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Der Israelit · 1865-02-15 · Heft 7 (15.2.1865) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 7 (15.2.1865)
Date
1865-02-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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86 Reisegefährten konnte sich Eränrieux den türkischen Beamten leicht verständlich machen. Munk ist Mitglied des isr. Centralconsistoriums, dessen Berichte und Abhandlungen er sämmtlich dictirt. Das Augenübcl Munks ist der unheilbare schwarze Staar; bereits im Jahre 1852 hatte er ein Auge vollständig verloren. Wenn man ihn jetzt sieht, wie er die Augen offen hält, so bemerkt man die Schwäche derselben nicht. Während er seinem Sekretär dictirt, nimmt er allein die nothwendigen Bücher aus seiner Tausende von Bänden zählenden Bibliothek, ohne sich je zu irren oder auch nur zu zögern. Der Erfolg des ersten Vortrages des seines Augenlichtes beraubten Professors war ein ungemein großer. Man bemerkte unter seinen Zuhörern Herrn Güinot, Generalsekretär der Academie der Wissenschaften, Stanislas Julien, Garcin de Taffy, de Hecqun, Sedillot und eine dichtgedrängte Menge anderer wissenschaftlicher Berühmtheiten. Man bemerkte vor Allen eine große Anzahl katholischer Priester und viele Rabbinen. Die Damen des Farrbourg St. Germarn, *) welche mit großer Aufmerksamkeit den öffentlichen Vorträgen anzuwohnen pflegen, hatten für diesen Tag die Vorträge des Herrn Lomeni über moderne Literatur verlassen, um den Worten Munks zu lauschen. Jeder Zuhörer ward für den Vortragenden durch die schöne Ausdrucksweise und die klare und elegante Auseinandersetzung dieses Improvisators eingenommen, der nicht wie Andere geschriebene Notizen zu Hilfe nehmen kann und der Alles in seinem wunderbaren Gedachtniß zusammenfassen muß. Munks äußere Erscheinung ist eine sehr würdige, er ist von großer Gestalt. Er ehrt die Wissenschaft und macht, daß man den Gelehrten liebgewinnt. Kann man noch an der Macht des Menschengeistes zweifeln, wenn man sieht, daß ein schwacher, des Augenlichts beraubter, im Finstern tappender Mann im Stande ist, durch die Kraft feines Forschergeistes die Geschichte seit Jahrhunderten verschwundener Sprachen, Staaten und Völker wieder aufzubauen?" Literarische Aoth. Apostag, 1. Febr. Die Klagen über Nichtbeachtung der Textes - Kritik bei neuern Editionen von Werken talmudischen Inhaltes beginnen allgemein zu werden; sie sind auch in der Dhat so begründet und gerecht, daß sie nicht genugsam wiederholt und betont werden können. So begegnete ich erst vor Kurzem in diesen Blättern einer ähnlichen Rüge gegen die Herausgeber der bekannten Wiener Talmud-Edition, der mau vollständig beipflichten muß. Es sei mir gestattet, unter andern eine Stelle in gedachter Ausgabe zu bezeichnen, die in ihrer vorliegenden Form ein Näthsel bietet, das jeder Lösung trotzt. In dem der Gemara beigedruckten p^i'? Ketuboth 46 a, Schlagwort TlQ'V Tlv'w tt'Nrr .->1 gegen Ende, find folgende Worte zu lesen: srd '2iv umv PP1P2 W21 871121 '^Tlp 2"p ^>"L 121 -UN mp 'O 1122 '"271 122. Die Entstellung dieses Passus, der übrigens der Hauptsache nach alteren Ausgaben entnommen ist, springt so sehr in die Augen, daß ich darüber kein Wort verlieren will. Die richtige Leseart muß folgendermaßen lauten: nrn -ö '2i> iv PP1P2 7>'21!-'i d"oi 8 711121 '),id 2"p 82 p /'O 1' 1122 ^27! 8'2!2N. Vielleicht wäre es kein undankbares Unternehmen, wenn eine geeignete Kraft die die Werke talmudischer Literatur betreffenden, in den verschiedenen jüdischen Zeitschriften zerstreueten Bemerkungen und Verbesserungen sammeln, prüfen und in einem eigenen Opus zusammenstellen möchte, um es den bezüglichen Druckern und Verlegern als Leitfaden an die Hand zu geben! Emanuel Basch, Bez.-Rabb. Zeitungsnachrichten «nd Correspondenzen. Deutschland. Stuttgart. Bei der Beeidigung des Bürgerausschusses sprach der neugewählte Obmann dieses Kollegiums der Stuttgarter Bürgerschaft gegenüber die Anerkennung aus, daß sie von dem Gesetze Gebrauch gemacht und einen Israeliten, Herrn Ad. Lern, zum Mitglied gewählt habe, und hofft, diesem Schritte werde allmählich eine Aussöhnung der Gegensätze folgen. Bei der Beeidigung lehnte Herr Levi das Emporheben der drei Schwurfinger „als Symbol der Dreifaltigkeit" ab und wurde ohne diese Form beeidigt. Es ist sehr erfreulich, daß Männer selbst dieser extrem religiösen Richtung wieder auf dem Standpunkte angelangt sind, der Religion ihre Huldigung zu bringen, wenigstens dann, wenn es sich um öffentliche Akte handelt. — Stuttgart, 25. Januar. Die Revision der israel. Kirch enverfassuug Württembergs zu erwirken, übergab heute eine Deputation derjenigen Israeliten, welche im Juni v. I. in Hohenbuch ver- *) Dort wohnt die höchste sranz. Aristokratie. — Sied. d. Isr.

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