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Der Israelit · 1865-01-25 · Heft 4 (25.1.1865) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 4 (25.1.1865)
Date
1865-01-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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42 würden: „Es ist schon vorguszusetzen", wird sogleich fortgefahren, „daß diese in sich Linen völligen Widerspruch enthalten, der um so erkennbarer ist, als sie jede Vermittelung, jede MsAeichuvS und innere Verschmelzung für sich und das Judenthum zurückweisen, weil sie ihre Schwäche hierin fühlen, laut verurtheilen und noch lauter verketzern". Es ist wohl noch selten unserer heiligen Religion eine so furchtbare Beleidigung zugefügt worden, wie in den vorstehenden Worten. Also, wer auf Gymnasien und Universitäten ftudirt und dort etwas gelernt hat, wer ein reines Deutsch spricht und sich anständig kleidet, von dem ist vorauszusetzen, daß er sich im Widerspruche mit der Lehre und dem Gesetze unseres Gottes befindet, der bedürfte erst, um der Religion der Väter treu zu bleiben, der Vermittelung, Verschmelzung und Ausgleichung! Da sieht man, wie diesen Reformhelden die heilige Gotteslehre etwas bloß Aeußerliches geblieben ist, wie sie meinen, daß die Sonne von jedem Irrlichts verdunkelt werden muß. Wir geben es zu, daß das Studium auf Gymnasien und Universitäten, die Beschäftigung mit der alten und modernen Literatur dem Glauben und mit ihm der religiösen Praxis gefährlich werden kann, aber nur bei solchen Individuen, die nicht getränkt sind mit dem köstlichen Weine der Gotteslehre, die nicht genährt sind an den Brüsten unserer heiligen Religion; aus solchen Gymnasiasten und Studenten sind die Philippson und Consorten erwachsen. Es gibt allerdings auch Neformrabbinen, die, trotz der erworbenen Thorakenntnisse, von Gott und Seiner Lehre abtrünnig geworden sind — allein diese wären es auch wahrscheinlich ohne Gymnasium und Universität geworden; so erzählt man uns, daß der verstorbene Holdheim noch nicht Deutsch lesen konnte, als er schon den Jom Kippur entweihte. Jeder im Glauben erzogene, für Gott und die Thora begeisterte und in der Thora bewanderte Jüngling hingegen wird in der Thorakenntniß einen Hort und einen Halt finden, die ihn sicher alle Klippen vermeiden, allen Stürmen trotzen, allen Gefahren zu entgehen befähigen; die Meisterwerke der alten Griechen und Römer werden nur dazu dienen, ihn den bedeutend höheren Werth unserer heiligen Literaturschätze erkennen und würdigen zu lassen; der Einblick in die heidnische Welt wird ihm zeigen, wie unendlich höher das Judenthum schon im Alterthum stand, und die klassischen Schriften der neueren Zeit werden nicht minder dazu beitragen, den Gegensatz Mischen Judenthvm und Nichtjudenthum heryorzuheben, — ein Vergleich, der für den Wissenden dazu angethan sein muß, die Gkuth der Begeisterung fiär unser Volk und unsere Religion zu meh.rey und stets auf's Neue anzufachen. Da gibt es keinen Widerspruch, der erst dadurch zu lösen wäre, daß wir eiWU Theil von dem Glauben und der Sitte unserer Väter aufgäben; da bedarf es keiner Vermittelung, Ausgleichung oder Verschmelzung. Das Judenthum leidet nicht daruUer, wenn man es vergleicht; im Ge- Avtthsil, es kann nur dadurch erhoben werden, gerade Wie wenn man den köstlichsten Diamanten neben andere Steine von weit geringerem Werthe legen würde — die geringeren Steine würden den Werth des kostbaren Diamanten erst in das rechte Licht setzen. Alle jene Merkmale, welche die Neuorthodoxen characterisiren sollen, von der Predigt bis zum ruhigen und anstandsvollen Gottesdienst, gehören bereits Männern an, die heute schon zu den ehrwürdigen Vätern der Judenheit, zu den größten Talmudgelehrten gezählt werden. Hat die Reformpartei wohl Männer aufzuwersen, die auch nur im Entferntesten einen Vergleich mit den ELtlinger, den Bamberger auszuhalten vermöchten, deren Wissen an die immense Gelehrsamkeit eines Auerbach (in Halberstadt) hinanragte? Die großen und erhabenen Listen der in der jüngsten Vergangenheit veröffentlichten Proteste zählen an 200 solcher Namen, die den Genannten sich anschließen oder doch zu ihnen hinanstreben; gibt es einen nennenswerthen Unterschied zwischen einem Ettlinger, Bamberger und unsern ehrwürdigsten Altrabbinen? Würden Rabbi Jonathan Elbeschütz und Rabbi Jecheskel Landau b"2i diese Männer nicht als ihre würdigen Nachfolger und als die berechtigten Vertreter des Judenthums anerkennen wollen? Nein, es gibt unter den Orthodoxen keine Parteien, und es soll auch keine unter ihnen geben; nur Einigkeit macht stark und befähigt zum erfolg- und siegreichen Kampfe. Allerdings gibt es je nach den Persönlichkeiten und Verhältnissen verschiedene Nuancen; allein diese beziehen sich nur auf Nebensächliches. Wer an Gott und Seine heilige Thora glaubt, wer die schriftliche wie die mündliche Lehre als von Gott uns offenbart anerkennt und demgemäß lebt und strebt, der gehört zu uns, und die Tücke der Gegner soll uns nicht trennen; ihren Hohn und ihre Verleumdungen aber weisen wir mit Verachtung zurück. Es erscheint wohl kaum der Mühe werth, darüber noch ein Wort zu verlieren; allein es möchte das Schweigen als ein Zugeständniß betrachtet werden, und so wollen wir diese Manier jener Elenden durch Ein Beispiel der allgemeinen Beurtheilung anheimstellen. In einem Feuilleton(!)-Artikel jenes ehrenwerthen Blattes, das sich zur Schmach der Gegenwart „die Neuzeit" nennt, werden Herr Rabbiner Hirsch zu Frankfurt a. M., Herr Rabbiner 1)r. Hildesheimer zu Eisenstadt und der Herausgeber dieser Blätter mit Schmähungen überschüttet; namentlich ist es Herr R. vr. Hildesheimer, gegen den das grobe Geschü tz mjt vollen Ladungen donnert, der in unmäßigster Weife geschmäht und verleumdet wird. Unsere Leser wissen, wer Herr R. vr. Hildesheimer ist; nur wollen,

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