Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1865)
- Date
- 1865-01-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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36 störung des zweiten Tempels gerettet hätten und mit sich brachten; es sei später ein Streit zwischen ihnen entstanden, was die eine Partei bewog, die Hilfe eines indischen Fürsten nachzusuchen; dieser sei gekommen mit einem mächtigen Heere, habe ihre Häuser, Paläste und feste Schlösser genommen, viele der Ihrigen gelobtet, andere in Gefangenschaft geschleppt und endlich seien sie in Folge der fortgesetzten Verfolgung durch die bigotten Portugiesen, die habsüchtigen Holländer und die blutdürstigen indischen Herrscher zu dieser Schwäche, Armuth und Erniedrigung herabgesunken. Später gelangte Förster in Besitz zweier hebräischer Handschriften, deren eine auf Pergament, die andere auf rothem Ziegenleder, in vorzüglicher Vollendung ausgeführt waren; ein Offizier hatte dieselbe durch einen jüdischen Hohenpriester inCochin erhallen. Das eine Schriftstück erwies sich als eine Copie des Buches Esther, während das andere eine Schilderung der Geschichte dieser Juden enthielt, ihrer Wanderungen und Leiden seit den Tagen, „wo sie ihre Harfen an den Wässern von Babylon aufhingen". Diese Erinnerungen waren ursprünglich in bronzene oder kupferne Platten eingravirt, ursprünglich in hebräischer Sprache, der letztere Theil in malabarischer mit entsprechenden Schriftlichen. Diese Tafeln waren vor ungefähr 100 Jahren von den Holländern gestohlen und nach Amsterdam gebracht worden. Tie Juden sandten einige ihrer gelehrten Nabbi's nach Holland und ließen Copien anfertigen und eine derselben war es, die in Försters Hände gelangte. Einige der ursprünglichen Kupsertafeln aus der Zeit Nebucadnezars waren, wie leicht erklärlich, unleserlich geworden, aber man hatte schon vorher Copien in malabarifcher Sprache angefertigt, so daß also die Vollständigkeit jener Aufzeichnungen! gesichert blieb. i Eldad, der Tarnte, fand Reste der verschollenen zehn Stämme unter den Tarieren; so sehr man sich! sonst über diese Behauptung lustig machte, so hat sich! dieselbe dennoch als richtig erwiesen, und es ist Thatfache, daß die Chozaren durch eine große hebräische Colonie zu Ansehen gelangten und daß die Fürsten! dieses großen tartarischen Stammes Juden waren.! Drei Jahrhunderte hindurch waren die Chozaren Herren von Centralasien (?).! Förster hebt hervor, daß der erste Name, welcher! ihm in Ptolemäus Land der Chozaren auffiel, der des „Tos Manasse," „des weit verbannten Manasse" war;! nebstdem fand er den Namen des Volkes von „Macha",! welcher Name von Eldad für den Wohnsitz der veri schollenen Stämme Simeon, Ephraim und Manasse bezeichnet wird. Unter den Chozaren findet man gleichfalls den auffallenden Umstand, wie in Malabar, nämlich eine Trennung in weiße und schwäre Stämme. Auch in Affghanistan machen die häßlich schwarzen „Naussers" Ansprüche auf die Abstammung von den Kindern Israels, so gut wie die mehr hellgesärbten Stämme. Der Gründer aller dieser verschiedenen jüdischen Colonien scheint in der Thal Nebucadnezar gewes en zu sein, einer der größten Könige und Gesetzgeber des Alterthums. Als dieser Tyrus unterworfen hatte, sandte er Expeditionen zu Land und See aus, welche die phönizischen Colonien vor sich her trieben. Diese schon von Strabo gemachten Angaben finden ihre vollste Bestätigung durch jenes cochinische Manuscript, welches erzählt, daß eine große Anzahl von Emigranten nach Spanien getrieben worden sei; diese landeten in Andalusien, gründeten dort Lusina am Tagus. Toledo, Maqueda und Escalona, welche Namen unstreitig hebräischen Ursprungs sind. Toledo ist die älteste Stadt in Spanien, und das älteste Gebäude dort ist eine Synagoge. Als Alphcns VI. die Saracenen aus Toledo vertrieben hatte, wendeten sich die dortigen Juden um Schutz an denselben, indem sie sich daraus beriefen, daß sie keine Abkömmlinge der Mörder des Stifters der chr. Religion seien, sondern jener zehn Stämme, welche Nebucadnezar als Colonisten hierhergeschickt hätte. Ihre Bitte wurde huldvoll ausgenommen und die bezüglichen Verhandlungen und Nachweise in dem Archiv von Toledo auf Befehl des Königs niedergelegt. Ebenso ist es möglich, daß die Juden schon in sehr früher Zeit nach England gelangten; Littleton berichtet in seiner Geschichte Heinrichs II., sie seien lange vor dem Einfalle der Normannen, wenn auch wohl nicht in großer Anzahl, nach England gekommen und es exiftirt ein von Egbriht, Erzbischof von Aork im Jahr 740 erlassenes Verbot bezüglich des Besuchs jüdischer Festlichkeiten Seitens der Christen. Wir legten hier in leichten Umrissen die Grundzüge der Traditionen jüdischer Stämme dar; gleich nebelhaften Gebilden, nngewiß und grotesk in ihrer Erscheinung, aber trotzdem erkennbar, sehen wir die Phantome der Väter mächtiger Nationen mit demselben Interesse an unseren: geistigen Auge vorüberschweben, wie dieß die alten Erdenpilger der Bibel in uns rege machen. Müßten wir jedoch beantworten, ob die Abkömmlinge derselben in der That identisch mit den jetzigen Bewohnern der von jenen ältesten Wanderern gewählten Wohnstätten seien, so würden"wir vielleicht uns dahin entscheiden, daß dieß mit Ausnahme weniger jüdischer Tribus nicht der Fall sei. Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'fchen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellpreffendruck von I. Gottsleben in Main;.