Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1865)
- Date
- 1865-02-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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88 ines jungen Mannes zu entsprechen geeignet ist. Doch Herr Gnädig hat es an den Tag gelegt, daß er ein höheres Ideal kennt, daß das Gebot seines Gottes ihm hoch über aller Ehre und allem Vortheil steht! Derselbe hatte sogleich das Anerbieten abgelehnt, weil er es nicht mit seiner Pflicht der Sabbatruhe vereinigen konnte; nun wurde ihm zwar angeboten, daß er am Samstag von jeder Aktivität dispenfirt sein solle; wie es jedoch verlautet, hat Herr S. die Stelle dennoch nicht angenommen, da es sich ergab, daß er, wenn auch von eigentlicher Thätigkeit am Samstag befreit, doch nicht gänzlich an diesem Tage dort entbehrt werden könne. Möge dieses herrliche Beispiel die gebührende Beherzigung bei Jung und Alt finden! Schwer oft und gefahrvoll sind die Versuchungen, die in der Jetztzeit dem vorwärtsstrebenden jungen Mann entgegentreten. Es bietet sich ihm eine günstige Stellung und mit ihr die Aussicht auf ein gutes Fortkommen dar, bei der er jedoch die wichtigsten Interessen seiner Religion opfern muß, ohne diese aber malt sich ihm die Zukunft düster und trübe, und stellen sich nicht selten Entbehrungen, ja Noth versuchend ein! Wer wird es leugnen? — Die Versuchung tritt hier in der brennendsten Weise heran! Mögen aber Beispiele dieser Art, die Gottlob nicht vereinzelt stehen, zur Stärkung und Kräftigung in gottergebener Pflichttreue dienen! Möge die unsere Vater so hoch adelnde Gesinnungstüchtigkeit ihre Enkel in den Kämpfen der Gegenwart nicht verlassen! Denn traurig ist es und fluchwürdig, wenn andererseits Väter, die selbst die religiösen Observanzen bis auf den kleinsten Punkt beachten, bei dem ersten Schritt, mit dem sie ihren Sohn in das Leben einführen, in der Lehrzeit, bei der sie in der Wahl durch aus nicht so beschränkt sind, oft das religiöse Leben im Keim ersticken, indem sie die Sabbatruhe als Lehrgeld geben! Möge deren Gewissen, das in tiefen Schlaf gebannt sein muß, durch solche Beispiele wach gerufen werden, und mögen sie den beschränkten Blick ihrer zeitlichen Berechnung einem höheren, besseren Ziele zuwenden, zu ihrem und ihrer Kinder Heil! Mögen sie aber auch hievon lernen, daß sich mit dem Sabbat nicht mäkeln läßt, mögen sie die vielerhärtete Erfahrung beherzigen, daß, wenn nicht alle Beziehung zum Geschäft am Sabbat abgeschnitten ist, die Heilighaltung desselben gar bald schwindet, und daß 1212 ->2'.2 ist, daß man mit der Entweihung des Sabbat dem Judenthume den Rücken zuwendet, dann wird Vieles, Vieles besser werden und sich vor Aller Augen bewähren, was -Q-» 'S, der Mund Gottes verheißen hat. (Jes. 68.) .-O'2. Hamburg, den 0. Febr. Die Wahlen für den Liquidationsausschuß der Gemeinde sind recht befriedigend ausgefallen. Ueberhaupt zeigen die Ereignisse der jünsten Tage im Hamburger Gemeindeleben, wie viel von echt jüdischer'Gesinnung G. s. D. in Hamburg zu finden ist. Es ist das Programm derjenigen Partei durchgegangen, die, der Mehrzahl nach fromm, bei diesem Wahlact einen Compromiß der Orthodoxen mit dem Theil der Gemeinde, die den Tempel unterhält, für wünschcnswerth hält, und daher eine ganz kleine Minorität der Tempelpartei mit aufgestellt hat, die mit den Uebrigen vn Klve angenommen wurde. Den nächste Woche stattfindenden Repräsentantenwahlen ist eine weit größere Wichtigkeit beizumessen, weil diese Candidaten die Gemeindestatuten entwerfen sollen. Es ist daher der Unterschied der Parteien in größerer Schärfe zu Tage getreten. Die Compromißpartei hat sehr viel Aussicht auf Erfolg. Sie hat wieder ihr Programm derart entworfen, daß die Frommen die Majorität unter den 9 Candidaten erhalten sollen, zu denen sich dann noch zwei Mitglieder des Synagogenvorstandes, zwei des Tempels und zwei des Ärmencollegiums gesellen werden. Dieses Programm enthält auch die Namen zweier Gelehrten, Herrn Or. Esler und Or. Nathan, welcher letztere glücklicherweise fast von allen Parteien aufgestellt ist. Daneben hat sich nun jetzt eine entschiedenere Partei der Orthodoxen constituirt, die mit Recht in einer so heiligen, wichtigen Sache keine gefährliche Halbheit zulassen wollen. Es sind dieß vor Allem die Mitglieder der sehr bedeutenden, weitverzweigten Beerdigungsbrüderschaft r>-Qkr), deren Rechte von dem bisherigen Gemeindevorstande bedeutend beeinträchtigt wurden. Es ist sehr zu bedauern, daß das Programm dieser Herren darum nicht die entschiedene Unterstützung findet, weil die Furcht vor dem Austritt der Tempelpartei und dem dadurch möglicherweise eintretenden Zerfall des Armenwesens sehr Viele für das Programm der Compromißpartei bestimmt. Es ist wohl nicht mit Unrecht von sehr verständiger Seite hier bemerkt: man redet sich und den betreffenden Herren die Gefahr des Austritts so lange ein, bis letztere selbst daran glaube n und möglicherweise dann austreten. Die Aussicht dazu wäre rncht sehr groß, und die Gefahr des eventuellen Austritts für die humanen Institute nicht so bedeutend. Der größere Theil der Einnahmen der Gemeinde geht von dem religiösen Tyeile derselben ein, und die Armen würden auf keine Weise geschmälert werden. Allerdings wollen wir hiebei mit dem Urtheile vorsichtig sein und nicht verkennen, daß viele einsichtige fromme Männer, die sonst das Princip der Trennung von den Nichtreligiöfen unterstützt hätten, sich nach sorgfältiger Erwägung entschlossen haben, den möglichen schweren Nachtheilen einer energischen Haltung der Tempelpartei gegenüber auszuweichen.