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Der Israelit · 1865-02-08 · Heft 6 (8.2.1865) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 6 (8.2.1865)
Date
1865-02-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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71 daß ein entsprechender Raum für die später eventuell anzubringende Orgel refervirt bliebe. Daß ihre Einführung damals einer starken Opposition gegenüber eine Unmöglichkeit war, wußte man wohl, und als im Jahre 1836 der selige Romann Landrabbiner wurde, war dieser Punkt beseitigt. Auch nach dem Tode Romanns v"rri, im I. 1842, hatte die Gemeinde so viel Pietät, keine wesentlichen Neuerungen bis zur Bestallung eines andern Rabbinen vorzunehmen. Herr Adler sprach sich in den ersten Jahren nach seinem Amtsantritt — wie wir in unseren früheren Referaten hervorgehoben — nicht officiell aus, ob er eine Orgel für zulässig hielte oder umgekehrt. Allein privatim hat er sich mehrfach dafür ausgesprochen, und indirekt wenigstens dazu aufgemuntert, daß das Verlangen nach einer Orgel in unserer Gemeinde lauter wurde und bald mehr und mehr in den Vordergrund trat. (Forts, f.) B. M. Aus Kurhefsen (Provinz Niederheflen). Der Correspondent Ihres geschätzten Blattes aus Cassel bringt Ihnen nur Nachrichten aus dieser Stadt, während er das Innere unseres Landes ganz unberücksichtigt läßt. Ich erlaube mir daher, den Lesern dieses Blattes ein Bild von den religiösen Zuständen unserer Provinz zu entwerfen. Es wird dieß nun freilich kein sehr erfreuliches sein, denn viele unserer Gemeinden zeichnen sich nur durch religiösen Jndifferentismus oder durch stupide Nachahmungssucht aus. Die Ursache dieses Nebels wird nicht schwer zu finden sein, wenn man bedenkt, daß 5 Kreise unserer Provinz schon seit , geraum er Zeit der Leitung eines Rabbiners entbehren, und auch selbst von manchen Seelsorgern die-Neuerungssucht begünstigt wird. Wenden wir unfern Blick hingegen nach den Kreisen Fritzlar und Melsungen, so sehen wir ein schon erfreulicheres Gemälde sich vor unseren Augen aufrollen, denn diese beiden Kreise stehen unter der Führung eines wahrhaft frommen und gottesfürchtigen Mannes, unter der des Kreisrabbinen Wetzlar zu Gudensberg, welcher nun schon seit ca. 35 Jahren mit seltener Berufsthätigkeit und Aufopferung dahin strebt, in seinem Wirkungskreise wahres Judenthum und aufrichtige Gottesfurcht zu fördern. So hat er schon seit vielen Jahren eine ziemlich beträchtliche Anzahl Schüler um sich versammelt, welche er in die Gefilde der Thora einsührt, und sie mit liebenswürdiger Freundlichkeit, oft mit Hintansetzung seiner eignen Interessen, in ihrem Streben unterstützt; Besonders erfreut sich Gudensberg in Folge seines frommen Eifers eines sehr regen gottesfürchtigen Sinnes. Während z. B. in sehr vielen anderen Gemeinden nur am Sabbat das Gotteshaus geöffnet wird, wird hier täglich Morgens und Abends durch ordnungsvollen Gottesdienst Gott yerherrlicht, trotzdem die Gemeinde nur aus ca. 34 Familien besteht. Neben diesen beiden Grundpfeilern des Judenthums .nui ist auch der dritte nicht ohne Pflege geblieben. So bestehen hier unter der Leitung des Rabbiners drei Chebrot, welche ki") sich zur Aufgabe gemacht haben, und die ihrem Zwecke durchaus entsprechen. Als Gegenstück hiezu muß ich nun die fast ebenso zahlreiche Gemeinde Bebra, im Kreise Rothenburg, anführen. Hier hält man es für Bildung und Aufklärung, wenn man alles Jüdische verlacht und verhöhnt. Demzufolge wurden bei der im vorigen Jahre stattgehabten Renovation der Synagoge die die Frauengallerie umgebenden Schranken abgerissen, und es ist wahrhaft empörend zu sehen, wie nun die Frauen mit den Männern im Gotteshause correspondiren und coquetliren. Hier könnte man ausrufen: rixr '2 'iLN 021 ooi'2! Hoffen wir, daß bei der demnächstigen Besetzung des Nabbinats zu Rotenburg auf einen Mann Rücksicht genommen werde, der nicht einreißen, sondern aufbauen kann und will! A. L. Ulm (Württemberg). Die Hydra der Irreligiosität erhebt in unserem Vaterlande wieder so ungenirt ihr Haupt, daß die Orthodoxie ihre herkulische Arbeit, das Ungeheuer zu erlegen oder mindestens ihrer Verbreitung einen Damm entgegenzuhalten, bald da, bald dort wieder aufnehmen muß. Die Laster, die man bis jetzt den Zeloten vorgeworfen hat, Fanatismus und Intoleranz, sind ganz in bas Lager der Religionslosigkeit übergesiedelt, wo dieser die Majorität sich zugewendet hat. Hören Sie ein Beispiel des Gewissenszwanges, der sich mit niedriger Sparsamkeit entschuldigen will, die doch „vornehmen Leuten" so schlecht ansteht. — In Ulm, am Donaustrom, wohnen 60- 70 nur wohlhabende isr. Familien seit etwa einem Decennium ohne ein rituelles Frauenbad. Ein aus Bayern dahin übergesiedelter Israelit petitionirt seit Jahren vergeblich bei dem isr. Kirchenvorsteheramt um Einrichtung einer solchen .iip2, die er inzwischen, um seiner Pflicht zu genügen, auf eigene, ca. 200 fl. betragende Kosten hat Herstellen lasten. Auf die durch Vermittelung des zuständigen Rabbinats Laupheim eingereichte Beschwerde des Petenten hat die den Lesern d. Bl. wohlbekannte israel. Oberkirchenbehörde, ä. ä. 19. Sept. v. I., zu erkennen gegeben, „daß unter den obwaltenden Umständen, nach welchen die in Ulm vorhandenen Quell- und Flußwasserbäder den Bedürfnissen und dem religiösen Bewußtsein der Gemeinde mit Ausnahme des I. St. genügen, auch von keiner andern Seite als von diesem ein Antrag auf Errichtung eines andern Frauenbades gestellt worden ist, man Bedenken (!) tragen muß, das Kirchenvorsteheramt anzuhalten, zu dem besagten Zwecke einen nicht unerheblichen Aufwand zu machen." Zu dieser Entscheidung einer Kirchen- (d.h wohl Religions-) Behörde ist factisch zu bemerken, daß die

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