Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1865)
- Date
- 1865-01-04
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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10 — Die Berliner „Montags-Ztg." erzählt: „Ein polnischer Jude, dessen Aeußeres keineswegs auf Reich- Lhum schließen ließ, erschien vor einigen Tagen in einer Conditorei, ließ sich eine Tasse Chocolade geben, trank, bezahlte und entfernte sich. Ein in der Conditorei beschäftigtes junges Mädchen fand gleich darauf unter dem von diesem Gaste innegehabten Stuhle ein weißes Läppchen und darin zu ihrem Erstaunen einen 25 - Thalerschein Nicht lange darauf erschien denn auch der Jude wieder, nach etwas suchend. Das Mädchen, als es dies bemerkte, fragte ihn, ob er etwas verloren habe, und holte dabei das Gefundene hervor. Der Fremde war über die Ehrlichkeit des Mädchens hoch erfreut, er hatte so etwas in Berlin nicht erwartet, um so weniger, als er der einzige Gast gewesen war. In Anerkennung dieser Handlung schenkte er der Finderin — 25 blanke Thaler, die er einzeln aus der Tasche hervorholte. Die Erzählung klingt sehr romantisch, ist aber vollständig authentisch." H o l l a u d. Amsterdam, 28. Dec. Soeben, Abends halb 10 Uhr, kehre ich aus der großen Synagoge von einer Feierlichkeit zurück, deren Schilderung für die Leser Ihrer Zeitschrift gewiß von Interesse sein wird. * Unsere Gemeinde hatte bisher noch nie für eigene Rechnung eine Sefer Thora schreiben lassen; bisher wurden diese jüdischen Heiligthümer stets von Privaten zum Geschenke gemacht; allein die in jüngster Zeit der Gemeinde übergebenen waren alt und die vor langer Zeit neu gestifteten waren auch alt geworden. Deßhalb beschloß der Vorstand und zwar so schreiben zu lasten, daß jedes Jahr eins dem Gebrauche übergeben wird. Das erste von diesen wurde nun heute eingeweiht. Abends halb acht Uhr wurde die neue Thorarolle in den Synagogenhof getragen, wo ihr sieben andere, getragen von den Vorstehern, entgegenkamen, während Vorsänger und Chor sangen; dann übernahm der Vorstandspräses, Herr S. I. Cohen Lob die Thorarolle aus der Hand des Herrn I. Con und brachte sie, während 0, x2.-i -p-Q und 1^2 gesungen wurde, in die Synagoge, um sie auf die Bimah niederzulegen. Die Träger der sieben Thorarollen machten nun sieben Hakaphot, bei welchen die Psalmen 19, 29, 45, 67, 84, 100 und 132 gesungen wurden; bei jeder Hakapha wechselten die Träger, die aus den Gemeinde-, Synagogen- und Vereinsvorstehern bestanden, wozu noch der gerade hier anwesende Herr Rabbiner B. Dusnus von Leenwarden zugezogen wurde. Nachdem nun unter den dabei üblichen Gesängen sämmtliche Sepharim in die heilige Lade gethan waren, bestieg Herr Rabbinatsasteffor I. Hirs ch die Kanzel und predigte in holländischer Sprache. Er sprach über 0^2 2^ -wx ^,20 2x11. In dem ersten Theile der Predigt sprach er über den Ein-; druck, welchen die Sephar Thora auf uns machen soll er schilderte bei dieser Gelegenheit den erhabenen Act der Gesetzgebung auf Sinai und zeigte, wie jene denkwürdigen Vorgänge (anlehnend an nx ix-,?n^p.-i) in ihren Einzelheiten noch heute geeignet sind, uns von falschen Wegen fern zu halten und uns auf den rechten Weg zu führen; im zweiten Theile der Rede führte der Prediger aus, daß Israel mit der Thora eins sein muffe, indem er das Chanuka-Licht als ein Symbol des Thoralichts darstellte; er ermahnte dann in milder Weise (i-> ist der Origmalausdruck unseres hebräisch schreibenden Correspondenten) Diejenigen, welche sich die Modernen nennen und die Thora und ihre Gebote nicht halten; dann aber auch die Gottesfürchtigen. welche stets über den Verfall unserer Gemeinde Wehe rufen. Der Redner behauptete, daß unsere Gemeinde keiner andern nachstände; er zählte die Stiftungen auf, welche in jüngster Zeitsowohl in Bezug auf das Studium der Thora und der Wissenschaften, als auch in Bezug aus die Unterstützung der Armen gestiftet seien. „Aber einen Vorzug," fuhr Herr R H. fort, „hat unsere Gemeinde vor andern großen Gemeinden. Es herrschen hier Friede und Eintracht; es existiren hier keine Sectenschulen, keine prachtvolle Synagogen für einen Theil der Gemeinden, sondern die Orthodoxen und die Modernen gehen Hand in Hand." Den Schluß bildete ein Gebet für die Gemeinde und ihre Vorsteher, für König und Vaterland sowie für alle unsere Glaubensbrüder. Darauf trug der Vorsänger vor; das Absingen des 150. Psalms beschloß die Feier. — In die Freude über das eben beschriebene Ereignis; mischte sich auch ein Gefühl der Wehmuth über das Hinscheiden eines sehr würdigen Mannes des Herrn M. Loonstein derselbe hatte in seiner Jugend Jurisprudenz studirt, hatte sich aber später einzig dem Thorastudium gewidmet, war Pfründner des Beth Hamidrasch und Beglaubigter der Gemeinde geworden; er war bei Juden und Nichtjuden hochgeehrt und hatte sich auch ourch Frömmigkeit und tugendhaften Lebenswandel der allgemeinen Achtung würdig gemacht Er starb in einem Alter von 78 Jahren. .->"^0 Das hiesige „Weekblad" hat meinen vorigen Bericht nicht gut ausgenommen. Wir gehören einmal nicht zu den Fanatikern der Ruhe , welche den Frieden um jeden Preis erkaufen wollen; zwar wissen auch wir das hohe Glück des Friedens zu schätzen; doch gilt uns die Erhaltung der von den Vätern ererbten Religion noch mehr, und diese wollen wir vor Allem uns und unfern Kindern erhalten. ._