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Der Israelit · 1865-02-08 · Heft 6 (8.2.1865) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 6 (8.2.1865)
Date
1865-02-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zu Nr. K des Israelit. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Italien. Nom. Unter den tausend Beschränkungen, durch welche die hiesigen Juden zu leiden haben, ist diejenige keine der geringsten, welche den Judm verbietet, außerhalb des Ghetto Läden oder Magazine zu halten. Manche Juden Helsen sich mitunter dadurch, daß sie Christen vorschiebm, welche dann als Inhaber der Läden gelten. Im Monate Dezember kamen zwei solcher Fälle zur Kunde der Polizei, worauf beide Läden binnen einer halben Stunde geschlossen werden mußten. (Arch. Jsr.) Frankreich. Nizza, im Januar. Viele unserer Glaubensgenoffen, reiche und arme, kommen hierher, theils aus Gesundheitsrücksichten, theils um den Winter hier zuzubringen; wir empfangen Alle ohne Unterschied mit gleicher Herzlichkeit; allein wir sehen keinen unserer fremden Glaubensgenossen während der ganzen Saison in unserer Synagoge; nur wenn einem von ihnen ein Unglück passirt, erfahren wir, daß er ein Jsraelite ist. Es ist das sehr schmerzlich, allein es ist so. Die vorige Woche benachrichtigte mich der russische Consul, daß ein polnischer Israelit im Spitale gestorben sei; er war einige Tage vorher eingetreten und halte erklärt, daß er Protestant sei. Schon sollte er nach dem protestantischen Friedhofe gebracht werden, als man auf dem russischen Consulate bemerkte, daß in seinem Paffe die jüdische Religion angegeben war. In seinem Reisesack fand man alsdann auch seine Tephillin und an seinem Körper das Bundeszeichen, worauf ich ihn auf unserm Friedhof bei- , setzen ließ. Das bei dieser Gelegenheit bewiesene! zuvorkommende und tolerante Betragen der Hospital- Direktion kann ich nur rühmend anerkennen. Warum war dieser unglückliche junge Mann ohne Hilfe und Unterstützung seiner Glaubensgenossen gestorben? Weil er sich fürchtete, zu gestehen daß er Israelit war. Er wußte vielleicht nicht, daß in Frankreich die Beamten eines katholischen Hospitals ebenso, wie die barmherzigen Schwestern ihre edle Aufgabe gegen alle Menschen, gleichviel welches Bekenntnisses mit gleicher Sorgfalt erfüllen. Am 1. Januar starb hier ein junger Deutscher; dieser starb nicht im Hospital; er war vielmehr von seiner Familie umgeben, die den Stand der Krankheit sehr wohl kannte. Aber man ließ weder den Rabbiner, noch den Vorsänger zu dem Kranken, und erst am andern Tage entschlossen sich die Ettern des Verstorbenen, den Leichnam der jüdischen Beerdigungsbrüderschaft zur Erfüllung der letzten Pflichten zu übergeben. Solche Leute sind ein Schandfleck für uns, die wir stolz darauf sind, dem Volke Gottes anzugehören. Ed. Museal. (Arch. Jsr.) Asien. Jerusalem. Sir Henry James berichtet, daß Kapitän Wilson, welcher mit andern englischen Ingenieuren jetzt die Aufnahme von Jerusalem besorgt, ein Gewölbe in der Tempelstraße, welche bereits von Josephus erwähnt wird, entdeckt habe. Das Gewölbe soll 50 Fuß im Durchmesser haben und sich in dem besterhaltenen Zustande befinden. Man vermuthet, daß dasselbe von Herodes erbaut worden sei. Man kann daraus ermessen, wie viel Schutt in Jerusalem aufgehäuft ist, da ganze Gebäude von demselben bedeckt sind. Das alte Jerusalem liegt in Trümmern begraben, und wer es kennen lernen will, muß die Trümmer Hinwegräumen. Jsmir, den 9. Kißlew. Hier brach neulich ein Streit aus zwischen den Israeliten und den türkischen Beamten. Die Juden haben nämlich von Alters her einen alten Friedhof; diesen wollten die Türken verkaufen, um Häuser und Gärten darauf anzulegen; sie behaupten nämlich, es sei dort niemals Jemand begraben worden. Die Juden machten jedoch auf die noch dort befindlichen Grabsteine und die darunter befindlichen Gebeine aufmerksam. Das verdroß die Türken gar sehr. Der türkische Beamte schalt auf! die Juden und nannte sie „Giputis," d. i. ein unübersetzbares Schimpfwort. Als sich die Juden hierüber beklagten und sich darauf beriefen, daß der Sultan alle feine Unterthanen gleich behandelt wissen wolle, entschuldigte sich der Beamte zwar wegen des Schimpfwortes. Er sei einmal gewohnt, alle Juden mit diesem Schimpfworte zu bezeichnen, ohne, daß er sich etwas Arges dabei denke. (Man sieht, es geht in Jsmir gerade so zu, wie in Hessen-Cassel); allein in der Hauptsache gab er nicht nach und beharrte dabei, daß auf dem alten Friedhofe Häuser gebaut werden sollen. Wir haben uns nun an die ällisries wi'selits uuivsrbelle gewandt, damit durch deren Vermittlung in den alten Grundbüchern nachgeschla- , gen werde, aus denen sich mit Bestimmtheit ergeben! muß, daß der in Rede stehende Platz Eigenthum der , jüdischen Gemeinde ist. (Lebanon.)

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