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Der Israelit · 1865-02-22 · Heft 8 (22.2.1865) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 8 (22.2.1865)
Date
1865-02-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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106 Weitem größer» Theile des Schulchan - Aruch sich zu vekvsRvMMnen -estrsvt; ein angehender Seminarist aber, anstatt die Ueberlegenheit auf dem Gebiete der Htabbinatsstudien in ihm zu schätzen und die geziemende Anerkennung dafür zu zollen, iu frecher Miene, mit dem Atlas oder Globus stolzirend, verächtlich auf ihn herabsieht und die scientifische Ohnmgcht zur Erniedrigung bei den löblichen Behörden ausbeutet, dann ist die freigestellte Besugnjß zur Jeschiba - Frequenz eine hohle, leere Phrase, ein eitler Trug. Uno darum der heiße Kampf der ehrwürdigen Rabbinen, welche in dem seit Jahrhunderten bestehenden Jeschiba- Systeme die wahre sprudelnde Quelle religionsgesetzlicher Ergießungen anerkennend, um diese Pflanzstätte der talmudischen Wissenschaft eifrig sich fchaaren und mit Beharrlichkeit behaupten: Nur kein Seminar! (Fortsetzung folgt.) Feuilleton. Die Londoner Juden. Aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet von Hirsch Grünebaum. (Fortsetzung.) Um jedoch allen Mißverständnissen vorzubeugen, fährt Herr Qr. Gilbert in seiner Darstellung weiter fort, muß ich bemerken, daß diese Schilderung von der Kleidung der,Juden und Jüdinnen auf die höheren Gesellschaftskreise durchaus keine Anwendung findet. Im Gegenteil herrscht in ihren Sabbat-Anzügen mehr Eleganz als bei den Christen, besonders unter den Damen. Ein Grund für die Einfachheit seitens der jüdischen Damen, — wodurch sie jedoch noch viel mehr Anspruch auf unsere Achtung machen können, ist der: daß es gegen ihre Religion verstößt, in die Synagoge zu fahren, weil dadurch dem „Diener, der in Deinen Thoren ist" *) Mühe verursacht wird; aus eben demselben Grunde muß auch die Sorgfalt auf ihre Toilette geringer sein, nur um ihren Dienstboten die vorgeschriebene Ruhe zu vergönnen. Die Juden verdienen, als Nation betrachtet, außerordentlich mäßig genannt zu werden. 1>r. Ascher, der Arzt des Vereins „Loarä ok Ouaräiavü« auf dem Devonshire- Platz, ein Ehrenmann, Ln dessen Erfahrung und Wahrheitsliebe man das größte Vertrauen setzen kann, versicherte, daß ihm in seiner ganzen Praxis, die eine ausgedehnte genannt werden darf, nicht ein einziger Fall eines Selrrim» tremsrw (Säuferwahnsinns) bei einem Israeliten vorgekommen sei. Dm SchulchanrAvuch hat Herr vr. Gilrbert wdhl n*ht studrrt! Dieser Umstand kommt den Juden auf noch vielfache Werse zu Statten. Nehmen wir einmal von der verhältnißmäßig gerinen Erscheinung des Wahnsinns Notiz; diese schreckliche Krankheit, das beklagenswertheste Uebel, mit dem ein Mensch heimgesucht werden kann, ist viel seltener unter ihnen als unter der ärmeren Klaffe der Christen. Ebenso wohlthätig wirkt diese Lebensweise aus ihren Gesundheitszustand im Allgemeinen Die armen Juden haben einen weit schwächeren Körperbau als unsere arbeitenden Klaffen, und die engen, dicht vollgestopften Lokalitäten, die sie bewohnen, tragen keineswegs zur Förderung der Gesundheit bei; jedoch nach der glaubwürdigen Aussage des Herrn 1)r. Ascher, hat es weniger Schwierigkeiten, sie aus dm bedenklichsten Krankheiten herauSzuzieheu, als die armen Christen, zu denen er gerufen wird, und dieses schreibt er hauptsächlich ihrer mäßigen Lebensweise zu. Dieser Umstand hat sich in derselben Weise in dem Protokollbuche des Londoner Hospitals kundgegeben. In dieser Anstalt, in der mehrere große Sääle für jüdische Patimten eingerichtet sind, hat man gefunden, daß sie sich im Allgemeinen schneller von den Folgen schwieriger Operationen erholen als die christlichen Patienten. Eine andere wohlthätigeFolge der außerordentlichen Mäßigkeit seitens der Juden bleibt noch zu erwähnen. Vor einigen Jahren haben die reichen Juden angesangen, dahin zu wirken, daß ihre Armen Handwerke ergreifen, anstatt sich ihren Lebensunterhalt durch ständiges Handeln zu erwerben. Diese Bestrebungen waren in großem Maßstabe von Erfolg gekrönt; aber der jüdische Handwerker sowohl als auch der Handelsmann befindet sich notgedrungen in bedeutendem Nachtheile im Vergleich zu dem christlichen. Sie haben zwei Sabbate anstatt eines in der Woche zu halten, neben einem beträchtlichen Theile des Freitags; folglich muß das Resultat ihres Erwerbs am Ende der Woche viel geringer sein Auch hier kommt ihnen ihre Mäßigkeit sehr zu Statten, indem sie ihnen einen großen Theil des Berlusts ersetzt, den die Ausübung ihrer Religionspflichten mit sich bringt. Eine anders bewunderungswürdige . Eigenschaft der armen Juden ist noch zu erwähnen — die außerordentliche Anhänglichkeit der Familienangehörigen an einander. W muß jedoch bemerkt werden, daß diese der ganzen jüdischen Bevölkerung sowohl reich als arm gemein ist; jedoch ist sie bei den letzteren viel hervorstechender als bei den ersteren, denn, obgleich die Armuth sehr geeignet ist, die Familienbande, da wo sie zur Last werden, zu lockern , so scheinen jedoch hier alle Versuchungen an der großen, gegenseitigen Zuneigung der Fcmülienglieder ohnmächtig abzuprallen. Dir Liebe der Kinder zu ihren Eltern, und der Respekt, mit dem ßve von ihnen sprechen, ist ebenso merkwürdig. Sehr oft haben wir bemerkt,

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