Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1865)
- Date
- 1865-02-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447193-2447202--03208-2458594- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
99 nicht durchdringt von einem Ende zum andern, ob sie nicht dessen Seele, dessen Leben ist, und ob ohne sie nicht die Geschichte und die Religion des hebr. Volkes der Art unverständlich sein würden, daß selbst der gewöhnlichste Menschenverstand sie nicht einen Augenblick zugelassen hätte. Es würde zu weit führen, all die Momente zu citiren, welche diese Wahrheit voraussetzen; wir wollen nun einige von ihnen durchgehen. Da ist die ehrwürdige Gestalt Abrahams, des frommen, gerechten und mitleidsvollen Mannes. Gott sagt ihm, daß Er ihn liebt; Gott spricht vertraulich mit ihm und enthüllt ihm Seine Absichten. Indessen verwandelt Er ihn in Staub, vernichtet vollständig diesen Freund, welcher nichts verschuldet hat und der immer ein Gegenstand Seiner Zuneigung blieb, während es Ihm, dem Allmächtigen, der da durch den Hauch Seines Mundes das Universum erschaffen hat und erhalt, ein Leichtes gewesen wäre, ihn zu erhalten und vor Zerstörung zu schützen. Die Freundschaft, welche Gott für Abraham hatte, überlebte ihren Gegenstand und übertrug sich nacheinander aus Jizchak und auf Jakob, welche sie in gleicher Weise und in einem solchen Grade verdienten, daß sie eine Quelle der Gnade nnd des Segens für ihre Nachkommenschaft wurde; Dank dieser Freundschaft wird diese ein Gegenstand der göttlichen Vorliebe; sie hat gut sündigen: Gott, wie oft Cr sie züchtiget, wird sie niemals ver- > werfen; Seine Freundschaft ist ein mächtiger Schild; - Er wird „sich immer Seines Bundes mit Abraham, > mit Jizchak und mit Jakob erinnern". — Aber diese! Patriarchen, wo sind sie? Sie eriftiren nicht mehr: j Gott, ihr Freund, hat sie den Würmern zum Futter i übergeben; Er hat ihnen nur ein gutes Andenken bewahrt. Moses ist ein treuer Diener. Gott gesteht ihm > diesen Titel, den er wob! verdient hat, zu. Um seine Sendung zu erfüllen, weicht er weder der Wuth Pharao's, noch der Undankbarkeit und den Schmähungen! der Hebräer, noch den AnftrengUi gen und den Mühen,! eine Sklavenhorde zu erziehen, noch endlich den Schrecken j eines 40sährigen Umherirrens in der Wüste. In dem Augenblick, da er die Frucht der vielen Jahre des Kummers und der Mühe ernten soll, in dem Augen-! blick, da er Israel im Begriff sieht, den Jordan zu überschreiten, um das gelobte Land in Besitz zu nehmen, triff! ihn ein Todesurtheil und versagt ihm den! Eintritt; er bittet, er fleht inständigst, daß ihm die! Gnade zu Theil werde, in das Land emtreten zu dür-! sen, welches der Gegenstand seiner heißesten Wünsche ist — es ist vergeblich. Gott bleibt unerbittlich und sagt zu ihm : „Du wirst das Land sehen aber es nie-! mals betreten. Gehe, setze deinen Nachfolger ein und j stirb," d. h. kehre zurück zum Staube, tritt zurück in > das Nichts. —! Aber bewundern wir die Gnade, welche die Dienste? des Patriarchen und die Freundschaft Gottes zu denselben deren Nachkommen gebracht haben. Diese sind außerordentlich störenden und hindernden Gesetzen unterworfen, haben vielfache und schwierige Pflichten zu erfüllen, haben harte und strenge Gebote zu vollziehen, deren Vernachlässigung die Todesstrafe nach sich zieht, um einige flüchtige Güter zu verdienen, ein verschwindendes Glück, ein wenig irdische Macht — Güter, welche andere Gott feindlich gesinnten Völker auch ohne jene harte Bedingungen erlangt haben. — (Schluß folgt.) Denkschrift über die Revision der Lsrael. Kirchenverfassung im Königreiche Württemberg. Bearbeitet durch den Ausschuß der am 6. Juni 1664 zu Hohenbuch abgehalteneu Israeliten - Bers a mmlung. Nahezu siebenhundert Israeliten aus etwa zwei nnddreißig Gemeinden des Landes haben Ende vorigen Jahres eine auch dem König! Ministerium für das Kirchen- und Schulwesen m Denkschriftform mitgetheilte Petition bei der Kammer ver Abgeordneten eingereicht, in welcher um Revision der für die Israeliten bestehenden kirchlichen Gesetzgebung gebeten wird. Die Kammer, welche nicht mehr Zeit fand, auf diese Petition näher einzugehen, überwies dieselbe, nachdem sich kräftige Stimmen ihrer angenommen hatten, der König!. StaatHcegierung zur Erwägung, und Seine Ercellenz. der Herr Minister für das Kirchen- und Schulwesen, sagte die Abstellung vorhandener Uebelstände in liberaler Weise zu. Die Unterzeichner jener Petition könnten sich im Vertrauen auf diese Zusage mit den bisher unternommenen Schritten begnügen nnd ruhig deren weitere Folgen abwarten. Allein inzwischen wurde, da man die Wahrheit der vorgebrachten Beschwerden nicht leugnen und die Billigkeit der ausgesprochenen Wünsche nicht in Abrede ziehen konnte, der Versuch gemacht, das hier zu Tage getretene Bestreben zu verdächtigen und ihm völlig fremde Tendenzen anzudichten; ja man scheute sich nicht, von einer Gefährlichkeit dieses Vorgehens zu sprechen. Diese Verdächtigungen ließen eine nochmalige Prüfung und präcisere, jede Mißdeutung möglichst ausschließende Formulirung der vorgetragenen Bitten so rvünschenswerth erscheinen, daß sich am 6. Juni d. I. etwa fünfzig Israeliten ausdemNeckar- und Jaxtkreise in Hohenbuch bei Waldenburg zu diesem Behufs versammelten, welche folgende vierzehn Sätze als die Wünsche der gesetzestreuen Israeliten Württembergs aussprachen und die Unterzeichneten als