Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 11-12 (15.3.1865)
- Date
- 1865-03-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1L9 serer Mitte, theils von der Provinz und anderen Theilen Norddeutschlands hier dem Studium obliegt, in die Forschung des Talmud einzuführen, ihnen Anregung und gründliche Belehrung zu gewähren. Wir müssen hier des Herrn Isaak Jakob Krimke rühmlichst Erwähnung thun, der seit seiner etwa achtjährigen Wirksamkeit als Stiftsrabbiner hier vielen Hannoveranern und Fremden von seinem reichen Willen auf jüdischem Gebiete uneigennützig mitgetheilt und jungen Kräften, denen er die Fundamentalbildung des Gemarastudiums hat angedeihen lassen, ein Anregung und Belehrung mitgegeben, für die sie ihm zeitlebens dankbar sein werden. Wir nennen die vorzüglichsten seiner Schüler, die bereits ein ehrenvolles Amt bekleiden. Herr Or Simon Kaiserling, der dann nach Absolvirung seiner Studien in Würzburg und Berlin in seinen reichen Wirkungskreis hier eiutrat, Herr Dr. Jakob Freudenthal der nachdem er das Frantel'sche Seminar acht Jahre hindurch besucht, nach einer einjährigen Wirksamkeit in Wolfenbüttel jetzt am Breslauer Seminar als Lehrer fungirt; beide sind aus dem Lande Hannover; ferner Herr nr. Heinr. Heinemann, ein Oldenburger, der nach Beendigung seiner Universitätsstudien in Berlin jetzt in Frankfurt am Main an der jüdischen Bürgerschule unter dem Rektorate des h. Rabbiner Hirsch seine Wirksamkeit begonnen hat, alle drei äußerst fähige junge Männer, werden Hannover und vor allem ihrem Lehrer Herrn Knmcke eine dankbare . Anerkennung nie versagen. Wie sprechen an dieser Stelle dem verehrten Stiftsvvi stände Herrn Obergerichtsanwalt 1),-. Simon, sowie dem Herrn F. Ahrbeck, königl. Kanzlerbcamten und Lehrer an der höheren Bürgerschule, der selbst Christ, das feste Prinzip hat, die jüdischen Stellen, deren Verwaltung ihm obliegt, nur in streng orthodoxem Sinne zu besetzen, unseren wärmsten Dank aus, daß sie durch die Ernennung so tüchtiger talmudischer Lehrkräfte, wie Herr Krimcke sich bereits bewährt und auch Herr L)r. Aaron Cohn allem Erwarten nach sich erweisen wird. Hannovers jüdischer Gemeinschaft so große Dienste leisten. Auch Herr Ol ercommerzienrath Israel Simon, der sich um Hannover vor allem durch die Errichtung des Waisenhauses unter dem Direktorat des Herrn vr. Magnus Cohn verdient gemacht hat, kann durch seinen wohltätigen Einfluß auf die Besetzung der Stelle, zu deren Verwaltung er zwar nicht verpflichtet, aber durch seine unermüdlichen Leistungen um den materiellen Besitz des Stiftes, alle Berechtigung hat, hier nur unseren innigst gefühlten Dank beanspruchen. Möge die geehrte Stifteverwaltung ferner dazu beitragen, daß Hannovers Gemeindeleben in echt jüdischem Walten und Wissen (7IQ2.-N sich mehr und mehr hebt, möge sie viele, viele Jahre Früchte dieses Wirkens sehen! — Wenn von Hannover auch bijetzt nicht bekannt ist, daß diese Stadt große jüdische Hochschulen in ihrer Mitte gesehen und erhalten hätte, so hat sie doch von Alters her talmudischen Gästen immer. gastliche Aufnahme, hingebende Liebe und eine achtungsvolle Stellung in ihren Mauern gewährt. Noch in den jüngsten Zeiten hatte sie das Glück, Sprößlinge der berühmten Rabbinerfamilie Adler mit Erfolg in ihrer Mitte wirken zu sitzen, und auch Herr Dr. Meier verspricht, nachdem durch des Allmächtigen Güte seine Gesundheit wieder kräftig ist, für den jüdischen Jugendunterricht und für Beförderung von .-iniri irvvci eine nachhaltige Wirksamkeit zu entfalten und sich ein ewiges Andenken zu sichern, das dauernder ist noch als das Erz und die Steine der neuen Synagoge. Wir erblicken in der Ankunft des jungen talentvollen l)r. Aaron Cohn, der willig seinen Beitrag zu diesem großen Werke anbieten wird, soweit es.die gewissenhafte Ausübung der Pflichten des Stistrabbinats zuläßt, einen Hinweis auf die endliche Lösung dieser so überaus wichtigen Aufgabe. — Denn man darf nie verkennen, daß es die entschiedene Absicht der frommen Stifter war, daß die künftigen Nutznießer ihres Vermächtnisses sich Tag und Nacht dem Studium des Talmud zunächst, und was damit zusammenhängt, auch dem der schriftlichen Lehren hingeben sollten. Es könnte daher bei einer Verwendung der Stiftsgelehrten für den Jugendunterricht nur von einer Wirksamkeit in diesem Wissenszweige die Rede sein. Wir müssen es dankend anerkennen, daß die löbliche Stiftsverwaltung in ihrer äußerst strengen Gewissenhaftigkeit sich vor den zwei Gefahren zu hüten weiß, in die solche Stiftungen heutzutage leicht verfallen. In Städten nämlich, wo sich Bestrebungen zur Unterdrückung des gesetzestreuen Judenthums und seines Wissens zeigen, ist man auch oft unredlich und gewissenlos genug, solchen Vermächtnissen eine weite Deutung zu geben. Mit dem modernen Worte „der jüdischen Wissenschaft" bezeichnet man nämlich auch das Studium der Geschichte der jüdischen Literatur, und so sehr ein solches Studium anerkennungswerth, ja nothwkndig ist, die Testatoren hätten sich nicht damit al finden lassen, in ihren rumu kommt das Wort „jüdische Wissenschaft" nicht vor, und die Anstellung eines modernen Literaten ohne gehörige Kenntniß von Talmud und Poßkim ist ein Testamentsbruch in bester Form. Daß wohllöbliches Stiftsprändium einen jungen Mann angestellt, der einen gehörigen, wissenschaftlichen Bildungsgang mit Gymnasial- und Universitätsstudium durchgemacht hat, gibt keine Berechtigung zu der Annahme, daß man die Ausnahme zum Stistsrabbinate von diesem Miss n abhängig macht. Die Aufnahme geschah vielmehr nur auf Grund der festen Ueberzeugung, daß der