Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 6 (1865)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1865)
- Date
- 1865-01-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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7 gekünstelt; die Lüge hingegen schlau und listig, weshalb es letzteren nur zu häufig gelingt, die Unwissenheit der großen Masse für sich auszubeuten. Ein Umstand ganz eigentümlicher Art mußte daher eintreten, um die drohende Gefahr von der ungarischen Judenheit rechtzeitig abzuwenden. Gottlob! dieser Umstand blieb nicht aus. Herr Rabbiner Löw in Szegedin erhielt nämlich den von der mehr erwähnten Vertrauenskommission seiner Zeit ausgearbeiten „Entwurf eines Unterrichtsplanes für das zu errichtende ung.-jüd. Rabbinerseminar" zur Begutachtung, resp. znr Umarbeitung. Dies genügte nun, die beträchtliche Anzahl unsrer kleinen und größeren Reformier dem ganzen Projekte gründlich zu entfremden. Die Nothwendigkeit einer Rabbinerschule für Ungarn im sogenannten „neuzeitlichen Geiste" organisirt — wird von diesen allerdings als ein unabweisbares Bedürfniß bezeichnet; ein Rabbinerseminar aus der Hand Löw's jedoch wird entschieden zurückgewiesen, s'i-r! Man hegt die gegründete Befürchtung, die Anstalt werde nichts Anderes sein, denn eine Verkörperung der Ben-Chananja-Theologie. Ein Institut ähnlicher Art, würde jedoch keine Nabbinerfchule, es würde vielmehr eine Satyre des Judenthums sein, die um so beißender, schmerzlicher wäre, als hiezu jüdisches Geld verwendet werden müßte, das, anderweitig verwendet, viel Heil und Segen bringen könnte. Daß dies keiner unsrer Reformr bbiner wünschen kann, wünschen wird, ist gewiß. Auch ein Neformrabbiner ist in dem Grade Jude, cs nicht als angemessen zu erachten, daß oas Judenthum dafür bezahle, theuer bezahle, daß man seiner spotte.' Dieß haben wir noch nicht zu befürchten - so weit hat's unsre Neuzeit noch nicht gebracht. Was sagen Sie zuder „Sabbatgesellschaft" des Herrn Löw? Der Mann ist wahrhaft unermüdlich. Allsabbatlich versammelt derselbe eine kleine Zahl von Zuhörern um sich. um selbe mit d.m neuesten Erscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Literatur einigermaßen bekannt zu machen. In Gegenwart eines Schulauditoriums, bestehend aus Schneidern, Schustern, Seifensiedern und Wurstlern, werden die bescheidenen an die Redaktion eingesandten Büchelchen nebst ihren zum Theile verdienstvollen Verfassern mit ekelhaftem Speichel, mit giftigem Geifer besudelt, wobei die hohe Weisheit des großen Recensenten bewundert undangestaunt wird. Wir unsrerseits zollen der Bescheidenheit des Herrn Löw, der mit der Anerkennung eines ähnlichen Publikums zufrieden ist, ebenfalls die ungeheuchelteste Bewunderung. Eines jedoch finden wir etwas unpassend. Herr Löw plaidirt bekanntermaßen für die unjüdifche Sitte, „Blumen auf Gräber" zu streuen, indem er diese als eine heilige Pietät betrachtet, die man den „Todten" schuldet. Nun bleibt es eben unerklärlich, wie ein Mann von solch' zartfühlendem Herzen sich wohl Herbeilaffen kann, am heiligen Sabbate, in einer ungebildeten, schadenfrohen Masse Steine auf lebende Menschen zu werfen, die gewiß kein anderes Vergehen begangen, als auf den pseudotheologischen Ben-Chananja nicht pränumerirt zu haben? — Ein dieser Art soll eine „Sabbatgesellschast" genannt werden? Wahrlich, dies genügt vollkommen, den Bildungsgrad des Herrn Low zu charakterisircn. Die Redaktion des B. CH. veröffentlicht soeben die Pcänumerationseinladung für den siebenten Jahrgang dieser Zeitschrift. Ein künftiger Geschichtsschreiber. der über den Kulturzustand der Israeliten in Ungarn Bericht erstatten wird, dürfte sich seiner historischen Pflicht durch die einfache Registrirung nachstehender Worte vollkommen entledigen: Im neunzehnten Jahrhundert hat sich B. CH. volle sieben Jahren unter den ungarischen Israeliten erhalten können!! — Italien. Turin, 26. Dec. Man hat hier Nachrichten aus Rom erhalten, denen zufolge die Verfolgungen gegen die dortigen Juden in aller Stille fortgesetzt werden und die desfalls erhoben werdenden Beschwerden gar nicht in die Oeffentlichkeit dringen. Wieder ist am 12. d. M. ein Judenkind von 8 Jahren, ohne daß dessen arme Eltern nur darum gefragt worden feien, von einem mit den Geistlichen eng verbündeten Handwerker als sein Adoptivkind ins Haus genommen und getauft worden. Der betreffende Akt wurde ganz stillschweigend aufgesetzt, und den verzweifelnden Eltern wurde mit Ausweisung gedroht, wenn sie die Sache in die Oeffentlichkeit bringen würden Zweien Juden, welche außerhalb des Ghetto in der Bia de Paftini auf fremden Namen Handel trieben, wurden am 18. d. das Gewölbe von der Polizei gänzlich ausgeleert, ohne daß man ihnen darüber weitere Rede gestanden. Die Juden haben in Nom Niemanden , der sich ihrer Sache annähme; Graf SarLiges, der französische Gesandte, hört keine Klage derselben an; der dortige jüdische Gemeindevorstand wird von der Regierung nur geduldet, hat aber gar kein Recht, Beschwerden zu führen und kein hoher Beamter empfängt einen jüdischen Gemeindevertreter in Angelegenheiten seiner Gemeinde. So handelt die päpstliche Regierung im Jahre 1864! (Neue Ff. Zeitg.) Frankreich. (Jüdische Briese von Albert Cohn. V.) Unter dem Direktorium und dem Consulat etablirten sich noch viele jüdische Familien, sowohl vorn deutschen wie vom jüdischen Ritus in Paris. Auf die Verhältnisse der Juden hatten die verschiedenen Regierungswechsel keinen Einfluß, seitdem die constitui-