Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1865)
- Date
- 1865-02-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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75 Niederlande. Haag, im Januar. Die jüngsten Vorgänge in Rom, den Knaben Coen betreffend, haben eine Discussion in der hiesigen Kammer hervorgerufen. Man hatte in der Sitzung der 2. Kammer die Regierung interpellier, ob sie zu Gunsten des jungen, seinen Eltern geraubten Co6n in Rom Schritte gethan habe. Der Minister antwortete, daß man diese Angelegenheit allerdings in Erwägung gezogen habe, daß Man aber nach reiflicher Ueberlegung, zumal, da die Schritte der niederländischen Regierung in der Mortara-Affaire völlig erfolglos gewesen, geglaubt habe, in Bezug auf-die religiösen Angelegenheiten der päbstlichen Regierung nicht interveniren zu dürfen. Diese Erklärung wurde in der Kammer mißbilligt. Der Abgeordnete Herr Baron von Lynden sprach offen seine Mißbilligung aus. Herr Baron von Meemstra stellte den Antrag, die niederländische Gesandtschaft in Rom aufzuheben. Die niederländische Gesandtschaft in Rom habe keinen Zweck, wenn sie nicht dazu bestimmt sei, die höchsten Interessen der Civilisation zu vertreten. Es handele sich hier nicht blos um eine religiöse Angelegenheit, es handele sich um die Rechte der Familie. In einem Staate, mit welchem die niederländische Nation in diplomatischem Verkehre stehe, dürsten solche Gewaltacte, wie die gegen Mortara und Coön, nicht Vorkommen. Herr Baron von Biberstein behauptete darauf, auch in Hospitälern von Amsterdam habe man schon versucht, junge Israeliten zum Christenthum zu bekehren. Herr von Meemstra bestreitet die Wahrheit dieses Factums. „Uebrigens," fügt er hinzu, „sollte etwas Derartiges geschehen, so brauche man ja nur die Behörden davon zu benachrichtigen, die dann schon einschreiten würden." Herr von Biberstein ruft zur Bestätigung seiner Angabe den Abgeordneten Herrn Godefroi (Israelit) zum Zeugen auf. (Schluß f) (Arch. Jsr.) Frankreich. Paris. Gegenwärtig macht die amerikanische Schriftstellerin «nd Schauspielerin, Miß Ada Jsaac Menken, sehr viel von sich reden. Dieselbe hat im vorigen Jahr in Kalifornien 60 Vorstellungen, jede zu 500 Dollar, gegeben, welche ihr — in einem Zeitraum von 6 Monaten — 75000 fl. einbrachten. In San Franzisco ist sie dreißigmal nach einander aufgetreten, mit Ausnahme des Kolnidre-Abends, welchen sie in einem orthodoxen Minjan zubrachte, denn Fräulein oder vielmehr Frau Menken ist manchmal (I) sehr fromm. Dieselbe hat bereits drei Männer gehabt; der erste, Herr Menken, dessen Namen sie jetzt wieder führt, war ein Kaufmann in Cincinnati; sie ließ sich von ihm scheiden, um sich mit dem berühmten Boxer Henan zu verbinden; auch diesen verließ sie wieder, um einen Schriftsteller zu heirathen, welcher unter dem Pseudonym Orpheus C. Kerr bekannt ist; auch diesen hat sie bereits wieder verlassen. Frau Menken besitzt wirklich ein großes Talent, sie schwärmt für Juden und Judenthum. Schade, daß ihre vernachlässigte Erziehung sie in Bahnen trieb, die weder ihr, noch uns zum Ruhme gereichen, Paris. Sie haben unlängst berichtet, daß die „Arch. Jsr." eine Sammlung veranstalten wollten, um die Auswanderung der Israeliten aus Rom, zu ermöglichen. Ein Herr M. E. I. Henriques von Cura^ao hat nunmehr zu diesem Zwecke dem Redakteur der „Arch. Jsr" ^ON) Frs. übersandt. Wir glauben dennoch nicht, daß dieser Plan irgendwie Aussicht auf Erfolg hat. — Nach einer hier einMtroffenen Depesche hat der Fürst Couza bei Eröffnung der Kammer erklärt, daß er seine Regierung beauftragt habe, alle Maßregeln zu ergreifen, die dazu dienen können, die vollständige Emancipation der rumänischen Israeliten zu beschleunigen. — Unter den von <ie 8aule^ aus Palästina hierhergebrachten Leichensteinen, figurirt auch einer von einer Frau Rahel, Tochter des Rabbi Isaak Manbarob, welche Dinstag, den 17. Thebet 5563 (1823) starb. Die Inschrift enthält weiter Nichts, als die erwähnten Namen und die Jahreszahl. Mit Recht fragt jeder Besucher des Louvre erstaunt, was dieser Leichenstein einer unbekannten Frau, der 42 Jahre alt ist, für Wichtigkeit hat, daß er die weite Reise machen mußte, um in Paris im Museum eine Stelle zu finden Wer weiß, wofür Herr cks 8au1o^ diesen Leichensteiu angesehen hat und welcher jüdischen Königin er denselben vindizirt. (Bekanntlich hat Herr äs 8auIo^ die jüdischen Gräber mit Gewalt erbrochen und den kolossalen Sarkophag einer angeblichen jüdischen Königin zertrümmern und nach Europa bringen lassen. — Kaiser Napoleon III. wird nächstens die von ihm verfaßte Geschichte Julius Cäsars herausgeben. Ein junger Mann aus Triest, Namens Angelo Carroli, welcher an der Universität zu Wien ftudirt, hat in der kaiserlichen Hofbibliothek verschiedene, auf die römische Geschichte Bezug habende, unedirte Dokumente aufgefunden und unter diesen mehrere, von denen er glaubte, daß sie dem kaiserlichen Schriftsteller von Nutzen sein könnten. Er hat in Folge dessen 90 Manuscripte, von denen einige von besonderer Wichtigkeit sich auf eine in Gallien gelieferte Schlacht und auf eine Krankheit Cäsars beziehen, copirt und die Copien nach Paris gesandt. Vor einiger Zeit nun hat Herr Carroli (ein jüdischer Glaubensgenosse) durch tue französische Gesandtschaft in Wien eine Danksagung des Kaisers und zugleich Versprechungen für die Zukunft erhalten. (Nach d.Ärch.Jsr.)