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Der Israelit · 1865-03-08 · Heft 10 (8.3.1865) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 10 (8.3.1865)
Date
1865-03-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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129 zu jeder Zeit wollen wir uns vergegenwärtigen die ewige Wahrheit, daß wir auf Niemanden zu vertrauen haben denn auf Ihn allein, und daß unser sicherster Hort stets die Beobachtung Seiner heiligen Gebote und nichts Anderes ist." Wird uns die jüngste schmerzliche Erfahrung das so recht zum Bewußtsein führen, so wollen wir auch darin die weltgeschichtliche Logik erkennen, d. h. eine gütige Mahnung, die unser liebevoller Vater im Himmel uns gesandt hat. — Gericht über die Entwickelung der Falascha-Angelegenheit und Beurtheiluug der hierbei gemachten Vorschläge. Von Or. llLlä68Ü6LIU6I'. (Fortsetzung.) Nun müssen wir von Denen sprechen, welche hier wie überall so unsägliches Unglück über viele Unschuldige hervorgerufcn: wir meinen nämlich die Missionare. Ihr erstes Austreten dort glich dem an allen Orten; sie kamen, nächdem die Röm.-Kath. i. I. 55 vertrieben, heimlich als Handwerker hin und stellten vorsichtiger Weise beim Abuna die artistischen Zwecke weitaus in den Vordergrund. Derselbe sagte, daß der König sich freuen werde, so fleißige Handwerker zu bekommen; ja daß er deßhalb schon nach England, Frankreich und Deutschland habe schreiben wollen. Dieser Abuna, dem Könige gegenüber ebenso unaufrichtig und. heimtückisch wie die Missionäre, die dafür bezahlt werden, bei denen es also zur Profession gehört, rielh ihnen wiederholt, dem Könige von der kirchlichen Seite gar nichts zu sagen; und nachdem sie von ihm dem Könige vorgestern, bat der Abuna, daß der König sie in ihrer gewohnten Religionsausübung nicht stören möchte, was derselbe auch entschieden Znsagte. Es kam daraus eine ganze Karavane von Europäern in MissionSzweckcn; sie begannen hinter dem Nucken des Königs ihren elenden Seelenhandel hauptsächlich durch Bibelvertheilung, und zwar ganz besonders im westlichen Abesspnien, unter die Falascha's. Folgende interessante Collocution möge hier noch ihre Stelle finden. Ein Missionär sagte zum König Th., das Christentum lehre, zu lieben und nicht zu verfolgen, die Ungläubigen zu belehren, nicht aber sie zu unterdrücken. „Wahr, wahr," antwortete Th-, „und wenn dieß eure Absicht ist, so habt ihr meine volle Zustimmung, wenn Abuna zufrieden ist". Letzterer argwöhnte zuerst, daß die Mission die Falascha's nur zum Aushängeschilde, zur Verdeckung der eigentlichen Tendenz, der Bekehrung koptischer Christen, nehme, (worin er, wie aus dem Berichte selbst hervorgeht, auch theilweise ganz Recht hatte) bis ihm die wiederholte feierliche Versicherung der Missionäre, daß die ganze Absicht der Mission nur die Ueberführung der Juden zum Christenthum sei, beruhigte, und er dieselben zur Thätigkeit gegen die Falascha's in allen Theilen des Reiches ermächtigte. So weit über das erste Auftreten dieser überall so unheilschwangeren Gesellschaft; wir werden die Consequenzen ihres Treibens sofort kennen lernen. Nur auf Grund aller obigen Aufklärungen kann man die mit Recht ganz Europa so allarmirende Katastrophe beurtheilen; sie bilden aber auch das einzige, das geschichtliche Forum, vor welches alle oben erwähnten Vorurtheile, alle jene so bequemen Verzweiflungs- Philosophien zu bringen sind; sie allein sind der Maßstab zur Beurtheiluug, ob das achselzuckende non POÜ8UWU8 berechtigt sei. Ebensowenig nun wie eine „losgegangene Flinte" allein eine Revolution macht, ebensowenig wird von oben herab deßhalb eine solche inaugurirt, weil sich „ein Missionär in die Finger beißt". Beides sind nur Schlußpunkte einer lange vorbereiteten Periode, eines mit sehr langer Zeit angelegten Entschlusses. Auch hier haben mir eine geheime vorbereitende Geschichte vor uns; die wesentlichsten ihrer Daten sind folgende, vr. Stern, eben der mehrerwähnte unglückliche Zielpunkt des Despotenzornes, schrieb schon i. I. 63, sofort nach seiner Rückkehr nach A-, daß ihm die Zeit für seine Thätigkeit sehr ungünstig scheine, der Staat sei durch viele Conspirationen gegen König Th. sehr aufgeregt, dieser werde dadurch zur äußersten Strenge getrieben, und er setze nur noch die größte Hoffnung in die moralische Rechtlichkeit und die makellose Reinheit des Monarchen, welche ihn, trotzdem ihn die Selbsterhaltung und sein Ehrgeiz soweit getrieben, doch schützen werde. Es ist also die Conspiration gegen seine Person, (und wie wir sehen werden der Verdacht, daß es die Engl, und Franz, mit den Feinden hielten) die zu dieser Gränellhat trieben. — König Th. schrieb Ende 1862 persönlich dem Kaiser von Frankreich und der Königin von England, ihnen ein Bündniß antragend und die Sendung einer ständigen Gesandtschaft an ihre Höfe in Aussicht stellend. Auf diese Correspondenz legte sein Ehrgeiz ein ebenso großes Gewicht, wie seine ruhige, weise Politik ans das Bündniß selbst. Es wird in authentischen Berichten ausdrücklich constatirt, daß der in seiner Würde beleidigte Monarch im September 1863 die Verfolgungen begann, als und weil aus obige Briese keine Antwort gekommen war, und als der englische Consul von der Freundschaft Englands sprach, erwiderte Th. barsch: „Wo sind die Beweise?" Zwei Tage nach der (im Jeschurun, Januarheft, beschriebenen) öffentlichen Gerichtsverhandlung, §ls der Despot schon etwas ruhiger geworden und etwas günstiger gestimmt war, wurde sein Ehrgeiz wieder aus eine harte Probe ge-

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