Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1865)
- Date
- 1865-02-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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104 Eltern ihn besuchen können und das er verlassen kann, sobald er es wünscht. Uebrigens haben in der; Mortaraangelegenheit nur die französische und die niederländische Regierung offizielle Schritte gethan, Da die französische Regierung Rom militärisch besetzt hält, so kann sie glauben, daß sie für das, was in Rom vorgeht, verantwortlich sei. Aber es steht fest, daß in der Coeu - Affaire selbst der französische Gesandte nicht intervenirt hätte, wenn er nicht Anfangs im Jrrthum gewesen wäre. Ich habe noch zwei Worte über die Mortara- Affaire zu sagen. Bei dieser Gelegenheit erklärte die niederländische Regierung, daß sie sich nicht in die innern Angelegenheiten eines fremden Volkes mengen wolle, daß sie sich jedoch nicht enthalten könne, den üblen Eindruck zu erkennen zu geben, welche diese Thatsache hervorgebracht habe und die Hoffnung auszusprechen, daß derlei Dinge in Zukunft nicht mehr Vorkommen würden. Die Antwort der päpstlichen Regierung war in den. höflichsten Ausdrücken abgefaßt. Folgendes war ihr Inhalt: „Die Regierung des Kirchenstaates erkenne gern an, daß die niederländische Regierung sich innerhalb gewisser Gränzen im Bezug auf den Antheil halte, den sie an dieser Angelegenheit nähme; dieselbe sei jedoch ausschließlich religiös; man wundere sich daher, daß man ihr einen politischen Anstrich gebe, so daß fremde Kabinette sich dafür interessiren könnten". Ich wiederhole, daß ich es unterlasse, diese Anschauungsweise zu billigen, ich habe mich nicht damit zu beschäftigen; aber ich muß erklären, daß ich keinen Grund sehe, warum die niederländische Regierung allein in der Cöen-Affaire hätte Schritte thun und sich einer wiederholten Abweisung hätte aussetzen sollen." Hierauf schloß Herr von Meemstra die Debatte mit folgender: Worten: „Ich habe mit der größten Aufmerksamkeit dem Minister zugehört; ich danke ihm für den Freimuth, mit welchem er die Angelegenheit dargelegt hat, wiewohl ich mich nicht mit allen seinen Behauptungen einverstanden erkläre. Ich kann der irrigen Meinung nicht zustimmen, daß eine Regierung verpflichtet sei, die Gewissensfreiheit der Kinder den Eltern gegenüber zu vertheidigen, noch weniger, daß ein Kind von 11 Jahren im Stande sei, den Werth der verschiedenen Religionen zu beurtheilen. Indessen bin ich bereit, nach den stattgehabten Debatten auf mein Amendement zu verzichten, denn ich habe meinen Zweck erreicht. Die Angelegenheit ist in dem Abgeordnetenhaus des niederländischen Volkes verhandelt worden. Stimmen haben sich hören lassen, welche gegen jede Verletzung der Religions-und! Gewissensfreiheit proteftiren, mag diese Verletzung in Rom oder anderswo statthaben. Ich kann namentlich nach den warmen Worten meines ehrenwerthen Freundes Godefroi meinen Vorschlag aufgeben, und ich glaube, einen Beweis von Mäßigung zu geben, indem ich für den Augenblick wenigstens mich bereit erkläre, mich der Beibehaltung unserer Gesandtschaft zu fügen. — (Arch. Jsr.) Donaufürstenthümer. Wir haben unlängst der günstigen Worte erwähnt, welche der Fürst Cusa bei Eröffnung der rumänischen Kammer gesprochen hat. In Folge dessen hat sich eine Deputation zu ihm begeben, um ihm dafür zu danken. Diese war aus vier Mitgliedern zusammengesetzt, von denen zwei der spanischen und zwei der polnischen Gemeinde angehörten. Der Fürst empfing sie mit vieler Leutseligkeit und versprach, sein Mögliches für das Wohl der rumänischen Israeliten zu thun. Acht Tage später bei Gelegenheit des Neujahrstages brachte die israelitische Gemeinde von Jassy durch den Telegraphen dem Fürsten ihre Wünsche und ihren Dank dar. (Arch. Jsr.) Palästina. Jerusalem. Da ich hoffe, daß das Unternehmen zu Gunsten der Maschas zu Stande kommen wird, so bin ich einstweilen bemüht, die amharische Sprache und Schrift zu erlernen; auch habe ich mich durch Vermittelung unseres kaiserlicher Dragomans Herrn Pascal, mit dem armenischen Patriarchen in Verbindung gesetzt, der mir die besten Empfehlungen an den König Theodorus von Gundar (Abeffynien) zu geben versprochen hat. Wie ich vernehme, ist ein Württemberger, Namens Kraft, Gouverneur einer der Provinzen des amharischen Reiches*). — Sonderbarer Weise feiern die abessynischen Christen zu der Zeit Neujahr, wann wir haben. Selig Hausdorff. *) Anmerkung der Red.: Vielleicht ist einer unserer geehrten Leser in Württemberg im Stande, über diesen Herrn Kraft Näheres zu erfahren und mit diesem in Verbindung zu treten. Es wäre sehr interessant, einmal über die Falascha's Etwas zu vernehmen, das nicht gerade von Missionären herrührt; auch könnte für die beabsichtigte Expedition eine solche Verbindung von Wichtigkeit sein. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Or. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.