Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1865)
- Date
- 1865-02-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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74 sehr gering und deren Besoldung oft so schwach ist, daß dieselbe kaum zur Erhaltung der Familie hinreicht), eine Unterstützungscasse für jüdische Lehrer- Wittwen und Waisen zu gründen, und werden die Begüterten ganz besonders in diesem Streben die Anforderung an sie selbst erkennen, diesen wenigen Lehrern durch Zuweisung von Gaben zu Hilfe zu eilen, damit diese das erforderliche Grund-Capital von 6000 Thlrn. bald besitzen und es möglich werde, schon nächstens Unterstützungen austheilen zu können. Die k. Regierung hat die Statuten genehmigt und sie überwacht das ganze Institut, damit die einlaufenden Gelder gehörig verrechnet und verwandt werden. (K. Z.) Oesterreichischer Kaiserstaat. B. Palota. (Zur Semrnarfrage, von Singer, Rabbiner.) Die Rabbinerseminarfrage in Ungarn dürfte bereits in ein solches Stadium gelangt sein, wo jede Diskussion entweder höchst unnöthig, oder unnütz; doch hat die Behandlung eine solch umfangreiche Ausdehnung gewonnen, daß zur Abwehr mancher Mißdeutung und zur Behelligung des wenn auch nicht immer im Ausdrucke, doch im innern Bewußtsein stets einheitlichen Gefühles der Orthodoxie folgende Auffassung Nicht überflüssig scheinen mag. I. Der Cauialnexus der sich ablösenden Erscheinungen, die Verkettung von Ursache und Folge im Bereiche der großen Natur scheint oft so dunkel und verworren, daß deren Enträthselung erst einer seltenen Beobachtungsgabe oder einem besondern Zufalle 8i lieet äietu Vorbehalten bleibt. Die Ausführung des edirten Elaborates der Rabbinercommission als Entwurfes zur Errichtung einer Rabbinerschule im Königreiche Ungarn scheint mit der Frage über das wirkliche Zustandekommen des Seminars auch derart verwebt, daß es eben zu den nicht geringen Problemen.gehört, in der gegenseitigen Bedingung Ursache und Folge herauszufinden. Nicht so sehr der innere Gehalt des Elaborates, nicht die eingeschlagene Richtung des plus und mivu8 der Lehrfächer und Disciplinen wären eben Hauptgegenstände der Beanstandung; hierin ließe sich alsbald abhelfen; es soll vielmehr a priori der unverzeihliche Fehler gerügt werden, daß die beratende Commission ohne unmittelbare Mitwirkung der angesehenen Häupter der Orthodoxie sich in dieser hochwichtigen Angelegenheit als beschlußfähig und competent bedünkt hatte. Nun ist aber diese Zumuthung nicht nur dem echtorthodoxen Judenthume, welches die unbefangene Aufnahme der ersprießlichen Wahrheit, von welcher Seite sie immer stammt, direkt und unbedingt, anempfiehlt, ganz fremd; sondern sie ist auch in der That mit dem ge wiegten Charakter jener ehrwürdigen rabbinischen Autoritäten, welche an die Spitze der Opposition getreten, durchaus unvereinbar, um etwa Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Es gab wohl die von der Rabbinercomission an die Spitze des Elaborates hingestellte unbezweifelte Voraussetzung des vorhandenen Bedürfnisses, nach einer Anstalt zur Heranbildung von tüchtigen, ihrem Berufe entsprechenden Rabbinern in Ungarn, Veranlassung zum Aerger und Mißtrauen; doch wenn wir erwägen, daß vor zwei Jahren schon, bei Eröffnung einer vielversprechenden Combination, das Thema einer systematisirten Rabbiner-Schule, in diesem entschiedenen Organe für orthodoxe Interessen, mit Nachdruck hervorgehoben und einer vielseitigen Behandlung unterzogen worden, ohne daß von irgend einer Seite faktisch Gegenbemerkungen aufgetaucht, so war die Rabbinercommission ganz in ihrem Rechte mit der Annahme des Bedürfnisses emer Rabbiner-Schule auch der Orthodoxie das Wort sprechen zu können. Auch ist die Umsicht der berathenden Rabbiner- Commission nicht zu verkennen, daß sie mit dem Zugeständnisse, auch fernerhin Talmudschulen behalten und Rabbinerbefähigungszeugnisse erlheilen zu dürfen, von vornherein das herkömmliche Recht der Gemeinderabbiner unangetastet läßt. Und wenn diese Vorsichtsmaßregel doch von Seite der Orthodoxie als nicht genügend und nicht befriedigend unberücksichtiget geblieben, so daß die angesehensten Rabbinen Ungarns vereint gegen das Projekt eines Seminars sich erhoben, und ihren Protest vor die Stufen des erhabenen Thrones unseres glorreichen Monarchen gebracht: so dürfte doch der Grund am Wenigsten in beleidigter Ehrsucht oder neidischer Nivalisirung zu suchen sein. Die Ursache der Negation hat ihre ganz reale Motivirung und muß nur tiefer liegend gesucht werden. Und wer sollte es glauben, dem von seinen Dreifuß aus Alles zu bemeistern sich bestrebenden delphischen Orakelspruche des „B. Chan." mußte es Vorbehalten bleiben, das Gebühren der Orthodoxie bei der Seminarfrage erst recht in klaren Umrissen darzustellen. Ja, diese Zeitschrift, welche in prophetischer Begeisterung selbst noch kaum gehegten Gedanken orthodoxer Capazitäten mit Bereitwilligkeit in Form des Briefstiels zum Abdrucke die Spalten öffnet; dieses Organ, welches in Nr. 48 mit der Einladung zur Pränumeration auf den achten Jahrgang, ohne Scheu die Erklärung hinschreibt: „Aber auch die Orthodoxen hatten noch niemals Ursache, sich über Parteilichkeit von unserer Seite zu beklagen" — dieses Organ läßt dieselben eben jetzt erfahren, wie sehr „B. CH." bereit ist, auch ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen; derselbe war nämlich in der wunderherrlichen Beilage zu Nr. 44 so freundlich, den geheimnißvollen Schleier zu lüften und die innern Gefühle der Orthodoxie unumwunden zu enthüllen. (Fortsetzung folgt.)