seit Wochen geführter Streit der jüdischen Aushacker mit dem PÄlikurn, das die Ermäßigung des Koscherfleisches von 8 auf 6 Schilling per Pfund verlangt, zum Ausbruch, indem man drohte, einen Schächter von auswärts kommen zu lasten. Man macht sich in der Fremde gar keinen Begriff, wie viel diese Angelegen-, heit in den Blattern, im Publikum, in Poesie (?), in Prosa, in Witzen, in großen Versammlungen vestttttrt wurde, chber die wirklich ernste und mühsame Seite zeigte sie dem Rabbiner, der, ohnehin jetzt genug in Anspruch genommen, seine ganze Kraft ausbot, um den Koscher fleischverkauf nicht der Willkür anheim - fallen zu lasten. Er entschied die Frage schließlich im Sinne der Gewerb.efreiheit, daß er nämlich auch andere ehrliche Juden außer den vorhandenen Aus- Hackern zum Verkauf koscheren Fleisches zulasten wollte, wenn ihm der vorgeschriebene Eid geleistet würde, daß der Betreffende mit strengster Gewissenhaftigkeit seinen Geschäftsbetrieb führen würde. Ein anderes, vielleicht das gröhtePerdienst dieses arbeftsamenMannes, ist seine unermüdliche Vhgtigkeft zur Hebung der Tal- MUd-Thoraschyle, die er Tag für Tag besucht, Md

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