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Der Israelit · 1865-02-08 · Heft 6 (8.2.1865) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 6 (8.2.1865)
Date
1865-02-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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79 deßhalb mit allen, ihr zu Gebote stehenden Mitteln dahin gestrebt, diesen Erwerbszweig der unteren Klasse durch beständigere und ehrenhaftere Beschäftigungen zu ersetzen Zu viesem Zwecke wurden Vereine gebildet, theils um die Beschäftigung der seitherigen Trödler möglichst zu überwachen, theils um ihnen vortheilhafte Kenntnisse beizubringen. Vorschußvereine entstanden, Tag- und Abendschulen wurden ins Leben gerufen, alle dahin strebend, das moralische Gefühl unter der Masse zu heben, und anderen Erwerbszweigen, welche Diejenigen, die dieselben ergreifen, weniger in Versuchung zu bringen geeignet sind, Eingang zu verschaffen. Die Abnahme dieses Kleinhandels, weit entfernt, eine Erscheinung zu sein, die bedauert zu werden verdient, ist vielmehr eine freudige, und kann diesen menschenfreundlichen Vereinen nur zur Aufmunterung dienen, in ihren seitherigen Bestrebungen für die Beförderung der Erziehung und der Verbreitung regelmäßiger Erwerbsquellen unter ihren Mitbrüdern muthig fortzuzufahren." Herr vr. G bespricht dann die Vermögensverhältnisse unserer Glaubensgenossen in England folgendermaßen: „Unter den vielen irrtümlichen Vorurteilen nn englischen Volke gegen seine jüdischen Mitbürger verdienen namentlich die Vorstellungen über deren Geiz einerseits und deren großen Reichthum andererseits hervorgehoben zu werden. Beide Begriffe jedoch sind unklar. Thatsache ist, daß viele Juden außerordentlich reich sind, aber als eine Gesammtheit sind sie nichts weniger als reich. Unter keiner anderen Bevölkerung irgend eines Landes begegnet man größeren Gegensätzen zwischen Armuth und Reichthum, als gerade unter dieser. (Hier zu Lande macht man sich dieselben Vorstellungen über das gesummte englische Volk. Gewiß ist, daß der reiche Handelsstand und die Rheder der City und anderer großer Städte Englands im Vergleiche zu den armen Fabrik- und Grubenarbeitern — die ihre unerzogenen Kinder schon in frühester Jugend zu anhaltender Arbeit anhalten und diese armen Geschöpfe selbst der Schule entziehen müssen, nur um ihr kärgliches Brod verdienen zu können — die größten Extreme bilden, die man sich nur denken kann. Der vermögende Mittelstand fehlt fast gänzlich.) Einige hundert Familien unter ihnen besitzen enorme Reichthümer, und zwar in so großem Maßstabe, daß sie wahrscheinlich zu der Redensart „so reich wie ein Jude" Anlaß gegeben haben; die Acten der Erbentscheidungs-Gerichte beweisen jedoch zur Genüge, daß nur wenige aus dem Mittelstände Vermögen besitzen. Größere Einschränkungen und drückendere Armuth als unter den ärmeren Klaffen kann man sich jedoch kaum vorstellen. Es scheint sicher zu sein, daß dem Juden eine besondere Vorliebe für das Geld angeboren (?) ist, doch nur selten zeigt er das Streben, dasselbe zusammenzuscharren. Gerade das Gegentheil scheint vielmehr seine Eigenheit zu fein, denn er ist viel freigebiger, als nran glauben sollte. Es ist wahr, er handelt und feilscht hartnäckig und anhaltend, und sucht seinen Gewinn auf das Höchste zu bringen; er thut dieses jedoch mehr, um denselben nachher wieder zu verausgaben, als um ihn anzuhäufen So sah ich unlängst einen angesehenen Israeliten, dessen Freigebigkeit fast sprichwörtlich geworden, und dessen Hand stets den Armen und Dürftigen geöffnet ist, über einen außerordentlich geringfügigen Gegenstand in einer Handelsangelegenheit vor Gericht in Unterhandlung. Der Ankläger erklärte, daß der Betrag der streitigen Summe auch nicht einen Schilling mehr ausmache, als die Kosten der ihm Seitens des Israeliten dargebotenen Gastfreundschaft bei seinen Geschäftsvisiten. (Fortsetzung folgt.) Mahräm Mersthenburg. Von (Schluß.) 3. Zu Worms am Rhein, da wohnte Ein reicher, frommer Mann, Mit Namen Alexander, Der Gutes viel gethan. Er lebte still bescheiden, War alt und wohlbetagt, Doch war der letzte Segen Dem guten Mann versagt. Da sprach er Gott ergeben: „Ich habe ja kein Kind, Das segnend mein gedenke. Wenn hin die Tage sind: So will ich denn mir säen Noch Eine fromme Saat, Will alt' mein Gut verwenden Auf Eine gute Thal." „Noch liegt er unbegraben Der heil'ge Gottesmann, Liegt noch auf off'ner Erde, Wie lebend angethan! Vielleicht daß ich Willfahrung Beim Fürsten jetzo find', Da, ach, schon vierzehn Jahre Seitdem verflossen sind!" „Vielleicht daß Gott mir gönnet, Was jenen ward versagt, Weil sie wohl nur zum Frevel Sich an den Mann gewagt.

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