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Der Israelit · 1864-12-28 · Heft 52 (28.12.1864) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 52 (28.12.1864)
Date
1864-12-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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kam sie an eine waldige Gegend und gewahrte bald am Saume des Waldes auf einem offenen Platze eine eüchMe Hütte. Sie ging auf dieselbe zu; ein hchMMyrter MöWGß, wie-es schien, in tiefer Andachkvor derselben. Sie näherte sich demselben und begrüßte ihn. Der Greis blickte auf, sah sie eine Weile mit forschendem Blicke an, dann sprach er : „Was wünschest Du meine Tochter?" Die Frau erzählte offen ihre Schicksale und ihre jetzige Verlassenheit, daß sie nur Gott habe , an den sie sich halten könne. „Das ist der beste Halt, meine Tochter!" sagte der Greis. „Bleibe zuvörderst bei mir; es kann Dir von Nutzen sein." Die Frau' dankte dem Greis mit innigen Worten und versprach ihm, eine treue Tochter zu sein. — Der Greis verstand sich trefflich auf die Anwendung der nährenden und heilsamen Kräuter, und von allen Seiten kam man zu dem weitverehrten Einsiedler, um sich Rath und Hülfe bei ihm zu holen und ihm dafür Milch, Brod und Früchte und sonstige kleine Geschenke zu bringen. Der Greis theilte der aufmerksamen Frau seine Kenntnisse mit, und bald konnte sie seine Stelle vertreten und genoß dasselbe Vertrauen bei Men, die hier- W kamen, um Hülfe zu suchen M Eines Tages nun sprach dev Greis zu ihr: Meine Tochter! ich muß mich Ms den Ruf der Gottheit nach einer andern entfernten Gegend wenden und mich von Dir trennen, und ich wäß nicht, ob ich Dich je wieder sehen werde. Ich überlasse Dir meine Hütte, in welcher Du, verehrt von allen Menschen ringsumher, sicher wohnen wirft. Lebe Deinem neuen Berufe wie bisher, stehe den Kranken und Gebrechlichen, die Dich aussuchen, hülsreich bei, bis Dir Gott einen andern Weg zeigen wird." So leid der Frau die Trennung that, so fügte sie sich doch, bei ihrer tiefen Verehrung des Greises, mit stiller Ergebung darein. Nur um seinen Segen bat sie noch. Der Greis legte ihr die Hände aufs Haupt, sprach leise einige Worte und entfernte sich dann mit langsamen Schritten. Die Hände in einander gelegt und eine Thräne im Auge, stand die Frau vor der Hütte und sah dem Greise nach, bis er ihrem Blicke entschwand. So lebte denn die Frau jetzt allein in ihrer Hütte und widmete sich ganz dem Berufe, zu dem sie ihr wunderbares Geschick geführt. Der Ruf ihrer Geschicklichkeit drang mehr und mehr in die Ferne, und die Zahl der Hülfe Suchenden, der an Krankheiten und Gebrechen aller Art Leidenden nahm täglich zu; sie half jedem, dem sie helfen konnte, so arm wie reich. Bald auch, sah sie sich genöthigl, weil sie den Anforderungen allen nicht mehr allein genügen konnte, sich Dienerinnen zu hatten und ihre Hütte zu erweitern, und mochte die Frau es auch! nicht begehre», so drang doch die Dankbarkeit Derer,! die hier Hülfe und Genesung fanden, ihr manche»! ksstbme Geschenk aus. Sie legte dieselben zurück, in der Hoffnung, einst wieder glückliche Tage M sehen. Eines Tages erschienen vor dem einsamen, mit! einem Gärtchen umgebenen Häuschen — denn zu einem solchen war die Hütte geworden — ein Pater ' mit seinem Sohne. Die Frau sah dieselben kaum,! als sie auch zu ihrem freudigen Schrecken ihren Retter mit seinem von ihr todt geglaubten und so lange beweinten Knaben erkannte. Vater und Sohn er-! kannten die Frau in ihrer fast ganz verhüllenden, i einsiedlerischen Kleidung nicht. — Wohl war der i Knabe fast wie todt aufgefunden worden, durch schleunige und geeignete Hülfe jedoch ward er am Leben erhalten und dem Leven wiedergegeben. Heftige, wenn auch unterbrochene Anfälle indessen von Kopsleiden, und in Folge derselben eine gewisse Körper- und selbst Geistesschwäche waren nicht zu besiegen,! und deßhalb kam der Mann mit seinem Kinde, um bei der weithin berühmten Einsiedlerin wo möglich Hülse zu finden. Die Frau bat den Mann, ihr den! Knaben auf einige Zeit zur ärztlichen Behandlung und sorgfältigen Pflege zu überlassen und versprach, ihr Mögliches bei demselben zu Ihn», und als der Mann zögerte, da gab sie sich demselben zu erkennen, indem sie ihn zugleich wegen ihrer verzweifiungsvollen Flucht um Verzeihung bat und ihm ihre ferneren Schicksale bisher mittheilte. Der Vater überließ ihr nun Mn seinen Knaben, und schon nach einigen Monaten" hatte er die unaussprechliche Freude, sein Kind gekrästigt an Körper und Geist und völlig genesen wieder zu erhalten. Unterdessen war der Mann der Frau mit den Maaren, die er in fernen Ländern gekauft, nachdem er manches Mißgeschick und manche Gefahr überstanden, wieder glücklich in seiner Heimath angekommen, voll der frohesten Hoffnung, sein zurückgelassenes geliebtes Weib wohlbehalten in der Obhut seines Bruders > anzutreffen. Er eilte daher sogleich nach dem Hause i desselben und als er sie daselbst nicht fand, rief er j bekümmert: „Wo ist mein Weib, Bruder?" „Frage nicht," antwortete dieser in einem scheinbar schmerzlichen Tone, „frage nicht nach diesem Weibe, das Dich so schändlich hintergangen und sich gegen Dich und gegen Gott so schwer versündigt hat. Das Weib wurde auf die Aussage zweier Zeugen der Untreue angeklagt und überwiesen und vom Gerichte zum Tode durch Steinigung verdammt. Den hat sie erlitten; Gott sei ihrer Seele gnädig!" — „V, mein armes, gutes Weib!" jammerte der Mann, „es kann nicht sein! es kann Nichtsein! Rein, nimmermehr! Mein gutes Weib war züchtig und fromm, und mein Herz sagt mir, mein armes, gutes Weib ist trotz der Auslage der beide« Zeugen unschuldig

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