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Der Israelit · 1865-03-01 · Heft 9 (1.3.1865) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 9 (1.3.1865)
Date
1865-03-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zu Nr. 9 des Zsraelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Frankfurt a/M. 20. Febr. Der Verein zur! Beförderung der Handwerke unter den Israeliten , veröffentlichte gestern seinen dreiundzwanzigsten Be- > richt. Derselbe umfaßt den Zeitraum von 1863—65. Als der Verein vor 41 Jahren gegründet ^worden, traten fast alle hiesigen Gemeindemilglieder ihm als contribuirende Mitglieder bei, und befähigten ihn durch reiche Gaben, den Unbemittelten unserer nahen Umgegend eine kräftig fließende Quelle bleibender Hilft zu werden, dem Hange zu dem damals so beliebten Hausirhandel nachhaltig zu steuern und das Fundament zur Schaffung eines gediegenen Handwerksstandes zu legen. Doch diese Opferfreudrgkeit hat sich, weil Viele glauben, da die Zeiten für die Israeliten bester geworden und der Verein seine Mission erfüllt habe, verringert. Im Ganzen nahm sich der Verein seit seinem Bestehen 962 Knaben (1863—65 deren 13) an; während die Zahl der von Vereinsmitteln unterstützten Gesellen und Meister > 8 nicht überschritt. Von sämmtlichen Unterstützten geboren 623 den.- Großherzogthnm, 147 dem Kurfrnstenthum und 47 der Lendgrasschoft Hessin an, 3! dem Königreich Bauern, 119 dem Herzogthum Nassau, 1 dem Großherzogthum Baden und 62 der Stadt Frankfurt. In die H. S. Golds chm idt'sche Stiftung, welche fortgesetzt unter der Benvallung des Vereins steht, wurden in dem abgelansincn zweijährigen Zeitraum 10 Lehrlinge ausgenommen, deren Gesammtzahl jetzt auf 160 angewachsin ist. Die (5. Gcldschmidtffche Stiftung unterstützt 7 Meist» r, und erfreuten sich feit ihrenfünfzehnjährigen Bestehen 68 Meister dieser Wchltlat. Beide' Stiftungen traten überdies noch ergänzend da ein, wo die Vereinsmittel nicht ausreichten. Portcfeuiller, Bäcker, Schuhmacher waren die am meisten gesuchten Gewerbe. Die Einnahmen des Vereins beliefen sich auf 5627 fl., die Bestreitung der Kosten für die Zöglinge auf 4166 fl. Hamburg, Heil Euch Bewohner Hamburgs, rust unser verewigter Oberral biner 9t.Jonathan Eibeschütz in seinem '"r .seiner Gemeinde zu in lauter Anerkennung ihres Eifers, die pünktliche Ausübung geheiligter Gebote bei treffend, in der weisen Erkcnntniß, eine solche religiöse Hin-! Hebung verheiße blühendes Gemeindeglück. Heil Euch, i Bewohner Hamburgs, rufen auch wir, Kinder frommer Ahnen, unserer Gemeinde entgegen, weitertragend das! Wort unseres großen Lehrers. Jener fromme Eifer; unserer Vorfahren hat sich vererbt, und besteht er auch s Gefahren, unterdrückt wird er nie, nie, mit des Herrn Hilft. Die Ereignisse der letzten Tage führten uns in deutlichen Zügen das Leben und die Bestrebungen in unserer Gemeinde vor Augen, sie gaben uns in großartigen Umristen ein Bild der Bestrebungen im jüdischen Gemeindewesen heutiger Zeit überhaupt, wenn auch der aufmerksame Beobachter in Hamburg Alles in freundlicherem Lichte sieht, als hin und wieder das Specialbild jüdischer Gemeinden der Neuzeit erscheint, i Wir sahen auf der einen L>eite die entschiedenen! Gesetzcstreuen sich um die gemeinsame Fahne schaaren, entschieden ihr Programm entwerfen, unbekümmert um jede andere Rücksicht, als für die strengste Wahrung unserer! geliebten heiligen Thora einzutreten, sorglos gegen die j Eventualitäten eines Bruches, den sie mcht erzwingen wollen, vor dem sie aber, wenn bei der Wahl eines ausj schließlich gesinnungstüchtigen orthodoxen Collegiums eine j Ausscheidung von den unterlegenen Gegnern als unausl bleiblrch und uothwendig erklärt würde, nichts weniger i als zurückschreckten. Wir sahen Männer dieser entschredenen Gesinnung Tag und Nacht arbeiten, Geschäft,! Gesundheit hintansitzen, um die zu spät auf den Kampfplatz getretene Schaar recht zahlreich um ihre! Fahne zu schaaren, an den Wahltagen selbst, veranlaßt j durch die lebhaften Wahlagitationen der anderen Par -! 1» g iahen wir aus der Straße vor den WahlbureawL! die reichsten, angesehensten Männer Lhätig. Lente ihres! Sinnes vor Zersplitterung der Stimmen zu warnen, i Was wir aber am höchsten schätzen, ist die Unverdrossenheit, mit der sie, fast sicher i hrer Niederläge (als cS nämlich beim Verlauf der Wahlen laut wurde, daß ihre Minorität fast schon erwiesen), erklärten.- wir arbeiten, soweit innere Kräfte reichen, und! unterliegen wir jetzt, so sind wir doch einmal vereinigt für unsere Sache, io sind wir letzt rüstig bereit, eirsi zustehen für unsere heilige Gewissenssache, i Aus der anderen Seite iehen wir die Fnsions- - parier, wie sie sich nennt, ängstlich bemüht, die Gemeinde in ihrem ganzen Umfange zu erhalten, und zu dem Zwecke ein Programm ausstellen, das Orthodoxe und Neologen unter dem Mantel der Humanität, der Armenpflege?c. einigen soll. Wir sehen die Majorität verzichten auf ihre Rechte, um mit der Rechten diejenigen sich zu näheren, gegen die ihre Linke am grünen Tisch muß erhoben sein, um Gemalt und Willkür entschieden zurückzuweisen. Diese Partei steht der bisherigen Gemeindeverwaltung näher, sie hatte schon lange ihre berechneten Schritte gethan, und schließlich den Sieg errungen. Die Zahl der Indifferenten und Gleichgiltrgen war auch nicht ganz gering. Aber die Zahl der fanatischen Zerstörer der heiligen Thora fand sich nicht vertreten. Die Ne^ormwuth,

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