Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1865)
- Date
- 1865-02-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage z« Nr. 7 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. --- Österreichischer Kaiserstaat. B. Palota. (Zur Seminarfrage, von Singer, Rabbiner. Forts. ) II. Zwei sonderbare Winkelzüge werden dort versucht, um den Antagonismus der Orthodoxie gegen das Seminar in einer dem „B. CH." ganz eigenthümlichen Weise zu deduziren, welche, indem wir daraus eingehen wollten, unsere Seele tief erschüttern, und das Gefühl innerer Pietät wehmuthsvoll in Aufregung bringen würde. Zwei in naiver Frömmigkeit und unverlöschlicher Liebe zum Studium, von einer nunmehr zur Selbstvertheidigung auf Erden unsichtbaren Hand niedergeschriebene Responsen werden tragikomisch bei den Haaren herbeigezogen, uni der Perhorrescrrung des Seminars als Grundlage zu dienen Wir wollen zuvörderst den Manen des unsterb lichen Lehrers im Glaubensverbande Israels in tiefster Ehrfurcht Abbitte thun, daß mir die sein glorreiches Andenken verunglimpfenden Schmähungen einer in maßloser Kühnheit sich selbst überhebenden Neolologie, ohne Entrüstung und Indignation nachschreiben können. Hast du, lieber Leser! ihn nennen hören, den Namen des großen Mannes, welcher ein halbes Jahrhundert unermüdet mündlich unter vielen Tausenden von Schülern und schriftlich auch außerhalb Europas die Lehre unseres. Religionsgesetzes meisterhaft verbreitete, den Namen des weltberühmten Oberrabbiners zu Preßburg, Hagaon R-Moscheh Sopher ^"27? Von diesem Manne, der nie einen unlautern Gedanken gehegt, von dieser Zierde Israels behauptet nun „B. CH." zu seiner eigenen Schande, borribila dietu, daß jener Edle empörende Absurditäten niedergeschrieben habe! Und wie argumentirt er dieß? Nun, er weiset auf ein Auskunftsmittel, Chatam Sopher, Eben Haär ser II. 82 hin, welches, wie er meint, der Orthodoxie Furcht einjagt, daß die Zöglinge des Seminars zur Einsicht der Absurdität gelangen könnten, und daher die Maxime: Nur kein Seminar! Warum aber „B. CH.", als Ritter der historischen Innung, nicht lieber mit einem Sprunge in's Alterthum den Zeitraum von 6 Jahrhunderten durchrennend, das Andenken des hochgefeierten Nabbenu Tam ^>"7 heraufbeschworen, ihn als Träger wahlverwandtschaftlichen Idee des bedeuteten Auskunftmittels (siehe lirri-> 71"^ 'vv ^iri) an den Pranger stellt, um so zum folgerechten Schlüsse zu gelangen: die Orthodoxie fürchte, die Zöglinae eines Rabbiner-Seminars könnten zu der erbärmlichen Einsicht (!) gelangen, dei hochgefeierte Koryphäe unter den Baale Toßaphot müsse verhöhnt, verachtet und verspottet werden, weil sie Absurditäten gebrütet! Selbst Maimonides, welcher die Meinung des Rabbenu Tam nicht theilt, muß doch in Affinitätsbezichung eine Differenz zugeben, welche so wie die Distinktion n"D rnmpQ der Anschauungsweise des „B. CH." ebensowenig abmrd scheinen muß. *) Warum ist eben nun gerade '>"7 v"s7 zur Zielscheibe erkoren? Doch nicht, weil er das nicht im vulgären Sinne interpretirt! Dieß wäre eine gar sonderbare Zumuthung. Nun gewiß bloß darum, weil er schon im civilisirten 1t). Jahrhundert gelebt und den Anschauungen der Jetztzeit nahe gestanden. Wenn aber also nach den Principien des nur einigermaßen zeitgemäß eingerichteten Seminars der angehende Rabbiner bei halachrscher Entscheidung nicht Talmud und Commentatoren, sondern die jedesmalige Zeitrichtung consultiren und das im heiligen Boden unseres Neligionsgesetzes wurzelnde Resultat, weil es eben mit dem vermeintlichen Anftandsgefühle collidirt, als Absurdität verpönen muß. nach welchem G.undsatze die Neologie auch den in der heiligen Schrift vorgeschriebenen Chalizah-Act abzuschaffen beflissen ist,**) — wer sollte es dann der gesetzestreuen Orthodoxie noch verargen, daß sie in religiöser Scheu, mit aller Kraft und Anstrengung sich vereinigt, um das Heiligthum, die Unverletzlichkeit des geoffenbarten Religionsgesetzes, das altehrwürdige traditionelle Vermächtniß ihrer in Ewigkeit glanzumstrahlten Lehrer und Väter zu wahren, und darum unabläßlich in einem Athemzuge ruft und behauptet die Maxime: Nur kein Seminar k (Fortsetzung folgt.) Feuilleton. Oie Lon-oner Juden. Aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet von Hirsch Grünebaum. (Fortsetzung.) Herr Or. Gilbert fährt fort: Die Juden sind, weit entfernt davon, ein geiziges Volk zu sein, vielmehr freigebig und wohlthätig. Sie *) Uebrigens sind die Neologen auch hiebei bloße Nachtreter längst verschollener judenfeindlicher Expektorationen; nur mit dem Unterschiede, daß, was früher der Gehässigkeit zugeschrieben ward, nunmehr als Absurdität gestempelt wird, und während dort eine einfache 7IPN7V die Sache abthat, hier eine 77P17O rN'OQ involvirt ist. **) Welcher Maxime zufolge nicht nur das Auskunftsmittel, sondern sogar die ganze Abhandlung daselbst im O"n ein purer Unsinn wäre — Loe Istet. —