Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1865)
- Date
- 1865-01-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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47 züglich der Vorbereitungszeit ab, indem wir mit Genehmigung der K. Regierung und in Rücksicht auf den hebr. Unterricht vier Vorbereitungsjahre haben während allgemein nur drei vorgeschrieben sind. Wir sind also hier voraus. Wird, was wahrscheinlich ist, durch Reorganisation des Schulwesens allgemein eine dreijährige Seminarzeit eingeführt, so wandeln wir unser viertes Vorbereitungsjahr in den ersten Seminarkurs um, so sind wir wieder mit der allgemeinen Einrichtung in Einklag. So lange man unserer Anstalt nichts weiter vorwerfen, selbst auf Grund unrichtiger Darstellung nichts weiter vorwersen kann, hat es gute Wege. Uebrigens geht bis jetzt Alles recht wacker von statten. Die Zöglinge lernen, singen, geigen, werden demnächst auch turnen, dabei erfreut sich die Anstalt eines guten Rufes, und wir hoffen, sie wird der „a. Z.d I" und ihren Korrespondenten von Jahr zu Jahr mehr Aerger bereiten — das sicherste Zeichen ihres Gedeihens 8. Im Begriffe, den Artikel abzusenden, erhalten wir Nr. 2 d. „a. Z. d. I.," wo Philippson mit dem gewöhnten vollen Munde sich der Achtung rühmt, mit welcher er stets die wahre aufrichtige Orthodoxie behandelt habe. Wenn es je eines Beweises bedürfte, daß diese Behauptung eine Lüge ist, so würde — das kann man, ohne dem Vorwurfe einer xatitio xriveipi! sich auszusetzen behaupten — so würde die Art wie er den Herrn Rabbiner Nürnberger behandelt, den vollsten Beweis liefern. Kein Mensch — selbst der ärgste Feind nicht wird behaupten, derselbe gehöre nicht derjenigen Klaffe an welche PH. so mit Achtung behandelt haben will, und doch reißt er jeden Augenblick eine Gelegenheit vom Zaune, ihn zu schmähen, zu verdächtigen. Wie sehr muß eine Redaktion ihre Leser gering schätzen, wenn sie es wagen kann, ihnen Dinge ins Angesicht zu sagen, die eine kaum eine Woche alte Nummer so schlagend Lügen straft? Aus Kurhessen, im Januar. In Nr. 49 Ihres geschätzten Blattes wurde das Benehmen des Rabbiners Alifeld in Pasewalk gerügt, welcher sich als actives Mitglied eines Gesangvereins aufnehmen ließ, in welchem positiv christlich-confessionelle Lieder, und zwar auch bei religiösen Acten, ausgeführt werden, und der Berichterstatt,r sprach seine Entrüstung darüber aus, daß ein „Rabbiner" sich solches von einem christlichen Geistlichen verweisen lassen mußte. Auch die „allgemeine Zeitung des Judenthums" ließ sich diesen Vorfall berichten, und selbst Herr l)r. Philippson tadelte das Ungeziemende in dem Falle, daß ein Rabbiner Mitglied eines Gesangvereines ist. Herr Alifeld selbst vertheidigt. sich nun in der neuesten Nummer der „a. Zeitung des Judentums"^ daß.er »anläßlich seiner Stimme^ und weil chm dis Mitglieder des Gesangvereins so freundlich entgegengekommen, sich bewogen gefunden habe, in diesen Verein sich aufnehmen zu lasten, und citirte mehrere Stellen aus Talmud und Poskim, nach welchen man ui iH'N zu vermeiden habe. Da Herr Alifeld behauptet, sich bei dem Grabgesang nicht betheiligt zu haben, so liegt allerdings Entschuldigung für ihn vor; und wir sind weit entfernt , die Richtigkeit dieser Behauptung in Zweifel zu ziehen. Aber rechtfertigen läßt sich das Betragen des Herrn Alifeld dennoch nicht, denn nicht als Rabbiner, sondern als Jude, durfte er nicht in einem Vereine Mitwirken, in welchem Passions- und andere geistliche Lieder gesungen werden. Hier heißt es: Ovn ,>-is'x. Die Nichtbetheiligung an dem vielbesprochenen Grabgesang konnte ihn, wie Herr Alifeld gesehen, nicht vor Mißdeutungen und falschem Verdachte schützen, und Herr Alifeld hat das Wort des weisen Königs unbeherzigt gelasten, ffn 5EPP 122 1O.1. Daß er „anläßlich seiner Stimme" in den Verein zu treten für angemessen fand, ist lächerlich, und läßt sich wohl von einem zwanzigjährigen Jünglinge, nicht aber bei einem neunundvierzigjährigen Manne hören. Auch möge niemals ein anderer 2V.1 geschehen, als daß ein mit schöner Stimme begabter Jude nicht Mitglied eines Gesangvereins wird! — Uebrigens wollen wir Allen, denen der „Rabbiner" hier anstößig ist, zum Tröste und zur Beruhigung sagen, daß Herr Alifeld gar kein Rabbiner ist, und er sich diesen Titel selbst zugelegt hat. Herr Alifeld ist ein geborner Kurhefse — er ist aus Schlüchter gebürtig — hätte als solcher das Rabbinatsexamen in Kassel bei dem Landrabbinat machen müssen, was aber bis jetzt noch nicht geschehen ist. In Folge dessen fand er auch in Wolfhagen nur als Pcivatlehrer und Prediger eine Stelle, später in dem preußischen Orte Beverungen, von wo aus er in die Stellung eingetreten ist, die er gegenwärtig bekleidet. La Rise. Frankfurt a. M., 13. Jan. Einer der biedersten Männer unserer conservativen Gemeinde hat das Zeitliche gesegnet, und viele Herzen sind in Trauer versetzt. Je seltner innige und aufopfernde Frömmigkeit werden, desto mehr haben wir den Hintritt des edeln und ehrwürdigen Jacob Moses Kann zu beklagen, dem wir heute 'rm letzte Geleite gegeben haben. Von all den wackern Männer« Frankfurts — und wir zählen deren Gott Lob nicht wenige — kann man nicht sagen, daß sie mehr 2'Siii 'inx sind, als dieser p'-m es war, und es ist schwer zu sagen, welche .1M2 er am liebsten pflegte. Denn an jeder hatte er Freude, jede war ihm theuer. Ein Mann von dem sanftesten Charakter, von dem gntmüthigsten Herzest, wachte er doch mit cowsequentsr Entschiedenheit über die Pflege des Judenthums, wo seine Stellung ihn dazu verpflichtete, und fein Haus