Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1865)
- Date
- 1865-02-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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56 rüg ward geboren im Jahre 4078 nach Erschaffung der Wett (d. i. 318 noch der gewöhnlichen Zeitrechnung) und trat seine R^ierung an «n Jahre ^1W nach der Erschaffung der Wett (d. i. 343 nach der gew. Zeitr.). Dieser mächtige König war den Israeliten sehr gewogen. In seinem Staate fanden sie Ruhe und erhielten die Erlaubnis ihren Gesetzen ungestört nachzuleben; er ertheilte ihnen einen Freibrief, welcher im Jahre 4139 (379) auf eherne Tafeln eingegraben und dem Fürsten der Juden, Rabbi Joseph, übergeben wurden. Dieser Rabbi Joseph war hoch angesehen beim königl. Hofe; auch die anderen Juden warm angesehen und reich. Die eherne Tafel, auf welcher der Freibrief in malabarischer Sprache eingegraben, befindet sich noch in unserer Synagoge und der Inhalt derselben ist folgender: „Unter dem Frieden Gottes, des Königs des Weltalls, der Seine Welt nach Seinem Willen erschaffen — zu Ihm habe ich meine Hand emporgehoben, ich Schiran Piromal, und durch Seine Gnade besiege ich Könige — schon viele hunderttausend Jahre, Jahre und der Jahre Jahre führt Er die Herrschaft und die Regierung, — an diesem Tage sitze ich in meinem Palaste in der Stadt Karagnor, im 36. Jahre meiner Regierung und verhänge diesen Freibrief zu Gunsten des Juden Rabbi Joseph und aller Juden, die bei ihm sind: sie sollen das Recht und die Erlaubniß haben, sich in den Städten meines Reiches der sünffarbigen Gewänder, wie die Prinzen, zu bedienen, es soll ihnen gestattet sein, auf Pferden und Elephanten zu reiten und in allen Arten von Wagen zu fahren; auch dürfen sie sich Vorläufer hatten und bei Tag Licht brennen, sie dürfen kostbare Kleider auf öffentlichem Wege tragen; sie dürfen sich schmücken mit schönen Schmuckgegenständen; sie dürfen auf öffentlichen Straßen und Marktplätzen in ihrer Sprache singen und musiciren; sie sollen herrschen über die fünf niederen Kasten der Völker dieser Stadt und sollen das Recht haben, sie als Sclaven und Sclavinnen zu kaufen, sie dienstbar zu machen und zum Judenthume zu bekehren; sie sollen frei sein von allen Steuern und vom Dienste des Königs. All diese Gesetze, eingegraben in diese ehernen Tafeln, habe ich dem Rabbi Joseph und allen seinm Volksgenossen gegeben, und er ist ihr Fürst und Oberhaupt; und allen übrigen Juden, welche in meinem ganzen Reiche sind, soll dieses Gesetz und diese Fassung gelten, für sie und ihre Nachkommen bis in Ewigkeit, so lange der Mond steht; und alle diese Einrichtungen, eingegraben in diese ehernen Tafeln, sollen bestehen für sie und ihre Nachkommen zum Guten und zum Zeugniß allen Wettbewohnern und zur Herrlichkeit und zum Ruhme. Ihr Zeugen unterzeichnet dieses und übergebet es dem Rabbi Joseph und seiner Gemeinde, daß es lei in ihrer Hand zum Zeugniß und Mm Beweis bis in Ewigkeit! Gott gebe das Gute mit Gnade und Erbarmen!" Dieser Freibrief ist von sieben Unterkönigen und d«n Geheimschreiber des Königs unterzeichnet. Die Unterschriften lauten: König von Tirwamchor, König v. Karagnor, König v.Sainbori, Königv.Aramzilr, Königs. Balichoeila, König v. Kulistri, König v. Korombinad, Brom, Schreiber des Königs. DerKömg wies den Juden eine besondere Stätte innerhalb der Stadt Karagnor an. Dort lebten sie hochgeehrt, namentlich ihr Fürst, Rabbi Joseph, dem die Bevorzugung zu Theil wurde, daß er die Dochte zu den Lampen des Königs liefern durfte, was in damaliger Zeit für eine große Ehre galt. Lange Zeit wohnten die Israeliten glücklich und friedlich in der Stadt Karagnor, wo sie sich der Liebe des Königs erfreuten. Der König Schiran-Piromal wurde sehr alt, hatte aber keine Kinder. Er setzte die Könige, die er sich unterworfen hatte, zu Erben ein; im Jahre 4175 (414) vertheilte er all seiE Städte den auf der Tafel Unterzeichneten Königen rM die Stadt Cochin gab er dem König Pirumcjovo; Oer starb in einem Atter von 87 Jahren, nachdem er Den Juden in seinem ganzen Reiche viel Gutes erwiesen hatte. Nach dem Tode des Königs Schiran Pirumal standen die Juden unter der Herrschaft des Königs von Karagnor; auch dieser war ihnen wohlgesinnt, wenn auch nicht in dem Grade, wie sein Vorgänger. Der Fürst Joseph hatte viele schwarze Sclaven zum Judenthume bekehrt; diese empörten sich später gegen die weißen Juden, denen sie es sehr verübelten, daß sie sich nicht mit ihnen verschwägerten und sie nicht zu Minjan heranzogen, denn die schwarzen Juden werden noch heute von den weißen als Sclaven betrachtet. Darüber kam es nun zu einem heftigen Streit, der zu einem heftigen Kriege ausartete. Inzwischen kamen die Portugiesen in's Land im Jahre 5268 (1508) und eroberten Karagnor. Da ging eine Leidenszeit für die Israeliten an; die Portugiesen waren vom bittersten Glaubenshaffe gegen die Juden beseelt und beschlossen endlich, sie Alle, sowohl die schwarzen, wie die weißen Juden in einer Nacht umzubringen. Diesen entsetzlichen Plan begannen sie auszuführen und schonten weder Greise, noch Kinder, noch Frauen. Da entfloh, wer nur fliehen konnte, und Einige von ihnen kamen nach Cochin an der Meeresküste. Der König von Cochin erbarmte sich ihrer und erlaubte ihnen, sich in der Nähe seines Palastes, zwei jüdische (englische) Meilen von der Meeresküste, niederzulaffen. Auch einige schwarze Juden besetzten Cochin, andere von ihnen siedelten sich in den Dörfern an. Im Jahre 1568 erbauten die weißen Juden eine Synqgoge in der Nähe des königlichen Palastes. Folgende vier Männer standen damals an der Spitze