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Der Israelit · 1865-01-11 · Heft 2 (11.1.1865) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 2 (11.1.1865)
Date
1865-01-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zu Nr. 2 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Preußen. Xanten a Rh-, im Januar. Erlauben Sie mir, geehrter Herr Redakteur, in den Annalen Ihrer geschätzten Zeitschrift den Tod eines Mannes zu verzeichnen, dessen Wirken und Streben nur auf die Betätigung von gerichtet gewesen, und der, wenn auch im 84. Lebensjahre, dennoch viel zu früh für jeden wahren Juden, der das unverkürzte, unverfälschte Judenthum noch nicht als antiquirirt betrachtet, viel zu früh für die vielen Hilfsbedürftigen, die von feiner Mildthätigkeit reichlich unterstützt wurden, vom unerbittlichen Tode vom Schauplatze dieser Welt abgerufen wurde, um in jener den reichsten Lohn seiner Thaten zu erndten Diesen großen Verlust erlitt nämlich die isr. Gemeinde zu Köln am 4. v. M. durch den Tod des Kaufmannes Nathan Rothschild daselbst. Wenn ich sage, daß derselbe die.-iiiri n-Qki ins Leben gerufen, welche unter Leitung des sehy gelehrten Herrn Wo^f allabendlich ihrer heiligen Pflicht in des Verstorbenen Behausung oblag und noch obliegt; wenn ich ferner bemerke, daß derselbe in seinem Hause eine Synagoge einrichten ließ, in welcher der Gottesdienst ganz nach hergebrachter Weise, mit Einschluß der so oft angefeindeten Piutim, verrichtet wurde, und daß derselbe keine Kosten, auch die größten nicht, scheute, wenn es galt, irgend eine Mizwah auszuüben, so glaube ich, daß der Schmerz um seinen Tod von unserer Seite gerechtfertigt ist, und wohl Mancher mit uns in den Weheruf einstimmen wird Herr Nathan Rothschild war von edler Denkungsart, die sich in seinem ganzen Sinn und Thun kundgab. Als Beweis dafür wollen wir unter Anderm nur ein Beispiel anführen, das" seine wohlwollende Gesinnung so recht ausdrückt und hervorhebt. Als derselbe vor ungefähr 28 Jahren von dem nahegelegenen Grevenbroich nach Köln übergesiedelt war, wurde er hier bald darauf von einem Manne auf's Gröblichste beleidigt. Die Vergeltung seinerseits bestand nun darin, daß er diesem Manne seine rückständigen Gemeindebeiträge, im Betrage von 62 Thlrn., durch deren Nichtabtragung Letzterem nach den Statuten dortiger Gemeinde die entzogen worden wäre, bezahlte. Solche Thaten sprechen gewiß lauter, als alle Lobsprüche. Der große, unabsehrbare Leichenzug, sowie die gehaltvolle Leichenrede des Herrn Rabbiners vr. Schwarz, bezeugten laut, daß mit diesem Manne ein p'irr zu Grabe gegangen. Wohl ist seine irdische Hülle, doch nicht sein Geist, sein religiöser Geist, zu Grabe getragen; denn er lebt in seinen, seiner würdigen Kindern fort, und dieses Bewußtsein gibt lindernden Trost für die blutende Wunde. 7i"2^n. Ellmann. Belgard (Pommern), den 1. Jan. Der 4. Chanuka-Abend war für die hiesige jüd. Jugend wieder ein Freudenfest. Seit meiner dreijährigen Amtsthätigkeit Hierselbst ist auf Anregung des würdigen, in vielen jüd. Kreisen geachteten Kaufmanns Herrn M. G. Levy die Anordnung getroffen, daß alljährlich am Chanukafeste die Prüfung in der jüd. Religionsschule stattfindet und Abends darauf das Chanukafest in würdiger Weise gefeiert wird. Ueber das Resultat der Prüfung will ich mir kein Nrtheil erlauben; über das Fest will ich jedoch einige Mittheilungen machen. Das Programm zu demselben ist folgendes: t) Das Anzünden der Chanuka lichter. 2) Ein zweistimmiger Gesang ->-L 3) Gedicht, „das Chanukafest", vorgetragen von einer Schülerin. 4) Erklärung und Bedeutung des Chanukafestes, welches in katechetischer Form durchgenommen wurde. 5) Gesang ir 1^71 ri'^Ti. 6) Berloosung. Mit dieser hat es folgende Bewandtniß. Der Synagogen - Vorstand bewilligt alljährlich zu dem gedachten Feste einige Thaler; hierzu werden noch von Gemeinde - Mitgliedern freiwillige Beiträge gesammelt. Für die ganze Summe werden dann nützliche Schulgegenstände gekauft^ wovon dann jedes Kind einen Gegenstand gewinnt. Der Zweck des Festes ist zunächst der, die israelitische Jugend auf die Kämpfer und Vertherdiger für unsere heilige Religion aufmerksam zu machen, und ihr die Liebe und Begeisterung für dieselbe zu erwecken, sie anzuregen, würdige Enkel, der Mackabäer zu werden, dann aber auch und hauptsächlich, Eltern und Kinder fern zu halten von der Aufstellung eines Baumes zur Weihnachtszeit in den jüd. Wohnungen oder in einem andern öffentlichen Lokale, woran sich jüd. Familien oft betheiligen. Die Eltern, die ihren Kindern so selten versagen können, was diesen Freude gewährt, unterschätzen oft die Macht jugendlicher Eindrücke, sie lassen es ruhig geschehen, betheiligen sich selbst an der Kinderfreude und bedenken nicht, daß die Kinder an der Innigkeit des eigenen religiösen Lebens verlieren. Hier haben wir uns, Gott sei Dank, darüber nicht zu beklagen gehabt; denn, trotzdem in einem öffentlichen Lokale ein Weihnachtsbaum für Ressourcen - Mitglieder, deren es auch jü-

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