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Der Israelit · 1865-03-08 · Heft 10 (8.3.1865) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 10 (8.3.1865)
Date
1865-03-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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130 stellt, indem mit der damals angekommenen Post wieder kein Antwortschreiben der Königin gekommen war, während er doch so gern Freundschaft mit den Westmächten angeknüpft hätte. Von Frankreich erhielt er wohl Antwort, aber nicht vom Kaiser selbst, sondern vom Minister des Aeußern, was zur Folge hatte, daß er den Brief sofort in Stücke zerriß und ihn mit Füßen trat. — Ein Mitgefangener, doch glücklich entlassener Missionär, also Augenzeuge, berichtet: „Im I. 1863 wurde der englische Consul dem Könige durch! Spione verdächtig gemacht, auf der Reise angehalten und seine Briefe censirt. So hat sicherlich der so diplomatisch kluge Monarch das Beißen in die Finger (vergl. oben erwähnte Kritik im Jeschurun) nur zum ostensiblen Motive benutzt. In der That wurde dem Missionär vorgeworfen, daß er die königl. Conduite herabgesetzt und gewisse Photographien zu delatorischen Zwecken ausgenommen habe. Nun ist dieß selbst nach englischen Berichten nicht so ganz unbegründet. Stern und Rosenthal sollen wirklich Dinge berichtet haben, welche einem solchen Monarchen, dessen Ehrgeiz dadurch tagtäglich genährt wird, daß ihn seine Umgebung und seine Truppen insbesondere als ein übermenschliches Idol und einen Heros im antiken Sinne verehren, Veranlassung geben könnten, sie für Feinde seiner Dynastie und seines Volkes zu halten. Als R., von ihm gefragt, warum er ihn verrathen habe, dieß in Abrede gestellt hatte, antwortete der Monarch: „Das wird sich aus den Papieren finden." Die Purificirten wurden bald darauf freigegeben, ja sehr freundlich von ihm angesprochen und seine Kinder genannt; und es wurde befohlen, ihnen ihre Besitzthümer zurückzustellen. Die Gerichtsverhandlung war öffentlich, alle Europäer wurden dazu eingeladen; die Hauptanklage gegen Or. Stern bestand darin, daß er den König in Folge der nach der Besiegung Genders geübten Rache (vergl. Anm. 2) in seinen Berichten einen kaltblütigen Mörder genannt habe. Die Anklagen gegen R. waren noch gravirender; Th. verfuhr aber viel glimpflicher mit ihm, weil er bei ihm keine böse Absicht wie bn St. voraussetzte. Nach einem andern Berichte argwöhnte der König ferner, daß der franz. und der engl. Consul ihn und seine Dynastie im Auslande herabsetzten; auch war ein kriegslustiger, franz. General mit Italienern, Franzosen und Deutschen gelandet und der Conspiration mit seinen Feinden verdächtig geworden. Endlich hatte der franz. Consul es gewagt, gegen ein rechtskräftiges Urtheil zu protestiren, und rettete sich nur mit größter Noch aus der ihm dadurch drohenden Lebensgefahr. — Nach dieser selbst bei der gedrängtesten Kürze doch unwillkürlich so lang ausgedehnten Auseinandersetzung können wir vorurtheilsfrei die Situation übersehen; und wir fragen getrost jeden Jehudi: Sind die Verhältnisse dort wirklich so verzweifelt, wie man dieß angibt? Sind die Hindernisse wirklich unübersteiglich, das Terrain so undurchdringlich, und das Bedürfnis so-unmöglich zu übersehen? — Weil sich die Mission wirklich viel zu Schulden kommen ließ, und den beleidigten Ehrgeiz des Despoten über alle Berechnung hinaus angefacht; weil die Missionäre im Gerüche der Conspiration standen und vielleicht wirkich conspirirten: deßhalb können wir, die wir keine Diplomatik treiben, die wir keine Missionäre sind, die wir nicht die entfernteste Veranlassung zum Mißtrauen geben werden, die wir nicht hinter dem Rücken des Monarchen Tractätlein vertheilen wollen, die wir, loyal und aufrichtig wie immer, mit offenem Visir und ohne jeden Hintergedanken auftreten werden, um den Geist unserer Glaubensgenossen auszubauen und ihre Kraft zu unterstützen, deßhalb können wir keine Aufnahme, keine Gunst bei einem Monarchen finden, der bei allen Schwächen mit seltenen Tugenden ausgerüstet, der höchst klug und umsichtig, der die Europäer achtet und sich darnach sehnt, daß seinem Volke die Augen geöffnet werden? — Weil die Missionäre mit schnödem Golde Tausende von Scribenten bestechen, vielleicht, um die wahren Thatsachen zu fälschen, ihr Treiben in ein günstigeres Licht zu setzen, um sich mit einem Glorienscheine zu umgeben, und sich mit unverdienter Märtyrerkrone zu glorificiren; weil es im Interesse gewisser Consulate ist, eine öffentliche Meinung zu fabriciren, vor der sie Recht behalten; deßhalb müssen auch wir uns zu ihren Claqueurs hergeben; deßhalb müssen auch wir in den Chor der Nachbeter mit einstimmen; deßhalb auch wir xsr-sat schreien? — Das glaube, wer kann. Ich glaube es nicht, denn: „Man merkt die Absicht, und man wird verstimmt". Nein; wir haben es mit einem bei allen seinen Schwächen (die heraufzubeschwören wir vermeiden können und werden) sehr hoffnungsvollen Monarchen zu thun; das Ziel liegt nicht in unabsehbarer Ferne; daher, theure Brüder, lasset Euch nicht irre machen, arbeitet vorsichtig aber fest und unwandelbar, Gott wird schon helfen! (Schluß folgt.) Aeber dir Lehre von der Unsterblichkeit der Seele bei den Hebräern. Von 8. Llein, Oberrabbiner zu Colmar. (Aus dein „Hiriv.!sr.") (Schluß aus Nr. 6*) Im 13. Kap. des 5. B. M. finden wir folgendes Gesetz: „Wenn dein Bruder, der Sohn deiner *) Anm. In Nr. 6 S. 97, Sp. 2, Z. 15 von unten bittet man statt „jetzt endlich" zu lesen „nichtsdestoweniger"; das. Z. 13 v. u. statt „zuzugestehen" „streitig zu machen"; das. Z. 12 v. u. statt „Nichtsdestoweniger" „So.". —

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