Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1865)
- Date
- 1865-03-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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134 werden dem Manne, welcher den Philister erlegt und die Schande von Israel abwendet?" Und wie dereinst David, mag auch heutzutage, wo es sich zwar nicht um Niederlagen, sondern um Widerlegung und Zurückweisung in die geziemenden Schranken des Anstandes handelt, Jeglicher ohne besondere Nebenabsicht sich berufen fühlen, goliathähnliche Schmähungen abzuwehren Daher gilt es gewiß auch als unbezweifeltes Verdienst vor Gott, jeder anmaßenden Satyre gegen energisch entgegen zu treten. Und durch Beleuchtung so mancher im „B. CH." abgedruckter rabbinischer Gutachten sollen auch ergötzliche Curiosa als Musterproben erhabener Weisheit, „wie mar immer nach bestem Wißen und Gewissen geantwortet, wenn man gefragt wurde" offerirt werden. Oder scheint dies unglaublich? Wären die Aussprüche des „B. CH." Wirklich unfehlbar und untrüglich? Macher: wir einen Versuch im Kleinen. „B. CH." behauptet mit sicherem Selbstvertrauen, daß obenerwähnte „Respons 'O 2"ri O"ri der Oberrabbiner von Preßburg an seinen Collegen Rabbi Salomon Ullman in Fraukirchen geschrieben habe." Nun finden wir keine Andeutung hiezu, da unseres Wissens jede Adresse im Abdrucke fehlt Was berechtigt ihn also zu dieser Annahme? Ist es eine sogenannte prophetische Inspiration? Nun dann freilich müssen wir bescheiden die Flagge streichen, aber wir erlauben uns die ergebene Bitte, ja von dem selbstgewählten Citate „daß nach Zerstörung des Tempels die Prophetie Kindern und Narren überwiesen worden," geziemende reciproke Anwendung zu machen. Falls aber „B. CH." weil er „das Glück hat, der historischen Schule anzugehören" auf historisch kritischem Wege zu dieser Entdeckung gelangte, so bleibt jedem Freunde der Wahrheit das Recht unbenommen, der Quelle uachzuspüren. Es scheint, „B. CH." wolle uns zu verstehen geben, daß er die Gründlichkeit selbst und also ein Werk nicht lückenhaft, sondern als Ritter der historischen Schule dasselbe nach dem ganzen innern Zusammenhänge beurtheilt. Und so wie Respons Nr. 48 allerdings sich an Nr. 47 anschließt, welche wirklich an den Oberrabbiner Rabbi Salomon Ullmanu zu Fraukirchen gerichtet, so gilt ihm dieß auch von Nr. 49. Daß aber dann dort dem >"2,-1 analog hier fehlen dürfte, daran liegt ihm wenig. Und daß der Inhalt mit den früheren nicht ganz correspondirt, thut auch Nichts, genug es wird in allen dreien von fehlerhaften Scheidebriefen verhandelt. Und doch ist es möglich? Sollen wir unfern Augen trauen? „B. CH." der das Glück hat, der historischen Schule anzugehören, sollte gegen die Rudimente der historischen Kritik sich so schwer versündigen? Er sollte vergessen haben, daß Zeit und Raum immerhin gesonderte Begriffe bleiben, und nicht die zufällige Anreihung im Raume, sondern die Genesis in der Zeitfolge bei Beurtheilung der Zusammengehörigkeit den Ausschlag gibt? Wie kann ein Gutachten das 5564 a. m. zu Mattersdorf geschrieben — als nachträgliche Fortsetzung einer Teschuba gelten, die derselbe 4 Jahre später von Preßburg aus datirt? Compromittirt dieser unverzeihliche Fehler den „B. CH." nicht mehr, als jener vermeinte geographische Verstoß einen O"in? Häuft das nicht Schmach und Schande auf das Haupt der ganzen historischen Schute, und was sollen dann die nur einigermaßen zur redlichen Forschung angeleiteten Rabbinatskandidaten von solcher bodenloser Aufschneiderei für Begriffe erlangen? Wir sehen also auch den weisen „B. CH." Jrrthümern unterworfen. Wir nennen dieß nur einen Versuch im Kleinen „weil es im Grunde die positive Wahrheit, den religionsgesetzlichen Inhalt kaum beeinflußt, an wen eigentlich ü>"ii die Zuschrift gerichtet". Ebenso kann die imaginäre Veränderung der Lage des .Libanon," seinen wirklichen Standpunkt um keine Zollbreite entfernen. Ganz anderer Art sind halachische Verstöße; hier schlägt jede Begriffsverwechselung dem Ju^enthume unheilbare Wunden. Und wenn „B. CH." die Lust anwandeln sollte, wollen wir in größern Partien unser Wort einlösen. Wir sehen also die rächende Nemesis auf dem Fuße folgen; wer zu lästern vermeint, schmähet sich selbst. Und dies ist die wichtigste Lehre die uns jenes Sendschreiben des „B. CH." bietet und mir sind dem biedern Herrn Deutsch für die Veranlassung sehr verbunden. Aber auch dieser Herr sollte dem „B. CH." Dank wissen für die unverhoffte Ehre, als Genosse des großen v"? zu gelten. Denn wenn auch der k. k. Hofwechsler durch feine rastlose Tätigkeit 'als Bürger und Staatsunterthan, so wie in religiöser Beziehung als jüdischer Glaubensgenosse, in den höchsten Regionen und weitesten Kreisen Anerkennung findet, so wagte doch seine feuerigste Phantasie kaum, sich im Selbstbewußtsein zur Genossenschaft mit dem unsterblichen Lehrer und Seelenhirten Israels zu versteigert. Und wahrhaftig, wer mit einem solchen Gewährsmann auf gleicher Stufe steht, hat für ewig fest gebaut. Heil ihm in Ewigkeit! (Schluß folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'fchen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellpreffendruck von I. Gottsleben in Mainz.