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Der Israelit · 1865-02-15 · Heft 7 (15.2.1865) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 7 (15.2.1865)
Date
1865-02-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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64 In der Finsterniß, Welche sein Auge umhüllt, findet er die alten Sitten, die alten Dialekte, die verwitterten Reliquien uralter Zeiten wieder aich. W« kam es, daß dieser gelehrte, unermüdliche Arbeiter blind geworden? Es kam daher, daß er mit unermüdlichem Fleiße die Inschriften und Manuskripte erforschte, welche die uralten Generationen geschrieben haben. Herr Munk ist seit längerer Zeit einer der höheren Beamten der kaiserlichen Bibliothek. Er hat die Wissenschaft mit bemerkenswerthen Entdeckungen bereichert und hat in Bezug auf die Vergangenheit Geheimnisse aufgedeckt, welche für die Universalgeschichte von Wichtigkeit find. Aber wie man nicht ungestraft in die Sonne blickt, ebenso erforscht man nicht ohne Gefahr die Geheimnisse der Hieroglyphen. Damit beschäftigt, halberloschene Inschriften wiederherzustellen und den Sinn von bis dahin unverstandenen Worten und Sätzen aufzufinden, fühlte der gelehrte Erklärer, daß sein Auge sich umhüllte; er stand nicht stille auf seinem Wege, er setzte seine Bemühungen mit Begeisterung fort, mit jener edlen Leidenschaft, welche die wahren Künstler beseelt. Er gewann dabei einen wohlverdienten Ruf, erhielt den Orden der Ehrenlegion und einen Sitz in der Akademie der Wissenschaften; aber er verlor das Licht seiner Augen. — Nach diesem kurzen Abriß wird der Leser die allgemeine Sympathie erklärlich finden, die diesem Professor entgegengetragen wurde. Er verstand es, seine Vürträge in einer Weise zu beginnen, die ihm alle Herzen gewann. Herr Munk ist in Glogau in Schlesien geboren. Sein Geburtsschein, welcher die Jahreszahl 1805 trägt, macht ihn um 2 Jahre jünger; das kömmt daher, weil die Israeliten zu jener Zeit noch kein geordnetes Civilstandsregister besaßen. Zu 20 Jahren studirte er die orientalischen Sprachen; er hätte in Preußen Carrisre machen können, aber man verlangte von ihm, daß er seinen Glauben ändern solle. Um dem Glauben seiner Väter treu bleiben zu können, begab sich Munk nach Paris, wo er unter Sylvestre de Sacy, Burnouf und Quatremdre seine Studien fortsetzte; bald war er in Bezug auf Arabisch und Sanscrit eine der ersten Autoritäten. Im Jahre 1833 schrieb Munk sein erstes Buch, einen Commentar über den Kultus der alten Hebräer, welcher der Bibelübersetzung von Cahen angefügt wurde. Vm 1832—1836 schrieb Munck sehr beachten-« roerthe philosophische Artikel, welche in „ls ll'empd", einer von Jacques Coste redigirten täglich erscheinenden Zeitung, erschienen. Im Jahr 1836 veröffentlichte Munk im Journal der asiatischen Gesellschaft eine Notiz über Joseph Jdn Jehuda, einen Schüler des Maimomdes, welche in hohem Grade die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Im Jahr 1648 entzifferte Munk die phönizische JttsHlft von Marseilles. Diese war auf einem Steine in Unsrklärbaren Charakteren eingegraben. Die Gekehrten hatten bis dahin keinen Sinn darin finden können. Munk übersetzte die ganze Inschrift. Es mar ein Tarif für die Sühnopfer, welche in heidnischen Zeiten dargebracht wurden. Im Jahr 1850 wurde von der Akadamie der Wissenschaften die Schrift Munks: „lieber einige arabische Grammatiker des 10. und 11. Jahrhunderts" gekrönt. Er erhielt den Volney'schen Preis. Im Jahre 1856 entzifferte er die phönizische Inschrift des Sarkophages von Eschmun - Ezer, König von Sidon, der sich im Museum des Louvre befindet. Es war das eine überaus schwierige Aufgabe; die Worte sind nicht von einander getrennt; es gibt da keine Punkte, keine Lesezeichen; die Buchstaben laufen in ununterbrochener Reihe fort, und die Linien derselben gehen untereinander und durch einander fort. Man weiß nicht, wo das Wort, nicht wo der Gedanke, nicht wo der Satz aufhört. Munk, der um diese Zeit schon des Augenlichts beraubt war, ließ sich jeden Buchstaben und jedes Zeichen genau beschreiben!!! Und er übersetzte diese für die Geschichte so werthvolle Inschrift. Im Jahr 1856 veröffentlichte Munk den ersten Band der jüdischen und arabischen Philosophie, deren Urtext er in der Oxforder Bibliothek gesunden hatte. Der 2. Theil erschien 1861; der 3. Theil befindet sich unter der Presse. Im Jahr 1857 veröffentlichte er die franz. Uebersetzung zugleich mit dem arabischen Urtexte des „More Nebuchim" von Maimonides. *) Munk hat unterdeß 3 sehr bedeutende Kataloge für die kaiserliche Bibliothek verfaßt. Dafür und für seine Leistungen im Gebiete der paläographischen Wissenschaften wurde er am 15. August 1858 mit dem Orden der Ehrenlegion decorirt; am 9. December desselben Jahres wurde er zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften ernannt. Munk, welcher sein Vaterland verlassen hat, um seiner Religion treu zu bleiben, ist ein glühender Anhänger derselben. Als CrLmieux nach Damaskus reiste, um seine schwer verleumdeten Glaubensgenoffen dort zu vertheidigen, bedurfte er eines Dolmetschers. Munk verließ seine Familie und seine Beschäftigung und begleitete den berühmten Advokaten. Mit einem solchen *) Der arabische Urtext des Msre Nebuchim, welchen Munk in der kaiserliche» Bibliothek aufgefunden, war bis dcchin noch nicht aufgefunde« worden. Maimonides selbst hat seine» More in arabischer Sprache geschrieben, und die verbreitetste Uebersetzung desselben ist von Jbn Libbon. Red. d. Jsr.

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