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Der Israelit · 1865-02-22 · Heft 8 (22.2.1865) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 8 (22.2.1865)
Date
1865-02-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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102 mieser in Fechenbach v.L. Lustig Ist.; Ungenanntem 2fl.; zusammen 3 fl. — Durch Prediger A. Berliner in Arnswalde 3 Thlr. 15 Sgr. — 6 fl. 7 kr. — Gesarnmtsumme 109 fl. 43 kr. — Zeitungsnachrichten und Correspon- -errzen. Deutschland. Hannover. In den musikalischen Kreisen wird es überraschen, daß der Violinvirtuose Joachim in Hannover seine Stelle, bekanntlich die glänzendste und am freiesten gestellte Concertmeisterstelle in Deutschland, gekündigt hat. Das Motiv ist nicht in einer Uebereilung, sondern in einem zwingenden Ehrenpunkt zu suchen. Joachim hatte auf amtlichen Auftrag den Violinisten Grün (früher in Weimar) ausgewählt, um in eine erledigte Kammermusikusstelle in Hannover einzutreten, und mit Ermächtigung der Jntendenz demselben die betrefferde Zusage gemacht. Nachdem nun Herr Grün seit zwei Jahren in der hannöver'schen Kapelle — vorerst probeweise — gedient hat, forderte Joachim endlich dessen feste Anstellung als Erfüllung der eingegangenen Verbindlichkeit. Diese ward verweigert und als Grund dafür ein unübersteiglicher Wille angegeben, keinen Bekenner der iüdischen Religion in der Kapelle haben zu wollen, obwohl keine gesetzliche Einrichtung und kein kirchlicher Dienst eine Frage nach der Consession der Kapellmitglieder veranlassen kann. Joachim — der noch selbst vor wenigen Jahren dem jüdischen Glauben angehörte — findet in der thalsächlichen Verläugnung seines Auftrags einen gebietenden Grund, seine Entlastung zu nehmen. (Didaskalia.) Karlsruhe. Die israelitische Gemeinde Freudenthal im Königreich Württemberg hat zu den vielen Beweisen des dort herrschenden acht religiösen Sinnes, gepaart mit hingebender Opferfreudigkeit, « inen neuen hinzugesügt, indem der dortige Vorsteher, Herr Moses Löwe, vor einigen Tagen mir die Summe von fl. 150 zum Besten unserer bedrängten Brüder im heiligen Lande im Namen der Gemeinde zugesiellt hat. Ehre dieser hochherzigen Gemeinde und Ehre ihren Vertretern. — Ich hoffe, demnächst Ihnen auch von einer ansehnlichen Sl.iflnrg eines in hüsiger Stadt vor mehreren Jahren verstorbenen würdigen Mannes, gleichfalls zum Behufe der Unterstützung der Armen - in Jerusalem, Näheres berichten zu können. Der Generaleinnchmer für die Armen im heiligen Lande für das Greßherzogthum Baden und das Königreich Württemberg i B. H. Wormser. Niederlande. Haag, im Januar. (Schluß aus Nr. 6.) Herr Godesroi erwiderte daraus, daß er nicht gern an dieser Diskussion Theil nehme; da man aber seinZeugniß verlange, so sei er gezwungen, zu sprechen. „Ich beginne damit," sagte er, „zu erklären, daß man überall wird auf mich zählen können, wo es gilt, die Menschenrechte zn vertheidigen, in welchem Lande auch immer und von welcher Regierung dieselben verletzt werden mögen, daß man in mir bei jeder Gelegenheit den entschiedensten Gegner jeder Intoleranz findet. Ich werde stets derartige Thalsachen, wie Herr von Biberstein sie erwähnt hat, verabscheuen; aber ich gestehe, daß mir dieselben unbekannt. Ich weiß wohl, daß man manchmal mit der Bekehrungssucht gegen meine Glaubensgenossen in der Hauptstadt Mißbrauch getrieben hat; daß man derartige Dinge in einem öffentlichen Etablissement, in einem Hospital versucht hat, ist mir unbekannt. Es ist das um so weniger wahrscheinlich, da die israelitischen Kranken zu Amsterdam nicht in dem allgemeinen Hospitale versiegt werden, sondern ein eigenes für sich haben. Nichts destoweniger könnte ich scandalöse Beispiele ansühren, daß man auch in unserm Lande Mißbrauch mit dem Proselytismus getrieben hat. Man ist erstaunt darüber, daß ich dis jetzt geschwiegen habe; ich betheilige mich nicht gern an Debatten, welche kein praktisches Resultat haben können Indessen danke ich den geehrten Mitgliedern, welche ihre Stimme gegen einen Akt der Gemalt erhoben habe, welcher in jedem civflisirten Staate den rächenden Arm der Justiz hätte herbeirnfen muffen. Weder von dieser Debatte, noch von Schritten der Negierung ist irgend ein Resultat zu erwarten; aber es ist dennoch gut, daß das sittliche Gefühl des civilisirten Europas gegen Vorgänge protestirt, die in die barbarische Zeit oes Mittelalters passen, und die in unserer Zeit ganz unglaublich klingen, zumal in einem Staate, welcher vorgibt, durch die Religion civilisiren zu wollen." Herr von Biberstein nimmt darauf davon Akt, daß Herr Godesroi zugestanden habe, daß man auch in Amsterdam versucht habe, mißbräuchlich Proselyten unter den Juden zu n achen. Der Minister bar auswärtigen Angelegenheiten sagte hierauf: „Ich bedaure, daß die gegenwärtige Debatte stattfindet; ich gestehe zu, daß es der Geist der Toleranz ist, der einige ehrenwerthe Abgeordnete dazu veranlaßte, sie hervorzurufen. Aber die Angelegenheit ist so delikat, daß ich lieber gesehen hätte, man hätte sie mit Stillschweigen übergangen. Da nun aber der Gegenstand einmal öffentlich verhandelt worden, so fühle ich mich verpflichtet, sowohl

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