Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1865)
- Date
- 1865-01-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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8 rende Versammlung in ihrer Sitzung vom 28. Sept. 1791 trotz des Widerspruches der elsäsfischen Deputaten unter der Führung von Rewbel den folgenden Antrag Düports angenommen hatte: „In Erwägung, daß die Bedingungen, welche nothwendig sind, um französischer Bürger zu sein, durch die Verfassung bestimmt sind, und daß jeder Mensch, welcher den erwähnten Bedingungen entspricht, den Bürgereid leistet und sich verpflichtet, die Pflichten zu erfüllen, welche die Verfassung auflegt, ein Recht hat auf alle Vortheile, welche sie verheißt, widerruft die constituirende Versammlung alle Beschränkungen und Ausnahmen, welche durch frühere Dekrete in Bezug auf die Juden erlassen worden sind; die Juden hingegen müssen den Bürgereid leisten, der andrerseits als ein Verzicht auf alle ehedem zu ihren Gunsten erlassenen Privilegien und Bevorzugungen angesehen werden wird". Diese vollständige Emancipation der Juden zog immer mehr Israeliten nach Paris. Ein einziges Mal wurde der Name Jude im Jahre VI (1798) vor dem Rath der 500 ausgesprochen, als die Israeliten verlangten, daß, gleich den übrigen unterdrückten Korporationen, die Nation auch ihre Schulden bezahle. Diese Forderung wurde zwar anfangs günstig ausgenommen; sie wurde aber später verworfen. Es ist das das letzte Mal, daß dieser Name in einer gesetzgebenden französischen Versammlung genannt wurde. Unterdeß entstanden das Konsulat und das Kaiserreich; der Staatsrath hatte sich jetzt in den ersten Monaten des Jahres 1806 mit der israel. Frage zu beschäftigen. Am 30. Mai 1806 erschien ein Dekret, welches auf den 15. Juli desselben Jahres eine jüdische Versammlung nach Paris berief. Diese Versammlung eröfsnete ihre Sitzungen am 26. Juli auf dem Stadthause, in Gegenwart der kaiserlichen Commifsäre Portalis, Mol« und Pasquier, und erwählte A. Furtado zu ihrem Präsidenten. In der Sitzung vom 29. Juli hielt Mol«, ein Urenkel der Tochter Samuel Bernards, eine Rede, in welcher folgende Worte vorkamen: „Die Staatsgesetze, welche in Bezug auf die Bekenner Eurer Religion gelten, sind auf der ganzen Erde verschieden; das Interesse des Augenblicks hat sie oft dictirt; aber ebenso wie diese Versammlung kein Beispiel hat in den Jahrbüchern des Christenthums, ebenso werdet Ihr jetzt zum ersten Male mit Gerechtigkeit behandelt ckerden, und Ihr werdet sehen, wie Juer Geschick von einem christlichen Fürsten bestimmt wird. Seine Majestät will, daß Ihr Franzosen seid". Bei dieser Gelegenheit wurde in den beiden kleinen Synagogen, die sich beide in gemietheten Häusern befanden, feierlicher Gottesdienst abgehalten. Die letzte Sitzung der Versammlung hatte am 18. September 1806 statt. Das große Sanhedrin constituirte sich am 4. Februar 1807 und tagte bis Ende März desselben Jahres. Ein kaiserliches Dekret vom 17. März 1808 errichtete neben den Consistorien, deren Präsidenten den Titel „Nettesten" hatten, ein Centralconsistorium, das aus drei Rabbinen und zwei andern Israeliten bestand. Die drei Rabbinen waren Sinzheim (Präsident), Cologna und Segr«. Dieser Letztere wurde nach seinem Tode im Jahre 1811 durch den Oberrabbiner Deutz ersetzt. Die beiden anderen Israeliten waren S. Lazard und B. Cersberre, welcher später durch A. Schmoll ersetzt wurde. In Paris residirte neben seinem Consistorium auch das Centralconsistorium. Sämmtliche Vereine wurden im Jahr 1809 in einen einzigen zusammengezogen, welcher den Titel führte: „Israelitische Gesellschaft zur Unterstützung und Ermuthigung". Diese Gesellschaft hatte die Aufgabe, sich mit den Synagogen, der Wohlthätigkeit, und mit Allem, was für Juden von Interesse war, zu beschäftigen. Es ist das dieselbe Gesellschaft, welche gegenwärtig „ Somit« für Wohlthätigkeit" heißt. Das Pariser Consistorium hatte in der ersten Zeit seiner Existenz namentlich die Aufgabe, die Israeliten an die Annahme von Familiennamen zu gewöhnen, der Polizeipräfectur diejenigen Israeliten zu nennen, welche dieses Jahr an der Militärconscription Theil zu nehmen hatten und die fremden Israeliten zu überwachen. Das war eine ebenso mühevolle wie unangenehme Aufgabe. Damals war Eli« Halevy, der Vater des berühmten Componisten, Uebersetzer und Einnehmer des Konsistoriums, wofür er einen Gehalt von 300 Frs. bezog. Die Predigten nach den damals so häufigen Siegen hielt sämmtlich der Ritter von Cologna ob, welcher damals der einzige Rabbiner war, welcher geläufig französisch sprechen konnte. Diese Predigten glichen stets eine der anderen auf ein Haar. — Folgender Brief vom Kultusminister, dem Graten Bijot von Präa^ meneu, an den Präsidenten des Pariser Consistoriums wird nicht ohne Interesse sein: „Paris, den 21. Mai 1811. Mein Herr! Seine kaiserliche und königliche Majestät wünschen, daß am nächsten 9. Juni Ihrem Ritus gemäß unter großer Feierlichkeit zum Danke für die Geburt des Königs von Rom ein l'e veum gesungen werde. Schon mehrere Male haben Sie Gelegenheit gehabt, Gott dafür zu danken, daß Er stets mit dem glänzendsten Erfolge die edlen Unternehmungen unseres unsterblichen Kaisers zum Heile seine Völker gekrönt hat; aber der größte Beweis dieses göttlichen Schutzes besteht darin, daß Gott gezeigt hat, daß es Sein Wille ist, daß so große Werke sich verewigen inmitten einer Nachwelt, die da bestimmt ist, in den Fußtapfen der Gegenwart zu wandeln. Ich habe die Ehre, Sie zu grüßen rc." (Forts, folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Lofbuchhandluna. — Dampf - Schnellprefsendruck von I. Gottsleben in Main».