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Der Israelit · 1865-03-08 · Heft 10 (8.3.1865) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 10 (8.3.1865)
Date
1865-03-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zu Rr. 1V des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspon deuzen. Leipzig, im Februar. Der hiesige, am März 4859 gegründete Verein zur Förderung der geistigen Interessen im Judenthume har in der längsten Zeit seine Thätigkeit zu entfalten begonnen uud ein beständiges zur Benutzung täglich geöffnetes Vercinslocal erworben. In diesem Locale liegen nun zur Benutzung der Mitglieder, die meistens aus germanisirten Polen besteh<n, eine Anzahl hebräischer Journale auf: Hamagid, Hamewasser, Hanescher, ferner der Israelit, Jeschurun von Rabb. Hirsch, die Mg. Zeit. d. I., Jüd. Volksblatt, Frankens Monatsschrift, Ben Chananja, Archives Jsraölites, und endlich eine Anzahl wissenschaftlicher und belletristischer Blätter. Am 24 mrg. Monats beging der Verein im Vereinslocale die Feier des Geburtstages Lessing's, bei welcher Gelegenheit Herr Or. Goldschmidt vor einer zahlreichen Zuhörerschaft eine sehr begeisterte Rede über die Bedeutung des Nathan gehalten. — Tie in Nr. 4 d Bl. von mir nntgetheilte Nachricht, daß Renan -in getaufter Jude ist, bestätigt sich nicht. *) N. EHlirrgen, 16. Febr. Hier ist schon seit vorigem Jahr ein Jude Mitglied des Bürgerausschusses, Herr Rechtskonsulent Heiden. Kürzlich ist derselbe zum Obmann gewählt worden. Heute sollte die erste Strstuugsrathssitzung seit den neuen Wahlen staitfindeu. Bekanntlich laden Dekan und Stadlschultheiß gemeinschaftlich zu solchen Sitzungen ein, und der Bürgerausschuß wird hiezu durch seinen Obmann berufen. Gestern Abend aber ließ Herr Dekan K napp, Bruder des verstorbenen Ministers, demjenigen Bürgerausschußmitglied, welches nach Herrn Heiden die meisten Stimmen erhalten hatte, folgendes Circular mit dem Ersuchen zustellen, dasselbe in Laus zu setzen: „Die verehrlichen Mitglieder des Bürgerausschusses werden hiermit benachrichtigt, daß morgen (Donnerstag) eine Stiftungsrathssitzung stattfindet, und sie zu pünktlichem Erscheinen bis 9 tthr eingeladen werden, da vor der Sitzung ein Stellvertreter des Obmanns Heiden bestimmt werden muß." Pünktlich erschienen denn auch heute früh die Bürgerausschußmitglieder, aber, wie sich von selbst versteht, mit ihrem Obmann an der Spitze. Dieser *) Anm. d. Correct.: Weßhalb Herr PH. darüber in solche Wuth gerathen, wäre unerklärlich, wenn es nicht allgemein bekannt wäre, daß dessen gemeiner Denkungsweise jede Gelegenheit zum Schimpfen und Verlästern willkommen ist, und sollte diese auch an den Haaren herbeigezogen werden müssen. proiestirte unter Berufung auf das Verwaltungs- Edict, das ihn nur in eigentlich konfessionellen Fragen von der Betheiligung an Stiftungsrathsverhandlungen ausschließt und kündigte eine Beschwerde an die Regierung gegen seine beabsichtigte Absetzung an. Der Herr Stadlschuttheiß hatte, soviel zu vernehmen, von dem Vorgang nichts gewußt. Der Bürgerausschuß verließ, als nicht korrekt eingeladen, den Saal, und ein Viertelstündchen daraus sah man auch die übrigen geistlichen und weltlichen Mitglieder des Kollegiums wieder vom Rathhaus heimwärts wandeln. Man sagt gewöhnlich: Wenn die Herren vom Rathhaus kommen, sind sie am klügsten. Dieses Sprüchwort wird wohl auch heute eingelroffen sein. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 24. Febr. In einem der hiesigen Tagesblätter wurde in der verwichenen Woche die Zuschrift angeblich einer Jsraelitengemernde im Krakauer Gebiete veröffentlicht, in der über den Inhalt einer von mir am 22. Dezember v. I. im Namen meiner Glaubensgenossen dieses Kronlandes vor den Stufen des Thrones überreichten Petition Bedenken und Besorgnisse erhoben worden sind, die mich heute bestimmen, das betreffende Majestätsgesuck nachstehend worigctreu der Oeffentlichkeit zu übergeben. Jg. Deutsch, k. k. Hoswechsler. Eure k. k. Apostolische Majestät? Allerdurchlauchtigster Kaiser und Herr! Das erhebende Bewußtsein, daß es dem ehrfurchtsvoll Gefertigten seit dem glorreichen Regierungsantritte Eurer Majestät jedes Jahr gestattet war, im Interesse seiner Glaubensangehörigen vor die Stufen Ihres erhabenen Thrones zu treten: die hochersrenliche Thrtsache, r-ast Allerhöchst dieselben bei so vielen Gelegenheiten, so es nur die Verhältnisse gestatteten, die kaiserliche Gnade walten zu lassen, 4ast immer im Sinne des Bittstellers allergnädigst entschieden haben, ermuthigen denselben, laut Beilagen n, b und o — von einer israelitischen Bevölkerung von nahe an 2')0,0<>0 Seelen zu diesem Ende gerufen und bevollmächtigt — neuerdings Eurer Majestät huldvolle väterliche Fürsorge für die traurigen bürgerlichen Zustände der Juden in Galizien, der Bukowina und des Großherzogthums Krakau in aller Demuth zu erbitten. Seit mehr als 25 Jahren haben die ärmeren Judengemeinden, Rabbiner und Laien aus allen Provinzen des Reiches, so oft ihr Interesse in irgend einer Weise gefährdet schien, in die Vertretung und Fürsprache des ehrfurchtsvoll Gefertigen ihr Vertrauen gesetzt.

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