Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1865)
- Date
- 1865-02-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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und auch in der neuesten Aera wurde er nicht müde, politische Kombinationen zu spinnen und den Verkehr mhi Staatsmännern zu pflegen. Von seinen Schriften hat das meiste Aufsehen die kleine Broschüre unter dem Titel: ..Natürliche Finanzwirthschaft und ministerielle Verwirthschaftung" erregt, welche vor etwa vier Jahren erschienen ist. Levinstein war ein streng orthodoxer Jude. Im Privatleben zeigte er sich als ein eigenthümkicher Sonderling, ein wunderliches Gemisch von Charakterstärke und Weichherzigkeit, von Leidenschaftlichkeit und Religiosität. Was ihm aber trotz aller Stimmen der Feindschaft, des Neides und der Mißgunst ein dauerndes Andenken erhalten wird, das ist der Sinn für Wohlthun, den er bis an sein Lebensende bewährt und durch den er Hunderte und aber Hunderte beglückt hat. (Ger. Ztg.) Rußland. Wilna. Hier lebte vor ewigen Jahren ein armer Jude, Namens Simon, welchem man den Beinamen Kaftan gab, weil er nur einen einzigen Kaftan besaß den er 30 Jahre nach einander trug. Die ganze Nacht arbeitete er, um seinen Lebensunterhalt zu gewinnen, und den Tag verbrachte er damit, Almosen für die Armen zu sammeln Diese Almosen wußte er auf die geschickteste und passendste Weise anzubrrngen, und namentlich verstand er es, zu vermeiden, daß irgend einer durch seine Gabe beschämt wurde. Vüle arme Knaben, welche die Talmud-Tbora-Schule besuchten, wurden fast ganz von der Almosenkasse Simons erhalten. Dieser Mann wurde bald so wohl bekannt, daß selbst die christliche Bevölkerung WilruLs den lebhaftesten Antheil an ihm nahm. Man wünschte, das Andenken an ihn für kommende Geschlechter zu erhalten. Man ließ eine Photographie anserligen, die ihn darstellte, wie er in der einen Hand einen Büchse und in der andern Hand einen Laib Brod trug, denn so wurde er oft in den Straßen gesehen. Darauf ließ man nach dieser Photographie eine Statuette anfertigen, welche, als die Berlin perung von Menschenliebe und Selbstverleugnung, im Museum von Wilna aufgestellt wurde. Der bekannte polnische Dichter Horolyeski verfaßte ein Lobgedicht auf unsern Simon, welches in der Wilnaer Monatsschrift „Teka Wilneska" erschien. (I. C.) Der Adel der Provinz Kharkoff hat eine Petition an den Kaiser gesandt, in welcher derselbe für d^e Juden die Erlaubnis; erbittet, daß sich dieselben ungehindert in dem ganzen Gouvernement nieder la^en dürfen. Die Bittsteller erhoffen von der Erfüllung dieser Bitte viele Vortheile für die Provinz. Der Civilgouverneur Graf 'Sievers unterstützt seinerseits die Bitte des Adels, (E. I.) D o n a u f ü r st e n t h ü rn e r. Aus Bukarest, 25. v. M., wird berichtet, daß das Journal „Constitution" wegen eines Artikels gegen die Juden „auf Befehl des Fürsten Kusa" eine Verwarnung erhielt A s i e n. Jerusalem. Der „Lebanon" meldet das Hinscheiden eines hundertjährigen Greises, Rabbi Abdallah, Derselbe war aus Bagdad gebürtig und stammte von dem Fürsten der Gefangenschaft ab. Der „Lebanon" rühmt die Wohlthätigkeit und die Freigebigkeit des Verewigten gar sehr und beklagt, daß er nicht seiner Würde angemessen begraben und betrauert worden sei. Jerusalem. Die von uns in voriger Nummer erwähntetopographische Ausnahme von Jerusalem unter Lieutenant Wilson erfreut sich, wie Herr Ferguffon berichtet, des besten Fortgangs. Der Pascha gewährt den Arbeiten seinen vollständigen Schutz, so daß wir hoffen können, daß im nächsten Sommer die für die gesundheitlichen Verhältnisse so wichtige topographische Aufgabe vollendet sein wird. (I. Chr.) Jaffa. Hier wurde der Ueberrest eines ^Schiffes bei Erdardeitcn im Hofen gefunden. Tie Archvlogen glauben, daß dasselbe von einem israelitische Schiffe Herrühe. Diese biblische Reliquie ist nach London gebracht worden. (Athenäum.) Bombay. Eine große Versammlung von Kaufleuten, Banquiers und den übrigen vorzüglichen Einwohnern Bombay's wurde unlängst hier abgehalten; seine Excellenz, der Gouverneur, führte das Präsidium. Der verhandelte Gegenstand betraf die Errichtung eines Denkmals zu Ehren des verstorbenen Menschensreundes David Saffoon. .Das Ergebniß der Verhandlung ist in Europa noch nicht bekannt. (I. Chr.) Hierzu eiue Beilage. Verantwortliche Redaktion: Vr. Lehmann. — Verlag der Le R ou x'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellpreflendruck von I. Gottsleben in Main-.