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Der Israelit · 1865-03-08 · Heft 10 (8.3.1865) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 10 (8.3.1865)
Date
1865-03-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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133 Mutter auch er „Mutter!" ruft — er glaubt ja an die Unsterblichkeit der Seele. Und dann, wer wäre albern genug, um zu glauben, Israel habe eine so kärgliche Ansicht von seinem Gott, dessen Macht, Weisheit und Güte es oft kennen gelernt hat, daß es geglaubt habe, dieser Gott schließe einen Freundschaftsbnnd mit Wesen, die nichts Göttliches, nichts Solides und nichts Dauerhaftes haben, mit Geschöpfen, die nur Staub sind und zum Staub zurückkehren? Israel hat seinem Gott nie eine so eng begrenzte Macht beigelegt, die aufhöre am Rande des Grabes; nie hielt es die göttliche Allmacht für so nichtig, daß Jeder sich ihr entziehen könnte. Die Unsterblichkeit der Seele war immer der Eckpfeiler und der Schlüssel zum Gewölbe des Judenthums. — Zeitungsnachrichten und Correspon denzen. Deutschland. Büdingen, 21. Febr. Habe ich in meinem „Auf- und Nothruf" Euch, Ihr gottbegeisterten Geber, ein trauriges Bild der gräßlichsten Noth Vorgehalten, muß ich Euch mit innerster Freudenerregung heute, nach wenigen Wochen schon, einen getreuen Reflex des neuauflebenden Geistes dieser hart geprüften Waisen im Spiegel zeigen. — Unschuldige, freudestrahlende Micke, nur hie und da ein Seufzer nach der verlorenen Mutter. Schon dringt durch den fahlen Teint die Morgenröthe eines ausgehenden, regelrechten menschlichen Lebens, mit Reminiscenzen an die jüngste traurige Vergangenheit. Als das Mädchen zum ersten Male in einem Federbette schlief, fing es laut zu weinen an, schluchzend die Hände zum Himmel erhebend, als wollte es von dort seine Mutter herabholen mit den Worten: „O, du liebe Mutter! wie mußtest du auf Brettern liegen, nichts unter, nichts auf dir, in gesunden wie in kranken Tagen und so elend sterben! Jetzt schlafe ich in einem Bett wie nie zuvor. Gott! o Gott! was wäre aus mir und meinem Brüderchen geworden, hättest Du nicht geholfen rc? — Gutmütigen Herzens, folgsamen Willens lebt es seit 11 Tagen im Hause des Vorstehers, Herrn Joseph Eulau, dahier, wie das Kind im Hause. Dieses ehrbare Haus streng religiöser Richtung, bürgt dafür, daß diese Waise eine geordnete tüchtige Erziehung in Sitte wie in Religion erhält, während ich dieselbe in Religionslehr- Gegenständen unterrichte, und sie zur Erlernung weiblicher Handarbeit die hiesigen Industrieschulen besucht. Der Knabe befindet sich bei dem Fruchthändler Jf. Grünebaum I. in Bindsachsen, woselbst er gut gehalten wird, das w'-ip so schön und so deutlich sagt, daß mancher Erwachsene sich beschämt fühlen dürfte. Sollte eine angebotene Versorgung nicht zu Stande kommen, so werde ich den Knaben zu mir in Kost und Unterricht nehmen. Alles dieses ist nächst Gottes ri"2 Hilfe und Beistand durch Euch, Ihr Frommen in Israel, geworden. Die Früchte dieses Wohlthuns werdet Ihr sicherlich schon hienieden genießen, 7i"pd. — Doch gegenüber dem öffentlichen Gekrächze eines Naben, der einen unreinen Vogel auch in anderm Gefieder erkennen und alles und jedes Gute, mit und für Gott unternommen, mit seinem Geifer besudeln möchte, würden wohl die Schriftworte genügen: Indessen eingedenk des Ausspruches: sei hier nur vorläufig erwähnt: daß in unserm Staate ein israel. Waisenhaus nicht besteht; — daß diese Waisen aus der Landeswaisenanstalt eine Unterstützung nicht anzusprechen haben; — daß mein Unternehmen dem Großherzogl. Kreisamte dahier offen vorliegt, und ich Alles mit Vorwissen dieser Behörde und unter Vorlage bet. Schriftstücke thue; — daß ich, behufs gerichtlicher Anordnung einer in Eid und Pflichten zu nehmenden tüchtigen Vormundschaft über diese Kinder, schon vor 10 Tagen bei Gr. Kreis amte dahier vorstellig geworden bin; — daß außer dem eventuellen Vormundspersonal und der gerichtlichen Obervormundschaft auch dem Herrn Redakteur d. Bl., in Vertretung des orthodoxen Judenthums (von woher diese Spenden geflossen), Namens der hochherzigen Spender ein entscheidendes Veto eingeräumt werde; — daß ein gehöriges gerichtliches Inventar ausgestellt, und dermaleinst die gerichtlich abgehörte Vormundsrcchnnng in d Bl. zum Abdruck und zur allgemeinen Kenntnis; gelangen wird; — daß die eingegangenen und noch eingehenden Spenden durch den Herrn Redakteur d. Bl. in Mainz selbst verzinslich angelegt werden, *) was auch mit dem dahier eingelangten Gelde, soweit nicht ein augenblicklicher Verbrauch vorliegt, geschehen, resp. noch geschieht. Sobald ein geordneter Zustand in dieser meiner Herzensangelegenheit nur einigermaßen hergestellt sein wird, erlaube ich mir, weitern Bericht zu erstatten. Ern guter Geist wache ferner über diese gottgefällige Sache, damit der böse 2"p2 wird sagen müssen! Ottensoser, Lehrer. Stuttgart. Viel Aufsehen macht hier das Gerücht, es habe ein Jude von Hechingen in einem Civilproceß gegen den hiesigen Israeliten G., als dieser den erkannten Eid schwören wollte, den Einwand gemacht, daß G. hier als Jude zu schwören ' ) Ist bereits geschehen. Red.

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