Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1865)
- Date
- 1865-02-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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80 Ich komm in frommer Absicht, In Gottes Namen hin, Ich darf ihn wohl berühren Mit ehrfurchtsvollem Sinn." — Und als er nun erhalten Durch Geld und bittend Wort, Daß er die heil'gen Reste Darf führen alle fort, Daß er sie darf begraben, An welchem Ort er woll', Da freute sich der Alte, Daß ihm die Thräne quoll. Und als er nun den Schlüssel Zur Kerkerpfort' erhielt, Ließ er Gewänder machen, So wie's der Brauch befiehlt, Und einen neuen Wagen, Und einen neuen Schrein, Und einen neuen Sack auch, Den Staub zu sammeln ein. Und bei lebendigem Leibe Läßt rein'gen sich der Mann, Legt unter seinen Kleidern Die Sterbekleider an. Kann sein, daß ihn auch treffe Das Loos der ersten Zwei, Daß selbst für seine Hände Der Mann zu heilig sei. Und wieder steht die Menge Gedrängt, erwartungsvoll, Ob, was der Christ nicht durfte, Der Jude leisten soll. Der Mann mit seinen Leuten, Die er sich mitgebracht, Er hat des Kerkers Pforte Schon glücklich aufgemacht. Er tritt hinein und betet, Mit tiefgebeugtem Haupt, Und danket seinem Gotte, Daß dieses ihm erlaubt. Er naht mit heil'gem Schauer, Ergreift den Gottesmann, Der selbst in seinem Tode Den Himmel sich gewann. Und mit dem Sack, dem neuen, Umhüllt er die Gebein, Und sammelt auch die Erde, Den Staub umher hinein. Und legt ihn ist die Lade, Und macht sofort sie zu, Verschließt sie mit dem Deckel Und spricht: „In Frieden ruh!" Und bringt sie auf den Wagen, Und kehrt sogleich zurück, Und holt die Bücher alle, Den Pult und jedes Stück. Und überschaut noch Ein Mal Den einst so heil'gen Ort, Wo Tag und Nacht geforschet Der Mann in Gottes Wort. Er fährt nun fort in Frieden, Es weicht ihm aus die Meng'; In ehrfurchtsvoller Stille Verhütet sie Gedräng'. Und glücklich auch gelangt er Nach Worms, der-Stadt am Rhein, Und thut daselbst den Rabbi Zu seinen Brüdern ein. Und läßt aufs Grab ihm setzen Den schönsten Leichenstein, Und was ihm widerfahren Ausführlich graben ein. Wie er gelebt, gestrebet, Den Himmel sich erwarb, Wie er ergriffen worden Und im Gefängniß starb. Wie lang' er da gelegen, Verlassen und allein, Und wie es endlich glückte, Den Leichnam zu befrei'n. Dieß all schrieb Alexander Für künft'ge Zeiten auf, Doch setzt' er seinen Namen Bescheiden nicht darauf*). Allein es gab der Fromme Vor seiner Todesstund', Die bald darauf erfolgte, Den Wunsch den Seinen kund, Daß man ein Grab ihm gebe Dicht an des Mannes Seit', Den er mit Gottes Hülfe Aus fremder Hand befreit. Und als er drauf gestorben, Noch in demselben Jahr, Da folgte die Gemeinde Auch seiner Todtenbahr'. Und ließ auch ihm nun setzen Den schönsten Leichenstein, Und ließ darauf ihm graben Auch seine Thaten ein. *) Als Tag der Gefangennehmung ist angegeben der 4. Thamus 5046 (1286), als Todestag der 19. Jjar 5053. — Alexanders Familiennamen soll Honig oder Honek gewesen sein.