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Der Israelit · 1865-01-04 · Heft 1 (4.1.1865) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 1 (4.1.1865)
Date
1865-01-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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VII. Jahrgang. Beilage z« Nr. 1 des Israelin Leitender Artikel. Noch einmal über die Irschilm - legeicheit. Von vr. I. Liläesdeiiner. (Fortsetzung.) m. N2M -«LN L.2!2r7 '^22 12.21.2. „Habet Acht auf die Kinder der Armen, denn von ihnen geht die Lehre aus." Wohl zumeist allerdings sind es Söhne der Armen, deren Berufsthätigkeit das Studium des heiligen Gesetzes, deren Leben der Lehre geweiht, deren Stunden dem Ausbau des Gottesgebotes gewidmet. Wohl zumeist, aber ausschließlich? — Haben wir nicht zu allen Zeiten und G. s. D. auch noch in der unserigen (wenn auch in Deutschland und Ungarn leider relativ gegen früher viel weniger) nicht Wenige zu verzeichnen, in denen den Vernünftigen der Reichthum vertheilt wurde, denen nämlich, die der absoluten Vernünftigkeit unserer heiligen Thora mit Liebe und Ausdauer zugethan waren und blieben, die vernünftig waren und sind, um einzusehen, daß gerade diejenigen, welche durch Rang und Einfluß mehr als Andere imponiren, deren Stimme gewichtiger als die vieler Anderer in die Wagschale fällt, deren Maßstab maßgebender und mustergiltiger als der vieler Anderer ist, deren Lebensstellung eine selbstständige, deren persönliche Autonomie eine so unbedingte, deren sorglose Geistesthätigkeit eine so freie und unabhängige, daß sie in dieser Beziehung ruhiger als tausend Andere zu Schiffe steigen können, um das talmudische Meer, weiter und breiter als irgend ein Meer, zu durchfurchen, daß gerade diese Glücklichen, von Gott „Bej vorzugten" mit diesem Glücke und dieser so in Alles! tief eingreifenden Prärogative auch zugleich und! noch viel mehr eine heilige Pflicht überkommen, diese glänzende Sonderstellung, diese ii dividuelle Selbstständigkeit im Dienste der „hehren Verlobten der Gemeinde Jakobs" auszubeuten, — dieses Bewußtsein. das in Polen, in Rußland noch in Hunderttausenden! seinen Ausdruck findet, ist G. s. D. auch in Deutsch- I land und Ungarn noch nicht abhanden gekommen.! Noch gibt es Viele, welche einerseits selbst im Rathe derer, „die im graden Verhältnisse zum Golde sittlichj moralische Bedeutung abwägen," Anerkennung und Achtung erzwingen; andererseits aber auch im hohen Rathe derer Geltung haben, die ganz andere Maßstäbe als schnödes Gold als Gradmesser sittlicher Bedeutung anlegen, die nicht nach dem „Haben", sondern nach dem „Sein" fragen, und die ein „Werden" kennen, ein Befferwerden, ein Gelehrterwerden. Haben aber diese edelsten Kämpfe für Gott und seine heilige Thora diese die fort und fort inmitten cras-! festen Materialismus und niedriger Vergötterung des! Mammons 2'222 ll'vw VL7 sind, niemals ge-! fehlt, so werden sie auch nicht fehlen, so lange noch j Einer den ganzen Jammer der Verthiertheit durch-! fühlt, die das ^p2^> iwp 2.211 zum Lebens (?)-Motto! erhebt. — Wenn nun alles Dies nicht in Abrede ge-! stellt werden kann, warum dennoch so strikt und streng j .-IHN -«LN NN2V '^22 12.21.2? — Das „nnvo"! erklärte mir einst ein geistreicher Homilet der alten j Schule folgendermaßen: wenn Kinder reicher Eltern! Großes leisten, so gehört kaum die Hälfte ersteren selbst an. Waren ja die Eltern leicht im Stande, vom hebräischen Buchstabiren bis zur höchsten talmudischen Dialektik hinauf, wie nicht weniger vom Lautiren und Auf- und Abstrich bis zur gewandtesten vaterländischen und fremden Linguistik, sowie den mathematischen! Wissenschaften und allen Zweigen der Humaniora die 1 ausgezeichnetsten Fachlehrer ebenso genial im Wissen j wie in der Methode und der Erziehungsweise zu aej quiriren, mochte es noch so viel kosten. Einem ganz armen Familienvater hingegen, dem Gott das größte Glück in dem Besitze eines vielversprechenden, hoffnungsvollen Kindes beschieden, wird es unendlich schwer, seinen Sohn zur Thora zu erziehen. Was kann er zur Cultivirung dieser edlen Frucht, zur Entfaltung dieses bedeutungsvollen Kernes thun? Nichts, wenigstens relativ so gut wie gar nichts. Wohl weiß er, daß er nicht nur für Brod, Holz und! Licht re. zu sorgen, daß er seinen, allerdings nur bescheidenen Steuergroschen dem Staate erschwingen, daß er einen weit größern Steuergroschen dem himmlischen Vater (allerdings rückzahlbar oder prädestinirt Bezah 16a) schuldet, es ist dies .22151 212^^ 122 nir«Li,2. Wie kann der aber dieser Pflicht genügen? Er schickt sein Kind in die Schule, wenn überhaupt eine solche in seinem Heimathorte existirt, oder in ein „2-12", wenn diese antike Form noch vorhanden ist, oder endlich, wenn allein auf einem Dorfe wohnend, unvermögend, die Kinder in die nächste isr. Gemeindeschule zu schicken, in gar kerne, wenn er nicht gar gezwungen wird, dieselben in die gewöhnliche Dorfschule zu senden. — Welche positive Hilfe kann nun hier zur Erweckung des schlummernden Genies geleistet werden? Gar keine, wenigstens so gut wie keine. Dieses zarte, noch tief schlummernde Genie wird vom gütigen Gotte frühzeitig mit dem kindlich ernsten Streben beglückt; anstatt mit seinen Altersgenoffen zu spielen, wird es wie durch einen geistigen Magnet zu der Flammenschrift

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