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Der Israelit · 1865-03-15 · Heft 11-12 (15.3.1865) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 11-12 (15.3.1865)
Date
1865-03-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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152 feu des auf das religiöse Leben zerstörend wirkenden Zeitgeistes in Israel immer seltener zu werden drohen, miznspornen. Endlich gehört derjenige, der in Wahrheit einen solchen Nachruf verdient, nicht bloß seiner Familie oder nur fernem Wohnorte als vielmehr ganz Jsrael an und verdient daher, in den weitesten Kreisen bekannt zu werden, damit, wie es heißt: <sr->Mr>'2 r>x O2' ganz Israel ihn betrauern kann. Auf einen solchen Nachruf, von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, dürfte daher auch der gestern zu Grabe getragene Joachim Peis er die gerechtesten Ansprüche haben. Dieser Mann, zwar nur ein einfacher Kaufmann, war aber mit so großer Thatkraft und Seelengröße begabt, daß er an edler Wirksamkeit mit jedem großen Manne rivalisiren konnte. Schon aus seinem Leichenzuge konnte jeder, wer ihn auch nicht persönlich kannte, wahrnehmen, daß derselbe keine gewöhnliche Erscheinung gewesen sein müsse. Denn bei dem Herannahen der zu seiner Bestattung festgesetzten Frist wurden die Straßen belebter, und von allen Theilen der Stadt sah man Hunderte von Personen mit traurigen Gesichtern trotz der Kälte und des ungestümen Schneegestöbers seinem Wohnhanse zueilen. Als endlich der lange, fast unabsehbare Leichenzug sich in Bewegung setzte, blieb fast kein Auge thränenleer, und wer seinem Schmerze durch Thronen nicht Ausdruck zu geben vermochte, in dessen Zügen und Gebärden konnte der Kummer deutlich gelesen werden. An dem etwas «eit von der Stadt entfernten Friedhofe angelaugt hielt der Nestor der Beredtsamkeit, der gefeierte Prediger S. Plessner, die übliche Leichenrede, umebeu von einem so zahlreichen Publikum, wie es selten er dergleichen Fällen zu sein pflegt. Anlehnend an die Worte Jerem. 12, 7 zeigte der Redner in kunstlosen, aber schwungvollen Worten die Größe des Verlustes, den wir durch den zu frühen Hintritt dieses Biedermannes, der in einem Alter von gerade fünfzig Jahren gestorben, zu betrauern haben. Denn er sei nicht nur seiner Familie, seiner Gemeinde, sondern auch ganz Israel abgestorben, weil große Männer ein Gemeingut, ja die Grundpfeiler der ganzen Nation sind. Und um der Größe des Verlustes willen befürchte er, dem Verblichenen Unrecht zu thrm, «eil er durch seinen Tod viel zu sehr ergriffen und erschüttert sei, als daß es ihm möglich werden könne, seiner Gefühle Meister zu werden, um vor den Augen der an seiner Bahre schluchzenden Volksmenge seine ganze Charaktergrvße gebührend aufzurollcn, die er selbst bei ruhigem Gemüthe und noch so künstlerischer Darstelltmgsweise nur annähernd zu schildern im Stande wäre. Schön wendete darauf der Redner den talmüdischen Spruch auf den Verstorbenen an: ssns 712^712 "NOZW OIM und deutete denselben sehr geistreich dahin, daß ein gutes Zeichen für den Verblichenen ist, wenn er nicht nach Gebühr beklagt werden kann, wenn alles Lob, das ihm gezollt wird, nicht hinreichend ist, den ganzen Gehalt seines Wesens -u fassen. Darauf wurde im Verlaufe des Vortrages entwickelt, wie der Dahingeschiedene mit allem Eifer bemüht war, durch Selbstthätigkeit und eigene Bemühung die drei Grundseulen der Welt n"2i zu erhalten und zu befestigen. — Was die anlangt, so war er nicht dazu von Kindheit auf angehalten worden. Er widmete sich vielmehr einem Geschäftsberuf und lebte mehr als zehn Jahre in Amerika, von wo er mit seiner Familie etwa vor fünfzehn Jahren mit einem bedeutenden Vermögen hierher nach seiner Geburtsstadt zurückkehrte. Kaum hatte, er sich hier häuslich eingerichtet und zu seiner Existenz ein schönes Grundstück gekauft, als er mit allem nur möglichen Eifer zuvörderst dem Gesetzstudium bei dem schon erwähnten Prediger S. Plessner, dessen HauS nun völlig das seine wurde, dermaßen oblag, daß er b<ä guter Begabung bedeutende Fortschritte machte, jedoch aber am liebsten -«w lernte. Bei diesem Gesetzstudium war es ihm weniger um das tobte Wissen als solches, als vielmehr um das lebendige Wort Gottes zu thun ,das schnell wie der Blitz in seinem empfänglichen Gemüthe zündete und dasselbe rvohlthuend weihete und heiligte. Er wollte durch das Wort Gottes sein Inneres stets in eine klangvolle Stimmung versetzen, um dadurch ein geweiheter Diener Gottes werden zu können. — Was seinen Eifer fürbetrifft, so konnte wohl, wenigstens unter Privatpersonen, seines Gleiche» in weiter Ferne gesucht werden. Den« wer wohl, wie er, verstand es, ein wahrer Diener seinem Gotte zu sein? Seme Gottanhänglichkeit wartete nicht erst auf die dem Gottesdienste festgesetzte Zeit, ihm genügte nicht die spärliche, unserer Schwäche und Bequemlichkeitsliebe dürftig zugemessene Zeit, die wir betend im Goltesha-use verweilen sollen. Seme große Seele fand Wohlbehagen an dem Lobe Gottes, und auf seinen Appen schwebte stets das mit Wachsamkeit und lebendiger Empfindung aus der Tiefe seines Innern emporgestiegene Gebet bald wie ein rauschender Strom, bald wie ein feuriger Blitz dahm, das Jeden, der iu seiner Nähe.stand, mit heiligem Schauer erfüllte, am meisten aber, wenn er als angenehmer an den sogenannten v»O' oder als mit seltener Befähigung als Vermittler zwischen Gott und seinem Volke am heiligen Orte stand. In diesem seinem, vom Gesctzstudium und von innerer wie äußerer Gottesoerehrung ganz durchdrunge'-- nem Leben ahmte er seinen großen Ahnen väterlicher Seite nach, die in hiesiger Gemeinde bedeutende und Gvttesmänner auszuweisen haben. So war er auch ein Nachkomme jenes bekannten der nach dem Berichte des im I. 5494

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