Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1865)
- Date
- 1865-01-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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35 Esau, Salomon und Moses, Stamm Jsmael und Saul u. s. w. Förster macht in seinen „Hlovnwsnts ok ^sszrria" auf das große Interesse aufmerksam, welche diese jüdischen Abkömmlinge, die ganz vereinzelt unter den anderen mahomedanischen Stämmen dastehen, für genauere Untersuchungen darbieten. Derselbe hat auf das Sorgfältigste die Angaben älterer Autoren mit den traditionellen der Affghanen und ebenso die Geographie des Ptolemäus mit den Berichten von Elphinstone ver-! glichen und gelangte zu der Ueberzeugung, daß die! Wahrscheinlichkeit der Annahme, daß die Affghanen i jüdischen Ursprungs und daß die Benennungen des! Solimans-Gebirges und anderer dortiger Plätze schon j sehr alt seien, durchaus nicht zu leugnen sei. Neben i der alten patriarchalischen Regierung und der Geltung > des oben erwähnten mosaischen Gesetzes bezüglich der , Verheirathung der Wittwen älterer Brüder an jün- - gere, wenn keine Kinder vorhanden sind, wird auch! das Gebot Moses beobachtet, wonach Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn gebüßt werden muß, das furchtbare *) „1<?x wliovw", wie Elphinstone berichtet. Rücksichtslose Gier nach Gewinn zeigt sich nach den Mittheilungen des Sir George Rose in den Bestrebungen der Affghanen; Geiz ist ihr größtes Laster, und wie Elphinstone zufügt, scheine die Sucht, Geld zu erwerben fast eine krankhafte zu sein. Die meisten Häuptlinge der Durani sammeln sich möglichst große Reichthümer, welche oft lange nutzlos liegen, bis sich im Laufe der Zeit eine passende Gelegenheit gibt, durch Freigebigkeit sich einen Anhang, zu verschaffen, der sie zu höherem Ansehen bringt und ihnen Macht verleiht; es ist denselben recht gut bekannt, was mit Geld bei ihrem Stamme zu erlangen ist. Unter den wilden beutegierigen Affghanen, wild und gesetzlos wie die Winde, welche durch ihre trostlosen Schluchten und schneebedeckten Berggipfel stürmen, ausi gestattet mit der rohen Kraft des Wilden und der Bedachtsamkeit und Schlauheit civilisirter Nationen, herrschen beständige Fehden, ähnlich denen der hochschottischen Clans. Eine der streitsüchtigsten und gefürch-! tetsten Tribus nennt sich Stamm Joseph, oder Ephraim oder Ephraim und Manasse, bestehend aus stolzen, unruhigen, insolenten, jede Autorität verachtenden kriei gerischen Hirten, welche fast beständig an dem Cabul und Indus auf Beute lauern. Dicht bei den Wohnstätten des unbezähmbaren Stammes Joseph liegt Ashnagar, wo sich der Behat- Fluß mit dem Indus vereinigt und östlich von letzterem Flusse, welcher vermuthlich mit dem Jsagoros oder Jsaxaros des Ptolemäus identisch ist, zieht sich das sogenannte Judengebirge hin, welches westlich an *) weil falsch aufgefaßte! — Die Red. des „Israeli^'. — j das Thal von Kaschmir angränzt. *) Die Bücherrol-! len mit dem alten Testamente, welche man noch unter! den schwarzen Juden von Malabar antrifft, sind auf i rothe Ziegenhäute geschrieben, welche nach Förster aus l Cashmere stammen. Westlich von dem Lande dieses! Stammes liegt Zablestan, südlich von Khorassan: dieses Zablestan oder Zabulon-estan wird für das Land Zebulon gehalten. Die Bewohner desselben nennen sich wie alle Affghanen „Beni Israel". Bemerkenswerth ist, daß Ptolemäus die hier wohnenden Stämme „Aristophyloi" oder Edelleute nannte. Zu den merkwürdigsten Niederlassungen dieses sonderbaren Volkes gehören die in Cochin und Malabar, wo schwarz; und weiße Juden wohnen. Die letzteren wollen sich als Abkömmlinge von Juden gehalten wissen, welche nach der Zerstörung der Stadt und des Tempels in Jerusalem durch Titus hieherflohen, während die schwarzen behaupten, ihre Ahnen seren durch Nebucadnezar hieher getrieben worden, welcher nicht minder thätig für Colonisation wirkte, als die alten! Römer. So weit entfernt sie von der ursprünglichen Heimath wohnen, haben sie doch von jeher durch den Osten eine stete Verbindung mit den übrigen Juden unterhalten. Die schwarzen Juden von Cochin behaupten, noch Erinnerungen an die Zeit zu besitzen, als ihre Ahnen gefangen am Euphrat lagen und ihre vergangene Größe beweinten. **) Dr. Buchanau, welcher zweimal Cochin bereiste, um sich über diese Neminiscenzen zu belehren, fand, daß die weißen Juden einzig eine Bibel besaßen, welche in Pergament gebunden, jedoch ein ganz modernes Aussehen besaß, während sich in der Synagoge der schwarzen Juden ein alter Schrank vorfand, welcher alte, ziemlich verwitterte Schriftstücke enthielt; er besah sich die letzteren, hielt sie jedoch von geringer Bedeutung. Es waren Manuscripte verschiedener Art, auf Pergament, auf rothes Ziegenleder und aus Baumwollpapier geschrieben; bemerkenswerth ist noch, daß die Kunst, Leder zu färben und darauf zu schreiben, schon zu Moses Zeiten bestand. Die weißen Juden, welche die schwarzen als eine geringere Kaste betrachten, zeigten Buchanan eine alte messingene Platte, auf welche der ihnen von einem Könige von Malabar im Jahr der Welt 4250 oder 490 nach der gewöhnlichen Zeitrechnung verliehene Freibrief eingegraben war; nebstdem besaßen sie eine Erzählung in hebräischer Sprache, welche die Flucht ihrer Ahnen vor Titus behandelte und wie ihnen dann andere Juden von Judäa gefolgt wären, welche die silbernen Trompeten vor der Zer- *) Das Obige ist uns nicht recht verständlich. Ein Ashnagar gibt Tbornton weder in seinem „Indien" noch in den Grenzländcrn Indiens" an. Vom Behat (Dschelum) kann man nicht wohl sagen, er erziehe sich in den Indus und denJnsagoros des Ptolemäus kennt weder Forbiger noch Chr. Lassen. D- Red d.A. **) Die schwarz?n Juden Cochins sind keine Juden, sondern judasirte Hindu aus niedriger Käst.-. D. Red. des A.