Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1865)
- Date
- 1865-03-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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122 / die in Hamburg vor Jahrzehnten ausgebrochen und ihr Gift in die Gemeinden Deutschlands gestreut, sie hat ausgetobt, und sollte sie noch ferner zu schaden versuchen, so würde es ihr an Gelegenheit dazu fehlen. Ein gesundes Gemeindeleben wird eine Reformpartei nicht heranziehen, sollte sie auch, durch welche Ereignisse immer veranlaßt, auf's Neue sich erheben. Eine Zukunft hat sie nicht, sie ist keine Wiederherstellung der Wahrheit, sie ist kein Protest gegen Irrlehren, sie ist eine Profanisirung, eine Schmähung des ewigen Gottesgesetzes. Wenn in der Welt- und Religionsgeschichte der Menschheit, die sich allmählich fortschreitend entwickelt, eine Reformation, ein Protest gegen frühere Perioden der Mißbräuche und Irrlehren, Zeichen eines gesunden Geistes sind, der die beste Gewähr seiner Aechtheit in der Dauer und in der Anerkennung «der Nachwelt findet, die weiter ausbaut den angefangenen Plan, so ist bei unserer Thora, die uns in ihrer Reinheit vor Jahrtausenden gegeben wurde, jeder Protest ein Abfall, jede Reform Schmähung. Die Theilnahmlosigkeit der Anhänger der Reformgemeinde zeigt die Hohlheit ihrer Bestrebungen. Von dem durchgegangenen Programm der Fusion haben die meisten Stimmen drei entschieden orthodoxe Juden. Der sehr beliebte, gesinnungstüchtige Kaufmann, Joseph Michel Heilbut, erhielt 716 Stimmen. vr. S. P. Nathan, einer unserer wackersten jüdischen Gelehrten 708 (diese beiden waren auch auf der ersten Liste). Sally Lewisohn, Inhaber der bekannten Firma .... 501. Einen Candidaten hat die erste Liste durchgebracht (wofür die Fusion einen einbüßte), H. S. Hertz, bekannt durch feine Wirksamkeit in der Bürgerschaft, und gesonnen, seine tüchtige Arbeitskraft der Orthodoxie bei den Sitzungen des Repräsentantencollegiums zu widmen. Ferner erhielten B. A. Simon 477, Or. R. L. Oppenheimer (Sohn des bekannten Hauses) 456, vr. M. Jslev 450, vr. H. May 444, Samuel En och 331 Stimmen. Es würde also in dieser Liste keine Majorität der Frommen erzielt sein, wenn nicht etwa, was wahrscheinlich ist, durch die Wahl zweier Mitglieder des Armencollegiums, die orthodox ausfallen wird. (Die 2 Deputirten des Tempels werden 2 Deputirte des Synagogenvorstandes sich gegenüber sehen.) Als Ersatzmänner wurden ferner gewählt die Herren der erstenListe, nämlich Salomon Wolffmit 325, Siegmund Marburg mit 238, Elias Philipp mit 227, JacobJos.Michelmit217,S.A. Goldziehe r mit 215, Mor. Wolfs mit 213 Stimmen, außerdem erhieltm Louis M Levy 249 St., B. D. Dessau 80 rc. Ist nun bei der ausgezeichneten Auswahl, der Aechtheit und Tüchtigteit des wahrhaft jüdischen Theiles der Vertreter eine Gefahr für unsere heilige Religion nicht gerade zu fürchten, so ist hingegen das Amt dieser Männer kein leichtes, die Verantwortung keine geringe, und bei der zu erwartenden standhaften Wahrung ihrer heiligen Pflichten ein Bruch mit den Neologen am grünen Tisch nicht außer dem Bereiche der Möglichkeit, der hier zu einer klareren Auffassung der Gründe, zur Trennung und zu einer mit klarstem Bewußtsein aus der Nothrvendigkeit herbeigeführten Scheidung führen könnte. Mainz, 16. Febr. Im Februarheft des „Un. Jsr." sagte der geistvolle Redakteur desselben, Herr Bloch, in seinem Rückblicke auf das jüngst verflossene Jahr Folgendes: „In Deutschland errobern die wahren Grundsätze des orthodoxen positiven und historischen Judenthums immer mehr den Boden zurück, welchen die Anstrengungen und momentanen Erfolge der Reformer eine Zeit lang hatten verlieren lassen. Das Korn sondert sich überall von der Spreu; Gemeinden und Syuagogen gemäß den Anforderungen unseres heiligen Religionsgesetzes erstehen in den großen Städten, wo der Geist des Bösen einen Therl des Volkes Gottes irre geführt hatte. Die Zeitschriften, welche sich der Verteidigung der israelitischen Wahrheit widmen und für die Erhaltung unserer heiligen Religion kämpfen, erfüllen ihre Aufgabe mit Talent und Glück; und während die Apostel der Reform sich nur mit der Dekoration des Tempels, mit Gesang und Musik, mit Kostümen und Theatercoups beschäftigen und sich wie Thearerdirektoren betragen, gründen die treuen Vertreter des wahrhaften Judenthums, die Nabbinen nach dem Herzen Gottes, überall Unterrichtsanstalten zur religiösen und sittlichen Heranbildung der Jugend, bestreben sie sich dem häuslichen Heerde seine Reinheit und seine alte Heiligkeit zurückzugeben, wahrhafte Israeliten zu erziehen, welche durch Lehre, Unterricht, Glaube und Sitte den jüdischen Tugendhelden der Vergangenheit gleichen. Die Reform kann nur Choristen heranbilden, und zu bedauern sind jene Armen, welche gezwungen sind, die langweiligen Predigten der Reformhelden mit anzuhören. Bei Gelegenheit des Kompert'schen Prozesses hat es sich gezeigt, welche Kraft und Lebendigkeit, in wie hohem Grade Muth und tiefes theologisches Wissen sich bei den othordoxen Rabbinen Deutschland's vorfindet." Indem wir Herrn Bloch für seine freundlichen, ermunternden Worte herzlich danken, wollen wir auch anerkennen, daß bereits zwei Jahrzehnte hindurch seine begeisterte und begeisternde Rede den wohlthätigsten Einfluß auf die Gemüther übt, und daß unsre Gesinnungsgenossen in Frankreich in seiner vortrefflichen Zeitschrift einen kräftigen Hort besitzen. Der Aufsatz, „Jakobs Tod", den wir in Ir. 2 d. Bl. aus den Lleclitatious Li blaues des Herrn Bloch übersetzten, hat bei allen uusern Lesern ungetheilten Beifall gefunden. Wir wollen bei dieser Gelegenheit nicht un