Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1865)
- Date
- 1865-02-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage zu Nr. 8 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenze«. Österreichischer Kaiserstaat. D. Palota. (Zur Seminarfrage, von Singer, Rabbiner. Forts.) III. Wie dereinst der heidnische Prophet immer frische Angriffspunkte auf Israel erspähte, so strebt ferner, „B. Eh." die hohen Wipfel des Libanon zu erklimmen, um von da zur Schande der Orthodoxie die Ceder des Libanon vermeintlich zu entwurzeln. Mit hämischer Ironie stellt er die Behauptung auf: „Die Orthodoxie fürchte, die Zöglinge des Rabbiner-Seminars könnten auch noch die kindische Unwissenheit des -"i durchschauen, welcher O"ii 2"ki dem Libanon eine südliche Lage anweiset". Auch hier könnten wir füglich fragen: Warum sagt B. CH. nicht viel eklatanter: „Die Orthodoxie fürchte, die nach Kopernicus, Kepler rc. unterrichteten Zöglinge des Seminars könnten sich über die kindische Unwissenheit des Talmuds, ja sogar der heiligen Schrift an so manchen Stellen belustigen?" Wenn aber dort die Schwierigkeiten sich heben und mit der Wissenschaft aussöhnen lasten, (vicks R. Jizch. Arama, Ben Adomim und Nema) nun so ist ja auch hier die Anschuldigung noch nicht nachgewiesen. Es dürfte nicht minder auffallen, daß Ilrläem die Wüste nach Norden versetzt scheint. Aus dem bündigen Zusammenhänge der beabsichtigten Erläuterung der Schriftstelle Deuter. 11, 24 geht aber klar hervor, daß v"ri blvs das relative geographische Verhältniß zwischen dem rothen Meer, der Wüste, dem Libanon und Euphrat vor Augen hatte, und demnach die Wüste trotz der eigenthümlich südlichen Lage zur Seite des rothen Meeres nördlich bleibt, so wie mit derselben der nördliche Libanon, in Bezug auf den Euphrat, südlich erscheinen kann. Gesetzt aber, cs verhielte sich ganz so, wie „B. CH." ang'bt, und r>"i O"n hätte wirklich gegen die Geographie verstoßen, so ist die schale Hypothese: „daß Furcht vor Durckstchauung wissenschaftlicher Fehlgriffe in den Werken großer Rabbiner die Orthodoxie vor Seminaristen bange zurückschrecken läßt," eine, nichtssagende Blasphemie. Offenbareres Unrecht ist wahrhaftig derselben noch nie widerfahren. Seit wann ist^sie denn so kritikschcu? Gehört es nicht vielmehr zum Ruhme der Orthodoxie, daß sie die Unfehlbarkeit rabbinischer Autoritäten, selbst auf halachischem Gebiete, wohin die Hand der Neologie nicht reichen mag — nicht blindlings zur Geltung bringt, und vielmehr nach dem Spruche: Lrrar« liurvLnurv est, dem gründlichen Quellenstudium bestmöglichen Vorschub leistet? Wie vormals der würdige Sohn des großen Noda Bijehuda zur Beleuchtung der gedankentiefen Responsen seines Vaters unzählige Anfragm zu erledigen hatte, so dürfte auch jetzt im Archive des hochverehrten Herrn Oberrabbiners zu Preßburg ein ganzer Stoß rabbinischer Aktenstücke als kritische Anfragen über halachische Schlüffe im v"i sich vorfinden. Aber darum wird der aufgetauchte Zweifel über den Jdeengang, ja sogar die Entdeckung irgend einer unbegründeten Schlußfolgerung, Nichts an dem hohen Verdienste und oem ehrfurchtsgebietenden Ansehen des großen Mannes schmälern. Die innere Pietät und der geziemende Respect vor dem heroischen Charakter, dem immensen Wissen, den unverwüstlichen Leistungen und den Lehrreichen Werken unserer rabbinischen Grö - ßen, verewigen im geistigen Umgänge mit ihnen Liebe und Verehrung geaen sie. Worin nun könnte der Forschungstrieb der Seminaristen der Orthodoxie gefährlich werden, wenn das Institut mit dem Gerste und dem Misten auch den Charakter der angehenden Zöglinge in bescheidener Frömmigkeit zur rabbinischen Würde groß erziehet? Dieß ist eben der eigentliche Kernpunkt der Frage! Das sich zeigende Genie, der productive Geist sind nicht immer Garantien einer zu entstehenden echtrabbinischen Autorität. Ein ."ix-n.-n iD Lu bleibt ein fauler Flecken im Judenthume. Der große v"r O"ri war hierin sehr behutsam und mißtrauisch. Ihm genügte die blitzschnelle Phantasie, die sprudelnde Gedankenfülle nicht. Er erzog in einer Legion von Schülern nebst dem rabbinischen Wissen auch den rabbinischen Sinn, die rabbinische Frömmigkeit, das eigentliche und wenn dieß auch die Devise der Anstalt bleibt, nun, was gäbe es dann zu fürchten? Wenn aber „B. CH.", weil er ein wenig von Geographie und Grammatik rc. weiß und Zeitungen schreibt, jedoch einem c>"ri gegenüber, welcher jede Folie des Talmud Babil. und Hierosol., jeden H. im ^heiligen Schulchan Aruch, Poßkim xriseos und nvvvs auf ein Jota inne halte, ohne Zweifel als rabbinische Null dasteht, dennoch es wagt, mit der Landkarte in der Hand, die Ehre des großen Mannes anzugreifen — um nun auf den ß. 2 des Elaborates zurückzukommen — was gewinnt dann die Orthodoxie mit den eingeräumten Jeschiboth? Gesetzt, der Jeschiba-Candidat hätte von frühester Jugend bis zum herangereiften Berufsalter mit Fleiß und Aufmerksamkeit das Nabbinatsstudium gepflogen, und als Ersatz der profanen Wissenschaften sich auch noch in den vom Seminare laut dem Elaborate ganz unzuberücksichligenden 25 Tabmudtraktaten, und dem außer Acht zu bleibenden bei