Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1865)
- Date
- 1865-01-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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22 Palästina. Jerusalem. Das Ooviois" veröffentlicht einige Briefe englischer Missionäre über die Zustände der Juden in der heiligen Stadt. Herr Joseph Barels schreibt: „In diesem Jahre ist die hiesige jüdische Gemeinde um circa tausend neue Ankömmlinge vermehrt worden. Die Mehrzahl derselben sind Flüchtlinge von der Nordküste von Afrika; sie sind hierher nach der Stadt ihrer Väter als ihrem natürlichen Zufluchtsort geflüchtet und haben im buchstäblichsten Sinne des Wortes weiter nichts mitgebracht, als die ärmlichen Kleider an ihrem Leibe. Ein genügendes Unterkommen konnte für sie nicht beschafft werden; sie wurden in Magazine und Keller förmlich gepackt; die Folge davon war, daß unter ihnen Fieber nnd andere Krankheiten ausbrachen, so daß, wenn unser Hospital nicht gewesen wäre, ihre Wohnungen zu ihren Gräbern geworden wären. Ich fürchte, daß wenn die Kälte und die Regenzeit eintritt, sich ihre Leiden vermehren werden, da keine Mittel und Wege da sind, ihnen beizustehen. Die Juden selbst thun zu ihrer Unterstützung, was sie können, und der Oberrabbiner hat mich gebeten, für sie nach Australien zu schreiben durch einen Boten, welchen die Juden dorthin senden werden, um für die Unterstützung dieser Afrikaner dort Sammlungen zu veranstalten. Es wird jedoch noch eine lange Zeit Vergehen, bis ihnen auf diesem Wege Hilfe zu Theil werden wird." vr. Charplin schreibt: „Die Fieber waren in diesem Jahre sehr hartnäckig und erforderten größere Dosen von Chinin, als in srüheren Jahren, so daß das Quantum, welches neulich anlangte, bereits beträchtlich vermindert ist. Ich verschreibe für jeden Juden, der sich an mich wendet. In Folge dessen findet ein großer Verbrauch unserer Medicamente statt, denn die Bittenden sind zahlreicher als jemals. Die armen afrikanischen Juden, von welchen circa fünfzehnhundert hier ankamen, fanden das Hospital bald aus, und unsere Krankenzimmer waren in den jüngsten 2 Monaten fast ganz mit ihnen angefüllt. In den beiden Monaten Juli und August wurden 132 Patienten ausgenommen, die alle sehr krank waren und von denen mindestens 40 ihr Leben dem Hospital zu verdanken haben Glücklicher Weise ist im Ganzen die Saison nicht sehr ungesund, wiewohl die Fieber, wie ich bereits bemerkt habe, ebenso hartnäckig wie streng sind." — Der „Ilrüvers Israälitk" enthält einen Bericht über das Rothschild'sche Hospital in Jerusalem. Demzufolge hat dasselbe im Jahre 5624 verausgabt: 18767 As. 16 Cnt.; 420 Kranken wurden im Innern des Hospitals behandelt und an 6268 wurden Medicamente verabreicht. Die Arbeitsschule, der Herr Baron R. cke k'rauobettiö 1500 Frs. zukommen läßt, hat in diesem Jahre 33 Zöglinge gehabt. — Die Anstalt zur Unterstützung armer Wöchnerinnen, welcher die Frau Baronin James von Rothschild einen jährlichen Bei-! trag von 3000 Frs. zukommen läßt, hat im verflossenen Jahre 120 Frauen Hilfe zu Theil werden lassen. — Die Regierung hat den Bau einer Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem genehmigt. — Süd-Amerika. Surinam. In Nr. 52 v. I. haben wir unfern Lesern einige Nachrichten über die Juden in Surinam mitgetheilt und dabei des Oberrabbiners, Herr B. Lewenstein, rühmend erwähnt. Derselbe ist leider bereits am 22. October nach blos dreitägiger Krankheit im Mer von 35 Jahren von dieser Welt geschieden. Ruhig und ergeben sah er dem Tode entgegen; seine letzten Worte waren Ermahnungen an die sein Bett umstehenden Gemeindemitglieder, die Tugend zu üben und am Gotte ihrer Väter fest zu halten. Sein Leichenbegängniß fand unter großep Feierlichkeiten statt. Alle Civil- und Militärbehörden waren vertreten, und eine unabsehbare Menschenmenge, welche dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre erwies, zeugte von der allgemeinen Achtung, die ihm seine ungeheuchelte Frömmigkeit und seine aufrichtige Berufstreue erworben hatten. Sein Tod wirb von seiner Gemeinde als ein unersetzlicher Verlust beweint, (Nach dem Amsterdamer Weekblad.) Australien. Dunedin. Hier wurde am 26. September die erste hier erbaute Synagoge eingeweiht. Diese ist ein sehr schönes Gebäude. Auch die christliche Bevölkerung und namentlich die Behörden nahmen an der Feier den lebhaftesten Antheil. Herr John Lazar hielt die Einweihungsrede, indem er das 22. Capitel des Buches Josua zum Texte nahm. Die Rede verfehlte nicht, den günstigsten Eindruck zu machen. Eine Collecte am Schluffe sder Feier ergab einen Ertrag von 125 L. St. (1500 fl.) (OtLKv Oail^ Awes.) Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Main;. Hierzu eine Beilage.