Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1865)
- Date
- 1865-01-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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11 Schaar der „guten Juden" betrifft, so besteht dieselbe aus einer dreifachen Gliederung. Einige wenige edle Brüder gehören, was ich gewiß nicht in Abrede stellen will, trotz ihrem Bekenntnisse mit Leib und Seele den in Rede stehenden Intentionen an, steuern gern und oft, lasten ihre eigene Kinder auswachsen niiriTl d. b. bei niw'?. Ehre dieser ächten jüdischen Thätigkeit, es muß aber nach übereinstimmenden Nachrichten leider hinzugefügt werden, daß dies nur ein sehr geringer Bruchtheil ist, daß diese nur sehr rühmliche Ausnahmen bilden. Verschieden davon ist, ich möchte sagen, das Centrum vielleicht, der größte dieser Partheien, welche allen Bestrebungen der wenn diese nicht äußerlich sich zu ihrer religiösen Färbung bekennen, mit hartnäckigster Jndiffirenz fernbleiben, und daher in Gemeinden, in denen ihre Partei überwiegend ist, jeder Aufschwung dieses heillgsten aller Institute verhindert wird, ja jede frühere Kraft desselben bei ihrem Einflüsse erlahmt. Weit hinter ihnen zurüäbleibt der, ich will hoffen, nur kleine Rest, der incarnirten, enragirten Todfeinde aller Nichtchaffidim, und daher auch Feinde der O'-nnz Bei der großen Wichtigkeit dieses Punktes will ich dem fernstehenden und ungläubig den Kopf schüttelnden Leser ein uvuw, ich will immer noch hoffen, nicht pro rvultis, über solche Zustände erzählen! — Vor 5—6 Jahren herrschte in der großen Gemeinde S. a. Uchely große Zerklüftung und Zerrüttung, die Gemeinde theilte sich in drei Lager; etwa der dritte Theil bekennt sich tbecks zum Chassidismus. theils zur Reform, die übrigen zum ächten orthodoxen Judenthume. Die ersterwähnten Parteien, obgleich von ganz verschiedenen Motiven geleitet, jedoch in unnatürlicher Harmonie M dem Zwecke verbunden, jeder Kräftigung des nichtchassidäischen Judenthumcs, speciell der Verbreitung des Gesctzesstudiums mit gezücktem Schwerte entgegenzutreten, leisteten auch der Aufrechthaltung der dortigen Jeschiba den hartnäckigsten Widerstand, und wollten die mächtigst und kräftigst aus ihrer Mitte verbannen. Welch' großen Schmerz mußte der hochberühmte Leiter dieser großen Jeschiba dabei empfinden, sehend, daß seine bei weitem überwiegende Partei der um die Mittel nicht immer verlegenen gegnerischen nicht genug Widerstand leisten konnte. Von Schmerz zerwühlt, ließ er vor seiner Badereise der Gemeinde die lakonischen Worte sagen: „ich verlasse Euch." Seine Verehrer aber, Hoffnung setzend in die Doppelsinnigkeit des Wortes ihres Lehrers, baten flehend und weinend um Aufklärung, und als ihnen die günstige für den Fall der Ueberwindung der Schwierigkeiten geworden, ward sofort kräftigst Hand an's Werk gelegt, die N2'v' und alles die Betreffende wieder herzustellen, resp. zu organisiren, und so hat dies Institut eine dort noch nie gesehene Höhe erreicht, und wächst und wächst immer mehr Vor zwei und einem halben Jahre als der Rabbiner wiederum von gleicher Badereise zurückkehrte, wurde er mit einem schönen iip'L' Zimmer überrascht. — Das fast ganz ausschließliche Verdienst, die Jeschiba zu erhalten, haben daher die sogenannten d. h. die Feinde ebensosehr des reformistischen als auch des chafsidäischen Prinzips insofern dasselbe gegen 112^ und auftritt; diese sind es, deren thätige, opferfreudige Praxis ausschließlich die Gegenwart beherrscht, und die Zukunft ermöglicht, jene Edlen, welche nicht flüchtige Andachtsminuten als Inbegriff religiösen (?) Bedürfnisses ausgesonnen, die nicht den Pathos schönrednerischer Gleißnerei für die faktische Abrogirung des ganzen Gottesgesetzes seitens der heuchlerischen Pfaffen entschädigt, die nicht das Vertrauen zu ihrem „geistlichen Herrn" dadurch documentiren, daß sie jedesmal (wenn nicht ein alter Kunde im Geschäfte einen altern einträglichern Anspruch erhebt) am heiligen (daß sich Gott erbarme!) Sabbat mit anhörten, wie er so recht aus der Seele (soll h. nach dem Munde) spricht, vielmehr an die Stelle dieser sehr billigen und bequemen Begeisterung eine solche setzen, die sich in Opfern, großen, vielen regelmäßigen Opfern, einen Ausdruck gibt. Der Maßstab für das Vertrauen der Rabbinen, die sich zur ungeschwächten und deren Fortpflanzung bekennen, ist die Anzahl der welche sich in der Gemeinde erhalten, sind die Kosttische. Denn man vergesse nur nicht, der großen Menge kann nicht der ideale abstracte Standpunkt zugetraut werden, die große Bedeutung des Institutes yuasi religionsphilosophisch zu beurtheilen. Sie schaut zu ihrem Hirten hinauf, vertritt er so recht incarnirt das ihnen von den Eltern überlieferte Prinzip, so vertraut sie ihm und bringt diesem Vertrauen Opfer, rührende, beispiellos auf Erden dastehende Opfer. (Forts, folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Mainz, den 29. Dezember 1865. Der heutige Trauergottesdienst, der von Herrn Or. Lehmarm in der Synagoge der israelitischen Religionsgesellschaft abgehalten wurde, galt sechs wrnn deren Leben und Wirken zum großen Theile schon in diesen Blättern Besprechung fand. ES sind dieses: Herr Rabbiner Meklenburg zu Königsberg, der im Alter von 60 Jahren sein thatenreiches Leben hienieden beschloß.