Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 11-12 (15.3.1865)
- Date
- 1865-03-15
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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161 und, was eng damit zusammenhLngt, die Stellung des Oberrabiners der deutsch-israelitischen Gemeinde. Hier hat die Fusion ihre Feuerprobe zu bestehen; gilt ihr eine gezwungene Vereinigung L tont prix höher, wenn man auch bei manchen Punkten nicht so „skrupulös" wie die Neugestaltungsbroschüre sich ausdrückt, seine heiligsten Pflichten wahrt, oder ist sie friedliebend nur so lange, als der Religion nicht Gefahr droht? Ein Ereigniß machte in diesen Tagen Sensation, nicht sowohl weil die dabei hervorgetretene Willkür des Vorstandes so sehr überrascht hatte, — von dieser haben wir schon nettere Pröbchen erlebt, — sondern weil es eine besondere Kühnheit ist, wenn der Vorstand gerade in dem Augenblicke, wo er um das Vertrauen der Gemeinde am Meisten bemüht sein sollte, gegen alles Recht der Religion trotzt und ihrer spottet. Ein in der Civilehe eines jüdischen Vaters und einer christlichen Mutter erzeugtes Kind, wurde gegen den Befehl der Gabaim der auf Befehl des Präses des Vorstandes trotz der Einsprache des Cultusvorstandes, der in Folge davon das Ressort des Begräbnißwesens ausgegeben, durch den Chebraboten auf dem jüdischen Friedhofe bestattet. Nachträglich wird nun natürlich von der einen Seite in den Tagesblättern das Verfahren der Pflichtgetreuen als mittelalterliche Barbarei dargestellt, zumal da es der Eltern Wille gewesen, das Kind später Jüdin werden zu lassen, andererseits halten die Frommen, wie so häufig, zu spät ihre Sitzungen ab; sie haben jetzt den Chebraboten zur Disposition gestellt. Möchten Diejenigen unter ihnen, die der Fusion sich angeschlossen, an diesem Factum erkennen, zu welcher ominösen Confusion die Uebergriffe der jetzt mitverbrüderten Neologen führen können. Noch weit schlimmere Uebergriffe hört manfortwährend von Or Räe, dem Direktorder neologen jüdischen Freischule, erzählen, demselben,der unlängst in derBürgerschule die jüdische Gemeinde einen Augiasstall genannt, wogegen Herr - r. Wolfsohn damals energisch protestirte. Dieser Mensch wüthet mit einer giftigen Leidenschaft gegen jeden Funken jüdischen Gefühls, der sich noch in einem jüdischen Kinderherzen findet. Wir sind nicht Freund von Uebertreibung, aber das Rasen dieses Fanatikers vermögen wir nicht in Worten auszudrücken. Ein Feind aller Religion, ein Verspotter jedes Glaubens an einen persönlichen Gott, geht er in der Proselytenmacherei für seinen Unglauben so weit, daß er mit Argusaugen darüber wacht, daß ihm nicht ein einziger seiner Jünger auf falsche Bahnen komme, da er es nie dulden würde, daß ein Högling, der von seiner Anstalt entlassen, in einem Geschäfte placirt würde, das, am Sabbat geschlossen, dem Lehrling die gefährliche Möglichkeit offen ließe, den Sabbat zu halten. Arme Mädchen, die in Häusern engagirt waren, in denen sie einen koscheren Haushalt führen mußten, suchte sein nie ermüdender Kämpsersinn für das Licht seiner Wahrheit anderweitig unterzubringen, wo sie eher das Glück genößen, seine Theorien in die Praxis dieses Erdenlebens, denn an ein anderes zu denken ist ihm Blödsinn, einzuführen. Ein Wütherich, der derartig alle Hebel in Bewegung setzt, seine Opfer unter seinen Klauen zu halten, daß Eltern und Vormünder keine Gewalt mehr über ihre Kinder haben sollen, daß kürzlich erst einer unserer wackeren Mitbürger, Herr Elias Philipp, einen Mündel nur dadurch vor den Nachstellungen Rees retten konnte, daß er ihn in seinem Hause fortwährend hütete, daß er ihn in einer Droschke in die Talmud-Thora-Schule schickte und wieder von dort abholen ließ, und ihn jetzt auf seine Kosten erziehen läßt. Meint dieser Mann, er sei so wichtig, daß, wenn er sein Princip mit Ostentation durchführt, wenn er eine Christin hekrathete, wenn er Synagoge und .Tempel ebenso gleich Null achtet, sein Beispiel, seine Raserei einer heilsamen Wirkung auf die nachahmende Mitwelt nicht verfehlen würde? Kann er sich doch alljährlich überzeugen, wie abtrünnige Jünger seine schule durch das vom väterlichen Hause verebte Gefühl geleitet in den Selichothtagen in dunkeler Nacht sich erheben, um zu dem Gott zu beten, den zu verleugnen ihr Meister sie lehren will! Kann er so bei seinen eigenen Schülern, denen sein großes Beispiel leuchtend vor Augen steht, nicht durchdringen, wie viel mehr werden, wenn er längst vermodert, noch Hamburgs Juden fromme Juden sein, und die Religion, die er mit der Wurzel ausrotten will, wird in ewiger Frische blühen! Und in solche Gefahren wollte die Fusion einlaufen, und vor der Schwere der Verantwortung einer Verbindung mit denjenigen, die eine Rve'sche Schule stützen, schreckte sie nicht zurück? Den Tempel, der vorher als Abzugscanal aller unreligiösen Elemente (vom Chacham pL"? so bezeichnet) eine kleine Abfindungssumme erhielt, will sie in eine Linie mit der Synagoge stellen lassen, die Schule, die eine geringe Subvention erhielt, will sie gleich derTalmud-Thoea-Schule stützen? Ist es wahr, wie man berichtet? Kann man das mit der Heilighaltung der Worte unserer verewigtene Lhrervereine vereinbaren, die den 21.-, auf dies hohle Gebäude gelegt, das wir jetzt stützen sollen? Kann man da das Gewissen beschwichtigen mit Worten wie: „Wir wollen nicht scrupulös sein?" Pocht da Niemandem das Herz bei dem Gedanken an das iri'N .12 21x1 i'Z2?! Uebeclegt reiflich, Ihr Männer, auf denen die Last der Beratung für das Gemeindewohl liegt! Seid Ihr im Zweifel, so denket -sii xvx .112 >2 p2' wendet Euch nach Rechts, und brechet lieber jetzt, wo es Zeit ist und habet auf immer Frieden, ^als daß Ihr nachher, wenn Ihr einen löcherigen Frieden gemacht ^2 wie es den Frankfurtern ergangen ist, ausziehen müßt aus dem Gemeindeleben, und vertrieben erst eine neue Stätte, neue Ord-