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Der Israelit · 1865-01-04 · Heft 1 (4.1.1865) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 1 (4.1.1865)
Date
1865-01-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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e Es ist zu bedauern, daß den Ausländern in jüngster Zeit die erste Prüfung ganz nachgelassen und die zweite wesentlich erleichtert worden ist, nur um Bewerber anzrrlocken, während bei dem jetzigen Verkehrswesen ein Rabbiner recht leicht zwei Bezirke hätte versehen können, bis wieder tüchtige Kandidaten herangezogen gewesen wären. Hoffen wir, daß bei der Revision unseres israel. Kirchengesetzes durch Erweiterung der Autonomie der Gemeinden auch der Wiederkehr solcher Mißverhältnisse vorgebeugt werden möchte! Wandsbeck, 12. Dec. Wir fahren heute in der Berichterstattung über die jüngst besprochene Broschüre, „Gedanken über -die Neugestaltung der israel. Gemeinde Hamburgs" fort. Das Armenwesen, ein Institut, das in so groß artigem Maßstabe und so wohlorganisirt und so wohlthätig iwirkend in keiner größern Gemeinde unseres Wissens gehandhabt wird, geht nach dem neuesten Gesetze einer großen Veränderung entgegen, da nach demselben der Staat die Unterstützung der Armen übernehmen will, ein Umstand, der hoffentlich nicht eintreten wird. Der Verfasser schlägt vor, einstweilen, aus Befürchtung, die Thatsache möchte etwa neue Vorschläge über den Haufen werfen, keine Veränderungen in den Einrichtungen der Amenverwaltung eintreten zu lassen. Dagegen, nachdem das Statut in Kraft getreten, ein Corrrrtä zu rnftallrren, dessen Ausgabe es sein soll, den Uebergang des Armenwesens in seine neuen Verhältnisse zu überwachen und zu leiten. Das Comito dürfte nach ihm zusammengesetzt sein aus: zwei Vorstehern, einem Armenpfleger, einem Mitglied des Krankenhaus- Collegiums und einem Gemeinderepräsentanten. Dies Comrtä soll nach einer bestimmten Zeit das Ergebniß seiner Erfahrungen und Berathungen dem Arniencollegium vorlegen. Dasselbe hat danach eine neue Armenordnung zu entwerfen und dem Vorstehcrcollegium zur Bestätigung zu unterbreiten Dem Verhältniß der Unterrichtsanstalten zur Gemeinde (bis jetzt bestanden in Hamburg zwei Mädchen- und zwei Knabcn-Armenschulen, die mehr oder weniger von der Gemeinde subventionirt und daher unter Controls wenigstens in Bezug auf die Finanzen derselben standen) widmet der Verfasser eine eingehende Erörterung. Nach vielen trefflichen und sehr wahren Bemerkungen kömmt er zum Schluffe, daß alle bestehenden und noch entstehenden Schulen von der Gemeinde subventionirt und dafür auch Ln finanziellen Angelegenheiten wie bisher der Controle des Vorsteher-Collegiums unterworfen bleiben sollen. Denjenigen, die wegen des Begräbnisses Scrupel empfinden, räth der Verfasser, sich Plätze für sich und ihre Familien zu erwerben, wie es schon oft geschehen. Zum Schluffe fügen wir noch die Schlußworte der Broschüre hinzu: „Wir zweifeln nicht, daß an diesen Vorschlägen Manches auszufetzen, Manches zu verbessern sein, daß Manches in der Praxis auf Schwierigkeiten stoßen wird; wir zweifeln noch weniger daran, daß Engherzige oder Einseitige, die nur sich und ihr eigenes System vor Augen haben, sie von vornherein verwerfen werden; wenn aber wohlwollende, das große Ganze berücksichtigende Menschen, solche, die von der Wahrheit ihrer eigenen Ideen und dem endlichen Siege derselben durchdrungen, auch jeder andern neben sich Raum gönnen, in den hier mitgetheilten Gedanken einige brauchbare Bausteine für den Neubau unserer Gemeinde finden, so wäre der Zweck unserer Arbeit erreicht". Wir danken dem Verfasser für seine dankenswerthe Arbeit, besonders deßhalb, weck er uns so Manches aus der Seele gesprochen. Wir fügen noch einmal den Wunsch bei, die jüdische Gemeinde Hamburgs, die hinsichtlich ihrer religiösen Institute unübertroffen dasteht, möge fortfahren und bestehen zum geistigen und materiellen Wohle ihrer Angehörigen und aller derjenigen, die für die heilige Sache unseres Glaubens einiges Interesse hegen. Wandsheck, 18. Dec. Wie wir hören, haben sich bis jetzt 1l> Mitglieder zum Austritt aus dem Verbände der isr. Gemeinde Hamburgs angemeldt. Auch soll üch eine dritte Gemeinde bilden wollen, der „freiern" Richtung angehöng, der dis Einrichtungen des Tempels immer noch zu alt erscheinen. Wir wünschen, falls sich die Nachricht bestätigt, glückliche Reise! Nur möge diese „freie Gemeinde" sich hüten, daß sie im Laufe der Zeit nicht sich genöthigt sicht, um den Mitgliedern religiöses Gefühl beizubringen, denselben Zu empfehlen, koscher zu essen und täglich Tefillin zu legen, wie vor einiger Zeit, so erzählt man sich, im Schooße des Hamburger Tempels solche Stimmen laut wurden. Unsere Zeit bringt allerlei Neues zu Tage; sie hat'einen guten Magen und kann die stärksten Gegensätze verdauen. Am Ende geht dennoch die Wahrheit als Siegerin hervor, und dannt beruhigen wir uns, mag es im Weltmeere noch so sehr stürmen. Oesterreichischer Kaiserstaat. StuhlweiHenburg, im Jan. Das vielfach ventilirte Projekt eines in Ungarn zu gründenden Rabbiuerseminars scheint nunmehr vollends Fi as k o gemacht zu haben; doch sind es nicht die lebhaften Proteste der hierländischen orthodoxen Rabbinen, die dem noch ungebornen Kinde den „Todtenschem" ausgestellt. Die wenn gleich energische Einsprache derselben würde der Großzün gigkeit der Reform gegenüber kaum eine wesentliche Beachtung gefunden haben. Die Wahrheit erscheint schlicht und un-

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