Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1865)
- Date
- 1865-02-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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92 sind hochherzig, und im Allgemeinen in ihrer Gastfreundschaft die besten und edelsten Wirthe, die man nur antreffen kann. Ihre Gastfreundschaft gleicht durchaus nicht der modernen Form eines äinr a 1a Ru886) wo Wirth und Wirthin die Bedienung steif aussehenden Bedienten überlassen , die in demselben Tone Champagner anbieten, in welchem ein Verkäufer ein paar Handschuhe zu einem Leichenbegängniß offerirt. Die jüdischen Wirthe und Wirthinnen sind im Gegentheil die Gastfreundschaft selbst. Ihr Auge ruht halb auf dem Tische und halb auf den Gästen, und man kann ihnen keinen größeren Gefallen thun, als wieder bei ihnen einzukehren, um zu zeigen, daß man mit ihrer Behandlung zufrieden war und ihre Herzensgüte nicht verkannt hat, In seiner Mildthätigkeit ist dem Juden kein Opfer zu groß, ohne daß er dabei verschwenderisch wird. Der wohltätigste Einwohner unseres Landes ist unbestritien der Jude. Da herrscht so viel Gemeinsinn, Verschwiegenheit und Regelmäßigkeit in seinen Almosen, daß man ihn Allen zum Muster Vorhalten könnte, um zu zeigen wie die erhabene Tugend der Mildthätigkeit ausgeübt werden muß. Ich wiederhole, wenn man vielleicht glaubt, die Londoner Juden seien in ihrer häuslichen Ausgaben karg, daß gerade das gegentheil der Fall ist. Ihre größte Schwäche ist vielmehr eine allzugroße Neigung zum Prunke. Wir geben gern zu, daß man unter den Juden des West-End von London, der höheren Klasse, diesen Fehler selten bemerkt, aber bei dem kleineren Handelsstande und den ärmeren Klassen ist er außerordentlich vorherrschend Dieses Charakteristische der jüdischen Nation kann man besonders an ihrem Sabbath, in der Nähe der Stadttheile "Wllitsekspel, Nounä^äiteli und der kettiooat-Gasse in seiner größten Ausdehnung wahrnehmen. Es gibt kein bunteres Bild, als diese Leute in ihren Sabbatkleidern. Ihr Juwelenschmuck ist außerordentlich großartig und prangend, goldene Ketten von fabelhafter Schwere, mit kostbaren Steinen, deren Pracht uns jedoch ihre Aechtheit bezweifeln läßt, sind hier in großer Menge zu sehen. Folgt man einigen dieser übermäßig geputzten Personen in ihre Wohnung, so wird man finden, daß ein großer Theil derselben M den engsten und dürftigsten Lokalitäten wohnt. Wenn man sie vollends in der folgenden Woche während der Markttage in ihrer gewöhnlichen Kleidung erblickt, so wird man kaum die flitterhast angekleideten Personen, die vorigen Samstag eure Aufmerksamkeit erregten, wieder erkennen. l Ein in der jüdischen Lebensweise völlig Eingeweihter Beobachter, würde diese Wahrnehmung nur belobend anerkennen. Wenn wie Herr G. behauptet, Prunksucht, mithin auch Eitelkeit ein so großer Fehler der L. I. wäre, so müßte Herr Gilbert viel häufiger als jeden Samstag Gelegenheit geboten sein, diese Schwäche beobachten zu können. Bekanntlich ist es jedem Israeliten Pflicht, den Sabbat auf alle mögliche Weise vor den übrigen Wochentagen auszuzeichnen. Es gereicht uns daher zur größten Freude, wenn unsere Glaubensgenossen in der großen Weltstadt ihren religiösen Pflichten in so hervorragender Weise nachzukommen wissen.) (Forts, f.) NM Ny (Nach Inhalt, Reim und Rhythmus und gemäß der gewöhnlichen Sangesweise.) Von /T. Wie so schön und lieb bist Du in Köstlichkeit! Sabbath, Trost für alles Leid! Fleisch und Fisch steh'n Dir bereit, Stehen schon seit Hellem Tag. Frohes Herz von Abend bis zur Abendzeit! Kommst Du, Zeit der Lieblichkeit, Aller Juden Wonn' und Freud', Lösest Du von Müh' und Plag'. Lust Du selbst und Lust auch noch durch leck're Kost! Was dem Menschen lieblich winkt, Wein, der röthlick perlt und blinkt, Und noch mancher andere Most. Schaue zu und heil'ge ihn und weih' ihn ein! Denke sein beim Glase Wein, Geht's nicht, mag's beim Brode sein, Nie doch ihn durch Mißgunst kränk ')! Hüt' ihn wohl! von aller Arbreit frei und frank, Ob sie Stamm und ob sie Rank'! Gott bring' Lob und Lied zum Dank, . Ihn zu heil'gen eingedenk. — Wer da hält den Sabbathtag und nicht entweiht, Got vergibt ihm sein Vergeh'n, -) Den Erlöser wird er seh'n, Dem man seine Gabe weiht 3). — Zeugniß gab der Sabbathruh das Manna schon, Zeugniß gibt auch Sambatjon, Gleich dem auserwählten Sohn Haben beide Ruh und Rast. — Die sich müh'n und quälen ab fast Tag und Nacht, Werden durch Dich frei gemacht, Kleiden sich in Festespracht, Um zu ehren Dich als Gast. st Vergl. Schulchan Aruch Orach Chajim 167, 1 u. 274, 2. 2) Sabbat 118b. — st Jalkut Zes. 18. 7. —