Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1865)
- Date
- 1865-01-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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34 Sprache, welche behaupten, daß der Rest der jüdischen Race in den Gebirgen Chile's lebe und dort unleugbare Merkmale ihrer Abstammung bewahrt habe, was sich ferner auch dadurch documentirte, daß sie geläufig hebräisch (!) sprechen. Diese Juden sollen jedoch später gemeinsam zum Christenthum übergetreten und an die User des kaspischen Meeres gezogen sein. Für diese letzteren Behauptungen finden sich noch heutigen Tags Vertreter. So wenig positiven Gehalt die meisten dieser Ideen besitzen, so viel Interesse bieten solche Reflexionen über den Ursprung der Volksracen als Grundlage ethnologischer Studien für jeden Gebildeten dar. Früher wollten andere Forscher die verschollenen Stämme an der Küste von China aufgesunden haben, wieder andere dieselben in de n Nestorianern Kurdistans erblicken, obgleich letztere weder jüdische Gesichtsbildung besitzen, noch bei ihnen je Beschneidung üblich war. Jones, welcher gleichfalls seine Ansicht über diese Frage aussprach, glaubt die Afsghancn für die Reste jüdischer Race betrachten zu sollen, und dieser Ansicht wird gegenwärtig von verschiedener Seile beigepsüchtet. Diese Afsghanen nennen sich „Ben Israel" oder Kinder Israels, auch „Bunnie Israels" oder Söhne Israels, weisen jedoch entschieden die Bezeichnung „Uahondi" oder Juden zurück, indem sie diese Race, ebenso wie die meisten muhamedanischen Völker thnn, auf das Tiefste verachten und Haffen. Eine sehr kriegerische Tribus der Afsghanen nennt sich Stamm Joseph; dieser Stamm zeigt den charakteristischen jüdischen Gesichtstypus in auffallendster Form und ist höchst empfindlich gegen die spöttische Weise, mit welcher das Thema ihres Ursprungs von verschiedener Seite abgehandelt wurde. Die jüngeren Vrüoer heirathen in diesem Stamme die Wittwen ihrer älteren Brüder genau (?) nach dem mosaischen Gesetze, welcher Umstand zusammengehalten mit den ausgeprägt jüdischen Physiognomien jener Ansicht großes Gewicht verleiht. Teotz aller Behauptungen bezüglich einer allmählichen Veränderung des Typus und der Race unter dem Einflüsse der Nahrung, des Klima's, der Gesittung und Vermischung durch Ehen, steht doch soviel fest, daß nie durchgängige und bleibende Aenderungen in dem Typus einer oder der anderen Race des Erdballs Platz gegriffen haben. Allerdings können zeitweise gewisse unterscheidende Merkmale zurückgedrängt werden, das erste Product einer Racenvermischung kann einigermaßen von Vater und Mutter abweichen, das Klima mag jede Race successiv mehr und mehr verändern, wie dieß bei den Aankee's oder Anglo-Australiern der Fall ist, aber diese Abweichungen von dem ursprünglichen Typus haben keine längere Dauer und verlieren sich nach Beseitigung der Ursachen, welche sie heroorriefen. Bei keiner Race scheint diese Disposition auffallender hervorzutreten, als bei der jüdischen; sind bei solchen selbst 3—4 Generationen seit dem Uebertritte zum Chriftenthum dahingegangen, nach fortgesetzter Vermischung mit Christen, Annahme christlicher Gebräuche und Lebensweise — in den Nachkommen wird sich nie das ursprüngliche Racenelement verleugnen und stets sich mehr oder weniger das Eigenthümliche des ursprünglichen Typus geltend machen. , Der bekannte Or. Wolff, ein geborner Jude, welcher einen großen Theil von Affghanistan bereiste, erklärt zwar im Allgemeinen die Physiognomie der Afghanen nicht gerade für eine jüdische, gibt dieß aber für zwei Stämme — Juffufsie und Kheiberra genannt — entschieden zu. Moorcrost vindicirt aber dem ganzen Volksstamme der Afghanen eine ausgeprägt jüdische Gesichtsbildung. Ueber ihre Herkunft erzählen die Afghanen, daß sie nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch Nebücadnezar nach der Stadt Ghore verwiesen worden seien, und daß sie ihren Namen von ihrem Führer Affghana erh ltcn hätten, dem Sohne des Onkels von Azos, Sohn Berkia's und Enkel Saul's, einem Vezier Salonwns; sie hätten als Juden gelebt, bis sie von Kalid zum Kriege gegen die Ungläubigen wären ausgerufen worden, wo sie sich unter einem Führer gesammelt hätten, der den Titel Abdulraschid oder Sohn des Mächtigen erhalten habe. Später seien sie nach Affghanistan gezogen und hätten dieses Land nie mehr verlassen. Ein englischer Beamter, welcher Affghanistan durchreist hatte, berichtete 1652 an Sir George Rose, er sei überrascht gewesen, als er nach Ueberschreitung des Indus die auffallend jüdischen Gesichtszüge der dortigen Stämme gesehen habe und daß einer dieser sich „Stamm Joseph", ein anderer „Stamm Jsak" genannt habe. Elphinstone sagt über die höheren Klassen der Bevölkerung von Nadschputana, daß dieselben Afghanen seien und durch ihre stattliche Gestalt, ihre Adlernasen und überhaupt jüdische Züge ihm sehr ausgefallen seien. Auch am Hofe des Radschas jener Provinz machte er die gleiche Beobachtung, wie ferner jenseits des Indus. Ein weiterer bemerkenswerther Grund für die Ansicht von Jones liegt ferner in der überwiegenden Anzahl jüdischer Namen bei jenem Volke. Einer der ersten Plätze, welchen jener Stamm in Affghanistan besetzte, ist das Soliman- oder Salomons- Gebirge, von welchem ein Theil als „Salomons-Thron" bezeichnet wird, während ein Gebirgszug unter dem Namen „Amram" bekannt ist; Amram war der Vater des Moses. Die Araber, welche möglicher Weise Kunde von jener Legende der Afghanen durch Judeu erhalten haben, die sich in Arabien niedergelaffen hatten, nennen jene „das Volk Saloino's". Neben den beiden obigen Bezeichnungen für gewisse Stämme finden sich noch andere jüdische, wie Stamm David, Stamm